Liveblog Sachsen-Anhalt

Panne: Sachsen-Anhalt macht Wahlwerbung in Chemnitz Live


Von Stephan Schulz | 27. Januar 2016

Die Schauspielerin Dorina Parcu reist seit Dezember in Stöckelschuhen und einem altmodischen Kleid von Schule zu Schule, von Veranstaltung zu Veranstaltung. Sie ist „Die Wahl“, eine Frau zum… Anbeißen wäre zu viel gesagt. Sie wirkt in ihrem grauen Outfit eher wie eine ermattete Lehrerin, die sich jedes Lächeln abzwingen muss. Allerdings hat „Die Wahl“ ordentlich Lippenstift aufgetragen, was dafür spricht, dass ihr Herz brennt. Ihre Plakatsprüche, die Jungwähler animieren soll, am 13. März in Sachsen-Anhalt zur Landtagswahl zu gehen, klingen denn auch nach reichlich Flirterfahrung: „Ich kenne ein echt nettes Lokal direkt bei dir um die Ecke!“

Sachsen-Anhalt wirbt in Chemnitz mit diesen Wahlplaketen
von Stephan Schulz

In so einem Lokal trifft sich „Die Wahl“ mit Schülern oder frustrierten Nichtwählern und versucht sie zu überzeugen, dass die Demokratie vom Mitmachen lebt, dass der Urnengang erste Bürgerpflicht sein sollte. Auf die Piste geschickt hat „Die Wahl“ die Landeszentrale für politische Bildung. Sie ist als Missionarin unterwegs, die verhindern soll, dass die Wahllokale in Sachsen-Anhalt leer bleiben. 2011 wählte gerade mal die Hälfte der Bevölkerung. Diese Schmach soll sich nicht wiederholen. „Die Wahl“ wird es richten, hoffen die Macher der 1,9 Millionen Euro teuren Kampagne.

Damit „Die Wahl“ auch jedem ins Auge sticht, verklebt eine Agentur aus Frankfurt am Main seit Wochen 1700 Plakate an Litfaßsäulen und Häuserwänden. Anfang der Woche erhielten die Plakatkleber den Auftrag, „Die Wahl“ in Kemnitz aufzuhängen. Das ist ein Ortsteil der Gemeinde Steinitz im Altmarkkreis Salzwedel. Die phonetische Ähnlichkeit mit der Stadt Chemnitz führte jedoch dazu, dass die Plakatkleber die Landesgrenze von Sachsen-Anhalt überquerten. Sie pinselten „Die Wahl“ in Karl-Marx-Stadt, äh, Chemnitz mit Kleister ein und pappten sie an sächsische Wände. Ein cleverer Schachzug, wenn ich es mir recht überlege. Denn wenn die Panne nicht passiert wäre, hätte wohl niemand mehr über die Aktion der Landeszentrale für politische Bildung gesprochen. Nun ist sie jedoch in aller Munde.

Eigentlich sollten nur Sachsen-Anhalter "Die Wahl" treffen, nun auch die Chemnitzer.  
von Stephan Schulz

Die Aktion begann übrigens schon im Dezember mit einer Panne. Der Werbetexter und Musiker Jan Grünfeld aus Halle hatte sich die Facebookseite „Triff die Wahl“ gesichert, noch bevor die Macher der gleichnamigen Kampagne darauf zugreifen konnten. Grünfeld gab die Seite jedoch wieder frei. Es kam zu keiner gerichtlichen Auseinandersetzung. Die Landesregierung hatte schonmal weniger Glück. Ein Pornoanbieter hatte seinerzeit die Internetseite "sachsen-anhalt.com“ blockiert. Es vergingen Jahre bis die Sache vom Tisch war.

Höflich: Miss "Triff die Wahl" bedankt sich für den Hinweis, dass sie falsch plakatiert wurde.
von Stephan Schulz

 

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