Liveblog Sachsen-Anhalt

Ein Tontechniker für den Bundesinnenminister Live

Von Stephan Schulz | 21. Januar 2016

Als Thomas de Maizière am Donnerstagnachmittag nach Sachsen-Anhalt fährt, bimmelt in der Schlossdomäne von Wolmirstedt eine Kuhglocke. Es könnte ein Geburtstagsständchen für den CDU-Politiker sein, der an diesem Tag 62 Jahre alt geworden ist. Doch die Kuhglocke bimmelt nicht wegen ihm, sondern weil ein neugieriger Journalist am Tresen steht und einfach mal hören will, wie eine Kuhglocke im Herzen Mitteldeutschlands klingt. Sie macht Kling, Glong, Kling und unterscheidet sich damit nicht groß von den Kuhglocken, die im Freistaat von Horst Seehofer zu hören sind.


Wie weiter in der Flüchtlingspolitik? Bundesinnenminister Thomas de Maizière berät
sich dazu mit den Innenministern von CDU und CSU in Wolmirstedt
von Stephan Schulz

Die Kuhglocke hängt in einem ehemaligen Getreidespeicher, dem Katharinensaal. Hier diskutieren die Innenminister von CDU und CSU zwei Tage lang darüber, wie es in der Flüchtlingspolitik weiter gehen soll. Auf dem Gelände der mittelalterlichen Burganlage musizierten schon einige Stars und Sternchen der Volksmusik. Aber ein Bundesinnenminister wie Thomas de Maizière war noch nie hier, erzählt die Restaurantchefin Bettina Bohlein. "So einen berühmten Menschen hatten wir noch nie hier. Da sind wir ganz stolz und natürlich aufgeregt. Sowas hat man ja nun nicht alle Tage."

Bettina Bohlein sieht dabei zu, wie Sprengstoffhunde durch ihr Restaurant laufen und Polizisten in Zivil jeden Blumentopf umdrehen. Die 57jährige überbrückt die Zeit bis zur Ankunft von Bundesinnenminister Thomas de Maizière mit dem Schmieren von Gehacktes-Brötchen. Sie stellt Tulpen in den Farben rot, weiß, gelb auf die Tische. Hält sich ansonsten im Hintergrund. Vorn am Rednerpult steht Norbert Franke, der an diesem Abend für den guten Ton sorgt. Franke ist wie die Restaurantchefin Bettina Bohlein ebenfalls 57 Jahre alt, und er ist waschechter Wolmirstedter. Er war Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts für ein einziges Konzert der Tontechniker der Hartrockband Deep Purple. Das war in Halle an der Saale. Franke ist noch heute stolz darauf. Macht es ihn auch stolz für den Bundesinnenminister und seine Länderkollegen von CDU und CSU zu arbeiten? "Wenn ich jetzt nein sage... Ich war Tontechniker bei Karat, das war, globe ich, was Besonderes. Ich war bei denen allerdings nur ein halbes Jahr, weil ich nicht in den Westen reisen durfte."


Flüchtlingspolitik wird in Wolmirstedt in einem ehemaligen Getreidespeicher gemacht
von Stephan Schulz

Falls es jemand nicht mehr wissen sollte: Karat war eine der Vorzeigebands der DDR. Der Deutschrocker Peter Maffay spielte ihren bekanntesten Hit "Über sieben Brücken musst du gehen" jahrelang auf seinen Konzerten. Bundesinnenminister Thomas de Maiziere muss nur über eine Brücke gehen, dann steht er in der Schlossdomäne von Wolmirstedt vor einem Pulk Journalisten. Er wird gefragt, wie er den Zustrom von Flüchtlingen reduzieren will. Seine Antwort: "Wir setzen auf eine europäische Lösung. Dafür haben wir nicht mehr viel Zeit."

Norbert Franke, der Tontechniker des Abends, hört interessiert zu. Er hat seine eigene Meinung zur Flüchtlingspolitik: "Ich war als Kind zwei Jahre in Afrika, in Tansania, weil mein Vater da gearbeitet hat. Ich finde es immer traurig, wenn die Flüchtlinge hierher kommen und dann auf sich allein gestellt sind. Deswegen muss man da dringend Lösungen finden." Franke vermisst Konzepte, wie man Flüchtlinge schnell integrieren kann. Die Innenminister von CDU und CSU werden sie ihm nicht liefern können, denn sie beschäftigen sich in Wolmirstedt vor allem mit der Frage, wie man den Zustrom von Flüchtlingen reduziert.

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