Liveblog Sachsen-Anhalt

Ehemaliger Militärflugplatz Mahlwinkel Live

52.370675, 11.814930 | 11. Februar 2015

Nichts los, aber davon ganz viel: mitten im Wald zwischen Mahlwinkel und Bertingen gibt es eine Straße, die so gerade, wie holprig ist. Für Autofahrer eine potentiell tödliche Mischung.
von Felix Moniac

Mahlwinkel, etwa 600 Mannen stark, ein Dörfchen bei Tangerhütte im Landkreis Börde.

Hier sagen sich nicht nur Fuchs und Hase gute Nacht, auch Wildschwein und Reh feiern wohl regelmäßig gemeinschaftliche Pyjama-Partys.


Das war allerdings nicht immer so. Einst trieb hier der hundsgemeine Russe sein Unwesen, um genau zu sein: die Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland, kurz GSSD.

Begonnen hatte der Spuk im Jahre des Herrn 1952. Es war das Startschussjahr für den Bau des russischen Militärflugplatzes Mahlwinkel, Codename “Tschkalow”.


Als Standort war der Wald zwischen Mahlwinkel UND Cobbel UND Bertingen UND Uetz gewählt worden.

Hier darf heute niemand mehr rein. Schon gar nicht vom MDR!
von Felix Moniac

Warum der Flugplatz dann ausgerechnet (ausgerechnet!!!!1!!11Elf!!) Mahlwinkel heißen musste und nicht wenigstens glamourös Bertingen, simpel-schön Cobbel oder - um maximal Druckerschwärze sparen zu können (‘s gab ja nüscht, damals…) - funktional und bündig Uetz?


- Die Antwort, liebe Volksgenossen, weiß der Zar und der Zar ist tot (lang lebe, äh, Pu.
..?! - Neeeeeee.)

Jedenfalls… Der Wald wurde auf der Fläche des Flughafens plattgemacht. Und - wie es der Zufall so will - passte da dann perfekt der Flugplatz rein. Riesenglück.

Ab 1957 bis einige Jahre nach der Wende, 1994, um genau zu sein, konnte die GSSD hier fortan nach Herzenslust und Laune Flugzeuge abheben und landen lassen. Abheben und landen. Abheben und landen (‘s gab ja sonst nüscht, damals… ).

Kleine retrospektivisches Amüsemang: Als Baumaterial für die Landebahn diente zunächst die Hochofenschlacke des nahegelegenen Stahlwerks Tangerhütte.
Während eines Manövers überquerten und zerstörten Panzer diese Landebahn. Eine landewillige MIG baute in der Folge einen Crash. Daraufhin wurde die Landebahn betoniert. Aber erst dann. Da lacht der Schelm im Schreiber.

Quod erat demonstrandum
von Felix Moniac

Nachdem der Flugplatz dann nach ‘94 zunächst keine Funktion mehr innehatte, war er bis heute u.
A. zwischenzeitlich Schafweidewiese und Europas [sic] größtes pseudo-militärisches Paintball-Gelände (bis die Behörden feststellten, dass das wie alles, was Spaß macht, mal wieder verboten werden müsse, weil - naja, wegen Einsturzgefahr und so…).
Aßerdem - wie einfallslos - sollte auf dem Gelände Europas größte (schon wieder) Schweinezuchtanlage gebaut werden. Eine Bürgerinitiative war erfolgreich, auch diese Pläne sind vom Tisch.

Heute gibt es auf der Landebahn eine riesige Solarzellenanlage, die die Suchmaschine mit Doppel-O auf ihren Satellitenkarten noch nicht kennt, das Computerobst mit Doppel-P indes schon.


Und wer das ganz besondere Erleben liebt, das sich in diesem Fall in Lärm, Abgas und Ungemütlichkeit zeitigt, der (oder die, wobei, hähähä, doch KEIN MÄDCHEN nicht…) kann als geneigter Militarist auf dem Flugplatzgeländer Panzer fahren. Russischer Bauart, natürlich. Wenn das nicht mal nach Abo schreit.


von Felix Moniac

DIS(S)CLAIMER: Macht zwar keinen Spaß, aber: meine Güte, wer den Text falsch verstehen sollte... It's irony, stupid.

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