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Black Mesa Live

Black Mesa

Tangerhütte | 7. August 2015

Die 90er Jahre waren für viele Jugendliche insbesondere von einem Spiel geprägt. Half Life.

Das erste ernstzunehmende Spiel, das eine Geschichte erzählte und einen Plot entwickelte, wie ihn der Konsument bis dahin nur von Kinofilmen kannte.

Als Spieler schlüpfte man in die Rolle von Gordon Freeman – einem brillanten Quantenphysiker – der, gutaussehend, sportlich und super intelligent all das verkörperte, was man vorher nur von Schauspielern wie Tom Cruise in Mission Impossible oder Bruce Willis in Die Hard kannte.

Mit dem Unterschied: es war Gordon Freeman.

Und nicht Tom Cruise, ein auf Sofas tanzender Scientologe.

Und nicht Bruce Willis, ein Hollywood-Macho, der immer nur so lustig war, wie die Drehbuchautoren hinter seiner Rolle.

Härter als Bruce Willis in "Die Hard" 
von Felix Moniac
Gordon Freeman war virtuell. Und perfekt. Auf ihn ließ sich mehr projizieren als auf jeden Schauspieler aus Fleisch und Blut, er war – neben Lara Croft - die Galeonsfigur des neuen Zeitalters, in dem sich die Computer und ihre Spiele anschickten, unsere Kultur grundlegend zu verändern. 

Gordon Freeman war aber nicht nur super intelligent und mega sportlich, er war auch einer, der anpacken konnte. In Half Life riss man als Gordon Freeman Öltonnen hoch in die Luft, zerschmetterte Holzkisten mit Brecheisen, sprang meterweit über Schluchten und krabbelte durch dreckige Belüftungsschächte. Man tauchte durch verborgene Abwasserröhren und kämpfte gegen Alien aus einer anderen Zwischendimension.

Gordon Freeman trug einen speziellen Anzug, der ihm zusätzliche Turbokräfte verlieh. 
von Felix Moniac

Alles nur, um einen Ausweg zu finden. Einen Ausweg aus dem Black Mesa-Komplex, dem Ort absoluter Verdammnis. - Wenn man möchte, klingt hier Dürrenmatts „Die Physiker“ an: Die Frage, was Wissenschaft darf, wurde in Half Life mit der Ethik eines absolut korrupten Turbo-Kapitalismus beantwortet: Man darf alles. Wenn es nur Geld bringt. Nur Gordon Freeman widersetzte sich dem.

Als Half Life-Spieler war man ein „Early-Nerd“. Ende der 90er war es noch uncool, immer nur am PC zu sitzen oder zu wissen, was die Abkürzungen VGA oder RAM bedeuten.

Vielen war das egal. Computer zu spielen und auf LAN-Partys über die neueste Radeon-Graphikkarte zu diskutieren, hat einfach Spaß gemacht. Und Spaß ist doch ziemlich oft ein guter Grund, etwas zu tun.

Kisten aus Holz wurden bei Half Life einfach zertrümmert. Solche aus Stahl konnten mit einer Antigravitationswaffe einfach weggehoben werden. 
von Felix Moniac
Und diese Erinnerung, dieser Flashback über Gordon Freeman und Half Life und den erfundenen Black Mesa-Komplex. All das kam in mir hoch, weil ich das Eisenwerk Tangerhütte besucht habe.

Und dort laufen ein paar Arbeiter rum, die einfach dermaßen nach Half Life und Gordon Freeman riechen, dass ich mehrmals um die Ecken gucken musste, ob nicht irgendwo Laserwaffen herumliegen.

Lagen natürlich nicht. - Aber die Leute da - und das war mindestens genauso beeindruckend - die arbeiten WIRKLICH hart. Sauhart.

Wenn die Haut nach heißem Eisen riecht und Koksreste unter den Fingernägeln für immer festgebrannt bleiben. Wenn flüssiges Eisen britzelnd und bratzelnd ausgegossen wird und man eine Sonnenbrille tragen muss, um nicht zu erblinden. Wenn die Arbeit darin besteht, den ganzen Tag eine Flex zu halten. Und mit dieser Flex Metallstücke wegzuschleifen.

Dann ist das Arbeit. Und ich habe einen Ultramegakrassenüberrespekt vor diesen Männern, die jeden Tag auf ihre Hütte gehen und ihre Arbeit verrichten.

Das Eisenwerk Tangerhütte. Härter als jedes Computerspiel.

Half Life 1 sah 1998 übrigens so aus, wie in folgendem Let's Play:

Auf dem Startbildschirm: Gordon Freeman in seinem Wunderanzug.
von MrPactain via YouTube


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