Liveblog Sachsen-Anhalt

Am Rande der Realität Live

Von Stephan Schulz | 7. Februar 2016

Über Funny van Dannen in einem Politikblog zu schreiben, ist ungefähr so, als würde man einen Pottwal zum Experten für Landtagswahlen ernennen. Es passt einfach nicht. Aber das schreckt mich nicht ab. Wer schreibt, der bleibt, heißt es. Also tippe ich munter in die Tasten. 

Ich verspreche auch, dass ich versuchen werde, meine kleine Abhandlung über den Gott des Trivialen so gut es geht in die politische Richtung zu drehen. Dazu muss ich aber kurz pausieren, um die Texte des in Berlin lebenden Schriftstellers, Musikers, Malers und Humoristen nach politischen Inhalten zu durchforsten.

Zwei Stunden später. Ich bin fündig geworden. Funny van Dannen hat vor einigen Jahren mit dem Song „Kaputt“ der politischen Elite unseres Landes eins auf die Mütze gegeben. „Ist die Politik so schwer, sind die Kassen immer leer“, dichtete der Wortakrobat. „Oh kaputt ist diese Welt, alles teuer, wenig Geld.“ (Das ist das schärfste politische Statement, das ich auf die Schnelle von Funny van Dannen finden konnte. Mit ein bisschen Glück, geht mein Text damit nachher durch die Abnahme.“)

Am Samstag war Funny van Dannen zu Gast in Magdeburg. Der Moritzhof hatte ihn für eine Lesung gebucht. Gegen 19 Uhr begann sich die Scheune des Kulturzentrums langsam mit Publikum zu füllen. Funny van Dannen hielt sich zu diesem Zeitpunkt noch in der Künstlerumkleide auf. Ich schlich mich zu ihm und bat um ein kurzes Interview. Er hatte keine Einwände.


Funny van Dannen im Magdeburger Moritzhof 
von Stephan Schulz

„Reden wir über Politik?“, fragte ich.
„Wenn es sein muss“, antwortete er.
„Es muss sein“, sagte ich. „Was halten Sie von der Flüchtlingspolitik?“
„Ich denke, das ist alles ein wenig aus dem Ruder gelaufen. Die Menschen sind hysterisch geworden.
„Wie wirkt die Hysterie auf Sie?“
„Ich habe es nicht so mit Idioten.“

Funny van Dannen langweilte sich. Ich fand das Thema auch nicht so prickelnd. Mein Mikrofon auch nicht. Ein rotes Lämpchen blinkte. Akuter Stromabfall! Die Batterien waren leer. Ich interviewte Funny van Dannen trotzdem weiter, habe aber vergessen, was er gesagt hat. Das Mikrofon, meine Gedankenstütze, hat bis auf den Anfang des Interviews nichts aufgenommen. Egal, alles Wesentliche ist gesagt. 

Kurze Zeit später sehe ich Funny van Dannen auf der Bühne wieder. Er nimmt einen kräftigen Schluck aus einem Bierhumpen. Dann liest er aus seinem neuen Erzählband „Am Rande der Realität.“ Er erzählt von einem Rehkitz, das sich ein Geweih aus Rohrkolben bastelt, von Zwiebackscheiben, die sich am Strand sonnen und von Chantal, die sich ihre Fingernägel lackiert und darüber nachdenkt, ob sie Flüchtlinge bei sich aufnehmen sollte oder besser nicht. 

Das Publikum lacht und applaudiert. 

Nach 45 Minuten macht Funny van Dannen eine Pause. Ich gehe auf den Hof des Moritzhofs, zünde mir eine Zigarette an und belausche zwei Gäste bei ihrem Pausengespräch. Ich taufe sie auf den Namen Detlef und Horst. Keine Ahnung, wie sie wirklich heißen.

Detlef: Ich weiß gar nicht, warum die alle lachen. Ist doch völlig GAGA, was der da liest. Oder hast du schon mal Karpfen gesehen, die Weihnachten feiern?
Horst: Vielleicht hättest Du Dich besser auf die Lesung vorbereiten sollen.
Detlef: Du kannst Dir ja ein Buch kaufen, wenn es Dir gefällt. Ich gebe dir auch Geld, wenn Du nichts hast. Aber denke daran, ich kriege noch 100.000 Euro von Dir.
Horst: Aber doch erst, wenn ich 1 Million Euro im Lotto gewonnen habe. 
Detlef: Vielleicht wird es ja nach der Pause besser.

Ich entschließe mich, die beiden nicht länger beim Philosophieren zu belauschen und mache mich von dannen… 
Funny van Dannen Part II genießen. 


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