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Quasselbude Landtag? Eine Broschüre soll Schüler aufklären. Live

Von Stephan Schulz | 27. Januar 2016


Früher war ich ein großer Fan von Ernie und Bert. "Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm... " Die Sesamstraße hat mich zu dem gemacht, was ich bin - ein Journalist, der permanent penetrante Fragen stellt. Das gibt mir ein gutes Gefühl. Für Politiker ist das oft schwieriger. Während ich mich hinter meinem Mikrofon verstecken kann, müssen sie Farbe bekennen.


Apropos Farbe. Ich habe neulich in einer dunklen Ecke des Landtages eine farbige Broschüre entdeckt, die mich vermuten lässt, dass sich auch dort Sesamstraßenfans verstecken. Auf der Titelseite der Broschüre ist ein kleiner Junge abgebildet, dem aus mir unerfindlichen Gründen Hände und Füße fehlen. Dafür hat er aber einen großen Kopf, über dem ein noch größeres Fragezeichen schwebt. Daneben stehen die drei Wörter "Wieso?, Weshalb? Warum?  „Antworten auf die häufigsten Fragen beim Besuch des Landtages."



"Sind Zwischenrufe störend?" - diese Broschüre gibt Schülern, die den Landtag besuchen, Antworten.  
von Stephan Schulz


Die Broschüre richtet sich an Schüler, die zum ersten Mal auf einer Landtagstribüne sitzen und sich über die mitunter seltsamen Verhaltensweisen der Abgeordneten wundern. Zum Beispiel über ständige Zwischenrufe. Das wirkt auf junge Besucher oft störend. Aus dem Aufklärungsheftchen erfahren sie, dass kurze Wortgefechte völlig normal seien:  „Wenn in der Schule alle dazwischenreden würden, könnte keiner etwas lernen… Doch im Parlament geht es nicht primär ums Lernen, sondern um einen öffentlichen Gedankenaustausch.“ Und an andere Stelle heißt es: "Was aus der Perspektive der Tribüne wie `schwatzen`aussieht, ist ein Gespräch mit dem Banknachbarn über das, was der Redner und die Rednerin gerade darstellt..."


Ob Schüler das glauben?


Raschel, raschel. Jahrelang war das im Plenarsaal das bestimmende Geräusch. Das kollektive Zeitunglesen war sehr beliebt unter den Landtagsabgeordneten. Inzwischen bevorzugen sie jedoch Laptops, wenn sie sie einen Blick in die Welt der Nachrichten oder auf einschlägige Shoppingseiten werfen wollen. Manchmal lesen sie an ihren Laptops auch Landtagsdokumente, aber wenn ich mich nicht ganz täusche, eher selten.


von Stephan Schulz


Zeitungen sind ebenfalls nur noch selten zu sehen. Dennoch steht in der Aufklärungsbroschüre des hohen Hauses noch die Frage: „Ist das Zeitungslesen unhöflich?“  Normalerweise müsste die Antwort lauten: „Ja, es ist unhöflich!“ Doch der Verfasser der Broschüre legt andere Maßstäbe an. „Da Abgeordnete aus dem ganzen Land Sachsen-Anhalt nach Magdeburg kommen und nicht alle mit der Bahn fahren, ist das Zeitungsstudium vor der Sitzung kaum möglich.
Ich sage nur: Pinocchio lässt grüßen!
Weiter unten im Text heißt es: „Pro Sitzungstag gibt es nur eine einstündige Mittagspause.“ (Die armen Politiker) „Daher wird von den Abgeordneten das Zeitungslesen nicht als störend empfunden.


Schüler, die auf der Landtagstribüne sitzen, fragen sich offenbar auch häufiger, ob Abgeordnete zu viel verdienen. Natürlich nicht, meint der Verfasser der Broschüre. „Ob es gelingt, gut ausgebildetes, erfahrenes und hochmotiviertes Personal zu binden, geht erfahrungsgemäß mit angemessenen Verdienstmöglichkeiten einer.
Aha. Wieder etwas gelernt.


Zum Schluss habe ich noch eine Frage: „Wer hat sich diese Valiumbroschüre für Schüler eigentlich ausgedacht?

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