Liveblog Sachsen-Anhalt

Frauenpower à la SPD Live

Von Stephan Schulz | 8. März 2015

Im Eingangsbereich des Magdeburger Kongress- und Kulturzentrums Fichte stehen die Rosenkavaliere.
Es sind drei Projektentwickler für Windkraftanlagen. Sie kommen aus Meißen und umgarnen die Frauen, die am Landesparteitag der SPD teilnehmen wollen, mit Blumen. Es ist nicht ganz klar, ob sie einfach nur höflich sein wollen oder den Internationalen Frauentag clever als Werbeplattform nutzen. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem.

Während die Männer im Halbdunkel stehen, lässt sich die rauchende Fraktion der SPD draußen vor der Tür die Sonne ins Gesicht scheinen. Die Genossen und Genossinnen pusten weiße Nikotinwölkchen in den blauen Frühlingshimmel. Es ist windstill. Rote SPD-Fahnen hängen schlaff an ihren Masten. Auf dem Dach eines Nachbargebäudes reckt eine Kopie der New Yorker Freiheitsstatue ihre Fackel empor. Sie steht schon länger dort, passt heute aber besonders gut ins Bild. Bei der SPD ist nämlich Frauenpower angesagt. Die Sozialdemokraten wollen ihre Landeschefin Katrin Budde zur Spitzenkandidatin für die Landtagswahl im kommenden Jahr küren. Dazu haben sie sich gleich drei energische Gastrednerinnen eingeladen. Aus Dessau ist Bauhausdirektorin Dr. Claudia Perren angereist. Sie vertritt die Architektur. Anne Lequy verkörpert als Rektorin der Hochschule Magdeburg-Stendal die Bildung und die Magdeburger Theaterintendantin Karen Stone die Schauspielkunst. Alle drei Frauen halten flammende Reden auf die Gleichberechtigung von Mann und Frau, was dazu führt, dass das männliche Geschlecht in Deckung gehen muss.

Die SPD zieht mit Katrin Budde als Spitzenkandidatin in den Landtagswahlkampf
von Stephan Schulz


„Man kann nicht behaupten, dass die Herrschaft der Männer in den Vorstandsetagen zu einem besseren Bankensystem geführt hat“, sagt Theaterintendantin Karen Stone.

Sie und ihre beiden Mitstreiterinnen bereiten der SPD-Landesvorsitzenden Katrin Budde die Bühne. Als die 49jährige schließlich am Rednerpult steht, entfaltet sich der Internationale Frauentag in seiner ganzen Blütenpracht: „Heute gibt es die Blumen am 8. März nicht mehr dafür, dass wir brav am Herd stehen und den Männern die Latschen bringen“, sagt Budde. "Heute gibt es die Blumen aus Respekt davor, dass wir überall im Leben unsere Frau stehen und trotzdem zusätzlich noch den Haushalt schmeißen.“ Sie weist ihre Zuhörer darauf hin, dass Kunst, Kultur, Architektur und Wissenschaft vor noch gar nicht so langer Zeit auf dem Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalts reine Männerdomänen waren. „Die Protagonisten hießen Händel, Telemann, Weill und Gropius“, sagt sie. „Heute heißen sie Perren, Lequy oder Stone.“ Budde schaut auf ihr Manuskript. Sie hält kurz inne. Dann ergänzt sie die Reihe der taffen Frauen. „Sie heißen auch Kolb und Reinecke.

Angela Kolb ist Justizministerin und Gleichstellungsbeauftragte in Sachsen-Anhalt, Corinna Reinecke leitet die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen.

Budde ist jetzt in ihrem Element. „Ich will mit Euch die Staatskanzlei erobern“, ruft sie. „Ich will die erste Ministerpräsidentin von Sachsen-Anhalt werden.“ Tosender Applaus. Wenig später folgt ihre Wahl zur Spitzenkandidatin der SPD. Es ist eine reine Formsache, denn sie hat weder eine Gegenkandidatin noch einen Gegenkandidaten. 350 Delegierte halten rote Kärtchen hoch. Sie geben Katrin Budde ihr Go. Die Politikerin kassiert nur sechs Nein-Stimmen und eine Enthaltung. Das Ergebnis zaubert ihr ein glückliches Lächeln ins Gesicht. Doch nicht jeder ist zufrieden. 

Eine Kopie der Freiheitsstatue am Tagungsgebäude der SPD
von Stephan Schulz

Andre Schröder, der CDU-Fraktionschef, verschickt wenige Minuten nach ihrer Nominierung 
eine Pressemitteilung in die Redaktionsstuben. „Die SPD sollte Farbe bekennen und sagen, was sie mit ihren Wählerstimmen vorhabe“, heißt es in dem Schreiben. Doch Katrin Bude will keine Koalitionsaussage treffen. Sie hält sich alle Optionen offen. Wer ihr genau zuhört, weiß aber, dass sie mit einem Bündnis mit der Linkspartei liebäugelt. Dafür sprechen auch die Seitenhiebe auf die CDU in ihrer Rede. „Ich finde, Sachsen-Anhalt hat einen besseren Regierungschef verdient“, sagt sie in der Magdeburger Fichte. Und an anderer Stelle: „Da kommt der Möllring aus dem Ruhestand, weil ihn der Mantel der Geschichte umweht hat. Und was passiert dann hier im Bereich Wirtschaft und Wissenschaft? Nichts! Nicht mal ein laues Lüftchen.

Budde schießt sich derart gegen die CDU ein, dass sie komplett vergisst, dass ihre eigene Partei in Regierungsverantwortung steht und das „Nichts“, wie sie es nennt, immer mitgetragen hat. Auch die Linkspartei bekommt ihr Fett weg. Sie fragt sich, ob die Partei überhaupt an die Macht will oder es im Wahlkampf bei der Oppositionssehnsucht belassen wird, dass Unparteiische Beobachter können sich da nur verwundert die Augen reiben. Doch Budde ist nicht zu stoppen. „Ich will die Wahl gewinnen“, sagt sie. "Ich ärgere mich nämlich maßlos darüber, dass Sachsen-Anhalt ein so unterschätztes Bundesland ist. Das haben wir nicht nötig, denn wir sind wirklich besser.
 
Budde will es nun richten. Sie weiß auch schon, wofür sie sich als Ministerpräsidentin einsetzen würde. Für einen neuen Schwung in der Wirtschaft, für exzellente Forschung und Lehre, für solide Finanzen und gute Gehälter.

Doch aktuell sind das alles nur wilde Träumereien.

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