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Bekommt Sachsen-Anhalt bald einen Glücksminister? Live

Von Stephan Schulz | 20. März 2015

Am Mittwoch jubelte ich kurzzeitig darüber, dass der Hip-Hopper Jan Delay als Glücksforscher nach Magdeburg kommt. Vor mir auf dem Schreibtisch lag eine Pressemitteilung der Otto-von-Guericke-Universität, die seine Ankunft als Glücksforscher mit dem Satz ankündigte: „Jan Delay ist auf den Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie und Makrosoziologie berufen worden.“ Ich fand das ziemlich spektakulär, da ich immer begeistert mitsinge, wenn Jan Delay im Radio läuft: „Ey, alles cool, mach wie du willst. Geh lügen, betrügen, lies BILD. Oh Jonny! Hast du kein Gewissen? Ja, dann kannst du dich verpissen.

Jan Delay ist auf den Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie und Makrosoziologie der Otto-von-Guericke-Universität?
Foto: ARD/Max Kohr

Ich mag solche Texte.
Ich mag Jan Delay. Dummerweise hatte ich mich jedoch verlesen. Statt Jan Delay kommt nun Jan Delhey nach Magdeburg. Der Soziologe und Glücksforscher hat an der internationalen Jacobs University in Bremen eine Glücksformel entwickelt, die er nun auch in Sachsen-Anhalt verbreiten will. Ihr zufolge sind Menschen glücklich, wenn sie ausreichend Geld haben, um im Leben über die Runden zu kommen, wenn sie liebevolle Beziehungen führen und ihrem Leben einen Sinn abgewinnen können. „Glück ist 1/3 Haben + 1/3 Liebe + 1/3 Sein“, sagt Jan Delhey. Ich glaube, der Professor wird sich in Sachsen-Anhalt so richtig austoben können.


Als ich noch Weltenbummler war, war ich auch schon mal drauf und dran, das Glück zu suchen.
Ich wollte unbedingt nach Bhutan reisen, weil dort die glücklichsten Menschen der Welt leben sollen. Das Königreich im Himalaya gewährt seinen 700.000 Einwohnern ein Grundrecht auf Glück, was ich sehr sympathisch finde. Es gibt sogar einen Glücksminister. Er heißt Dr. Ha Vinh Tho. Der zweifache Vater ist ein Pendler zwischen den Welten. Er lebt abwechselnd in der Hauptstadt Thimphu und bei seiner Familie in Genf. Das habe ich gestern in der Zeitschrift „Happinez“ gelesen, die in der Zahnarztpraxis meines Vertrauens auslag. Ich erfuhr, dass es in Bhutan kein Bruttoinlandsprodukt gibt, sondern nur ein Bruttonationalglück. Wenn ich alles richtig verstanden habe, wurde es 1979 von Jigme Singye Wangchuck, vierter König des Himalaya-Staates, eingeführt. Der König hatte sich den wirtschaftlichen Fortschritt in anderen Ländern angeschaut und war schockiert. Er hatte gesehen, dass Länder, in denen die Wirtschaft boomt, ihre Umwelt und Kultur zerstören. Außerdem hatte er beobachtet, dass die Menschen an sozialer Kälte litten. Dieses Schicksal wollte der König von Bhutan seinen Landsleuten ersparen. Deshalb führte er das Bruttonationalglück ein. Das Wohlergehen eines jeden Einzelnen hat demnach in Bhutan oberste Priorität.

Prof. Dr. Jan Delhey, Institut für Soziologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Foto: Stefan Berger, Universität Magdeburg
 

Ich hätte mir dieses Regierungskonzept gern einmal aus der Nähe angesehen, aber irgendwie habe ich es nie geschafft, nach Bhutan zu reisen.
Aber vielleicht muss ich das ja auch nicht mehr, jetzt, da der Glücksforscher Jan Delhey ein neues Zuhause in Sachsen-Anhalt gefunden hat. Vielleicht ist es ja kein Zufall, dass er einen Lehrstuhl an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg bekommen hat. Vielleicht soll er ja im Auftrag der Landesregierung hierzulande das Glück verbreiten. Vielleicht gibt es bald sogar einen Glücksminister. Ich finde die Vorstellung recht amüsant, vor allem heute, am Internationalen Tag des Glücks. Allerdings habe ich partout keine Idee, wer sich als Glücksminister eignen würde. Ministerpräsident Reiner Haseloff fällt aus, der ist nicht locker genug. Finanzminister Jens Bullerjahn wäre auch keine gute Wahl, da er sich besser mit Glücksspiel und der unglücklichen Vergabe von EU-Fördermitteln auskennt. Justizministerin Angela Kolb, Verkehrsminister Thomas Webel und Wirtschaftsminister Hartmut Möllring passen auch nicht, ebensowenig Landwirtschaftsminister Hermann Onko Aeikens und Sozialminister Nobert Bischoff. Auch Innenminister Holger Stahlknecht kann ich mir nicht als Glücksminister vorstellen, allein schon wegen seines Namens. Als Notvariante käme vielleicht Kultusminister Stephan Dorgerloh in Frage. Er hat etwas buddhistisches im Blick und diesen gemächlichen Gang, den man als Glücksminister sicher gut gebrauchen könnte. Aber wenn ich ehrlich bin: Einen Glücksminister, mit dem auch ich glücklich wäre, sehe ich in Sachsen-Anhalt derzeit nicht. So ein Pech aber auch.

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