Liveblog Sachsen-Anhalt

EXPO: Lukas Podolski trifft Sachsen-Anhalt Live

Von Stephan Schulz | 29. Mai 2015

Ich bin oft zur richtigen Zeit am falschen Ort. Ich weiß auch nicht genau, warum mir das immer wieder passiert. Vermutlich will ich als Journalist überall sein und verpasse dadurch Wesentliches.

Gestern zum Beispiel, da saß ich in einem Freiluft-Café auf der Piazza del Duomo in Mailand und schrieb an einem Radiobeitrag über die Sachsen-Anhalt-Tage auf der Expo. Die Sonne schien, der Cappuccino schmeckte, und um mich herum wimmelte es von Touristen, modebewussten Italienerinnen, Gigolos, Straßenmusikern, Tauben und Bettlern. Im Reiseführer hatte ich gelesen, dass die Piazza del Duomo mit der Kathedrale Santa Maria Nascente der bekannteste und beliebteste Platz in Mailand ist. Ich hatte also nicht das Gefühl, etwas zu verpassen.
 
Keine zehn Meter neben mir zeigten zwei indisch aussehende Männer ein faszinierendes Kunststück. Der Kräftige der beiden saß im Lotussitz auf einem Glas und atmete ruhig ein und aus. Er hielt eine Bambusrolle in die Luft, auf der ein Fußball lag, und balancierte seinen darauf sitzenden Freund aus. Der Freund thronte wie ein Buddha auf dem Fußball und meditierte einen guten Meter über dem Boden. Er schwebte.


Der auf dem Fußball thront... Straßenszene in der EXPO-Stadt Mailand
von Stephan Schulz

Während ich darüber nachdachte, ob hier wirklich die Kraft der Meditation wirkte oder unter den orangefarbenen Gewändern der beiden Männer ein verschlungenes Metallgestell versteckt war, das ihnen Halt gab, ließ sich Fußballstar Lukas Podolski, ohne, dass ich es ahnte, mit den Musikern des Jugendjazzorchesters Sachsen-Anhalt auf dem EXPO-Gelände ablichten.

Der Stürmer spielt ja derzeit bei Inter Mailand und hat es nicht weit bis zur EXPO. Gestern nutzte er die Gelegenheit und besuchte den Deutschen Pavillon, in dem Sachsen-Anhalt in dieser Woche mit dem Jugendjazzorchester und einem Drum Circle der Musikakademie des Klosters Michaelstein den Ton angibt. Ich habe eine Akkreditierung für die Sachsen-Anhalt-Tage auf der EXPO. Ich hätte Lukas Podolski treffen und womöglich interviewen können, wenn ich von seinem Besuch gewusst hätte. So aber hielt ich mich zur richtigen Zeit am falschen Ort auf. Statt Poldi die Schulter zu klopfen, bestaunte ich einen Buddha, der auf einem Fußball schwebte. Das nenne ich Ironie des Schicksals.


Lukas Podolski auf den Sachsen-Anhalt-Tagen in Mailand: Simeon Hudlet und Clemens Fischer vom Jugendjazzorchester Sachsen-Anhalt ließen sich auf der EXPO mit dem Fußballer fotografieren.

Foto: Dietmar George
von Stephan Schulz

Manchmal bin ich aber auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort und muss trotzdem aufpassen, nicht alles zu vermasseln. Das ist mir erst am Mittwoch wieder so ergangen, als ich Sachsen-Anhalts Landtagspräsident Detlef Gürth bei seinem Rundgang über das EXPO-Gelände begleitete. Gürth eröffnete auf der Weltausstellung die Sachsen-Anhalt-Tage und schaute sich bei der Gelegenheit auch gleich die "Felder der Ideen" im Deutschen Pavillon an. In der gleichnamigen Ausstellung wird das EXPO-Motto "Feeding the planet, energy for life" noch wörtlich genommen. Während es anderswo auf dem weitläufigen Gelände von Fastfood-Angeboten und Werbebannern für Süßigkeiten nur so wimmelt, finden sich im Deutschen Pavillon eine Vielzahl von Forschungsprojekten, die sich mit wichtigen Zukunftsfragen beschäftigen. Bis zum Ende des Jahrhunderts sollen ja bis zu 10 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Wie kann es gelingen, dass sie alle satt werden? Darum geht es im Deutschen Pavillon. Auch Forschungseinrichtungen aus Sachsen-Anhalt präsentieren hier ihre Ideen gegen Hunger.

Ich schloss mich der Delegation von Detlef Gürth an und spazierte in einen Raum, in dem knallbunte und überdimensional große Getreidesamen von der Decke hingen. Eine Anspielung auf die Pflanzen-Genbank des IPK Gatersleben. Sie soll mit 150.000 Samenproben im Katastrophenfall helfen, die Ernährung der Weltbevölkerung zu sichern. In einem anderen Raum gedeihten Heil- und Gewürzpflanzen. Landtagspräsident Gürth blieb vor einem Beet mit Majoran- und Oreganopflänzchen stehen, aus Verbundenheit mit Sachsen-Anhalt, da Majoran in Deutschland schwerpunktmäßig in der Region um Aschersleben angebaut wird. Sachsen-Anhalt ist also nicht nur das Land der Frühaufsteher, sondern auch das Land des Majorans. Mir war das gar nicht so bewusst. Auch die Wirkungsweise der Gewürzpflanze war mir gänzlich unbekannt. Zum Glück gab es auf der EXPO ein Schild, das meine Wissenslücke schließen konnte: "Majoran und Oregano: hilft gegen Liebeskummer und stärkt die Manneskraft."

Nachdem ich das Schild studiert hatte, schaute ich mir das Majoran-Beet noch einmal genauer an. Es sah plötzlich halb abgeerntet aus. Das kann aber nicht die Delegation aus Sachsen-Anhalt gewesen sein. Ich habe jedenfalls niemanden naschen sehen.

Gleich nach dem Rundgang durch den Deutschen Pavillon zog ich mich zum Arbeiten in die V.I.P. - Lounge zurück. Ich hatte meinen Laptop gerade aufgeklappt, da drückte mir eine junge Frau ihre Visitenkarte in die Hand und fragte, ob ich ihren Chef interviewen möchte. Sie zeigte auf einen Mann im Kochkostüm. Ich hatte keine Ahnung, wer das war, wollte es aber nicht vermasseln und sagte: „Ja, ein Interview so in fünf Minuten, das wäre schön.“ Ich zog mich an ein stilles Örtchen zurück, schalte die Datenroaming-Sperre an meinem Handy aus und googelte nach Schuhbeck. Der Name stand auf der Visitenkarte, die mir die Frau gegeben hatte. Dank Wikipedia erfuhr ich, dass ich gleich ein Interview mit einem Urgestein der Edelküche führen würde, mit Alfons Schuhbeck, dem deutschen Gewürzpapst. Ich hätte dieses Interview beinahe abgelehnt, was mir verdeutlicht, dass ich als Promi-Journalist denkbar ungeeignet wäre.

Landtagspräsident Detlef Gürth überreicht "Gewürz-Papst" Alfons Schuhbeck auf der EXPO
eine Oregano
-Gewürzpflanze aus Sachsen-Anhalt
von Stephan Schulz

Angefüttert mit Informationen aus dem Internet konnte ich nun aber wenigstens ein halbwegs qualifiziertes Gespräch mit Alfons Schuhbeck führen. Ich glaube, der Starkoch hat nicht gemerkt, dass ich mir die Infos erst zusammengoogeln musste. Er war sehr freundlich zu mir und weihte mich in die Geheimnisse der Gewürzküche ein. Ich denke, ich werde mir irgendwann mal ein Buch von ihm kaufen. Vielleicht kommt er ja auch mal nach Sachsen-Anhalt und erntet hier männerfreundliche Majoran- und Oreganopflänzchen. Eine Kostprobe hat er auf der EXPO bereits bekommen. Landtagspräsident Detlef Gürth überreichte ihm einen Blumentopf mit Oregano. Alfons Schuhbeck zupfte einige Blätter ab und steckte sie sich in den Mund. Sie schmeckten ihm nach eigenem Bekunden vorzüglich.

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