Liveblog Sachsen-Anhalt

Das Märchen vom Konfettiverbot Live

Von Stephan Schulz | 11. Februar 2015

Marcel Schuchert mag Karneval - mit Frauen, Männern und Konfetti. Am Dienstag vor einer Woche saß der 24jährige im Universitätsklinikum in Halle Kröllwitz und spendete Blut, wie so viele Jecken und Narren dieser Tage. Zwanzig Euro pro Person erhalten die Liebhaber des närrischen Treibens dafür, dass sie sich ein wenig Lebenssaft abzapfen lassen. Die Hälfte des Geldes spenden sie dem Halle-Saalkreis-Karnevalsverein HSKV, der gerade jeden Cent gut gebrauchen kann. Schließlich findet am 16. Februar 2015 wieder der traditionelle Rosenmontagsumzug statt und der ist nicht umsonst zu haben. Kostüme, Kamelle, Umzugswagen - das alles will finanziert sein, gern auch mit dickem oder dünnem Blut, das Leben retten kann.

Marcel Schuchert (Foto: HSKV)
von Stephan Schulz

Als Marcel Schuchert für den Zappendorfer-Carneval-Verein (ZCV) zu Ader gelassen wurde, muss er für einen kurzen Moment nicht ganz bei Sinnen gewesen sein. Denn er säuselte einem Reporter von MDR Sachsen-Anhalt einen Satz ins Mikrofon, der alle Jecken und Narren in Sachsen-Anhalt in helle Aufregung versetzt hat. "Für den Rosenmontagsumzug in Halle gilt in diesem Jahr zum ersten Mal ein Konfettiverbot", sagte der junge Mann mit der Narrenkappe. "Wir sind sehr traurig darüber, weil wir so gern Konfettibomben zünden."

Marcel Schuchert behauptete, dass das Konfettiverbot erlassen worden sei, weil der Karnevalsdachverband HSKV die hohen Reinigungskosten für den kunterbunten Papiermüll nicht mehr bezahlen könne. Er bat den Reporter von MDR Sachsen-Anhalt darum, die Hiobsbotschaft erst am heutigen Mittwoch zu senden, weil er seinen närrischen Vorgesetzten nicht die Show stehlen wollte. Der Reporter hielt sich an die Vereinbarung. Hunderttausende Sachsen-Anhalter hörten nun heute Vormittag die traurige Kunde vom Konfettiverbot in Halle. Sie lief stundenlang in den Nachrichten.

Auch Volker Rosenau saß vor dem Radio. Der 59jährige ist Präsident des HSKV. So aufgebracht wie er am Telefon klingt, ist zu befürchten, dass er Marcel Schuchert bei nächster Gelegenheit die Narrenkappe tief ins Gesicht ziehen wird. "Es gibt kein Konfettiverbot!", echauffiert er sich. "Das ist eine Falschmeldung!" Er verweist auf die Homepage seines Vereins. Dort heißt es wörtlich: "Handelsübliches Konfetti darf beim Rosenmontagsumzug benutzt werden, geschreddertes Papier aller Art wird strengstens untersagt.

Volker Rosenau (Foto: HSKV)
von Stephan Schulz

"Konfetti ist nicht gleich Konfetti", sagt Volker Rosenau.
Es gebe genormtes, das sich leicht von der Straße fegen lasse. Und es gebe Konfetti aus EDV-Papier, das so klein und rutschig sei, dass es von einer Kehrmaschine nicht aufgenommen werden könne. "Das Zeug marschiert einfach durch die Bürsten durch", sagt der Karnevalist. Sein Verein, der alljährlich nach dem Rosenmontagsumzug bis zu 5000 Euro für die Straßenreinigung bezahlen muss, befürchtete eine Kostenexplosion. Deshalb sei mit den Halleschen Stadtwerken, die den Papiermüll der Karnevalsfreunde jedes Jahr aufs Neue beseitigen müssen, vereinbart worden, in diesem Jahr nur noch handelsübliches Konfetti zu werfen.

Beim Rosenmontagsumzug in Halle werden also auch weiterhin bunte Papierschnipsel fliegen. Darauf kann sich Marcel Schuchert schon mal freuen. "Ich werde den Narren mit Konfetti einreiben", sagt Volker Rosenau.

Optionen

Kommentare
Klänge
Gesponsert von ScribbleLive Content Marketing Software Platform

MDR SACHSEN-ANHALT bei Twitter