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Wer unterstützt die AfD in Sachsen-Anhalt? Live

Von Stephan Schulz | 14. März 2016


André Poggenburg (41), der Landesvorsitzende der AfD, war gestern Abend ein gefragter Mann im Magdeburger Landtag. Seine Partei hatte aus dem Stand über 24 Prozent der Wählerstimmen bekommen. Sie wird mit 24 Abgeordneten, darunter zwei Frauen, in das Parlament einziehen. Wegen des Wahlerfolgs der AfD trat Poggenburg im Wechsel vor die Fernsehkameras von ARD, ZDF, MDR, RTL und ntv. Er war in allen Nachrichtensendungen zu sehen. Sein letztes TV-Interview gab er spätabends im Erdgeschoss des Landtages – auf dem Flur. Poggenburg sagte: "Die AfD will die Welt ein wenig blauer machen, denn blau ist die Farbe des Glücks." Anschließend fuhren er und seine Begleiter in das Event- und Tagungscenter in der Rogätzer-Straße in Magdeburg. Dort feierten die AfD-Anhänger bereits seit Stunden eine feuchtfröhliche Wahlparty. Unter ihnen befanden sich auch Jürgen Elsässer und Götz Kubitschek, zwei neurechte Vordenker, die den Aufbau der AfD-Fraktion in Sachsen-Anhalt unterstützen wollen.


AfD-Landesvorsitzender André Poggenburg im Magdeburger Landtag
von Stephan Schulz


Jürgen Elsässer (59) war einst Kommunist. Er schrieb für die Junge Welt, driftete dann aber nach rechts ab. Seit 2010 ist er Chefredakteur des Monatsmagazins Compact, das vor allem von Rechtspopulisten, Amerika-Feinden und Verschwörungstheoretikern gelesen wird. Götz Kubitschek (45) ist ebenfalls Publizist. Er lebt mit seiner Frau und sieben Kindern auf seinem Rittergut in Schnellroda im Saalekreis. Von dort aus führt er den kleinen Verlag "Edition Antaios", der Bücher mit völkischen Positionen vertreibt. Außerdem befindet sich auf seinem Anwesen das Institut für Staatspolitik. Das ist eine neurechte Denkfabrik, die zahlreiche Schulungen für Burschenschaftler und AfD-Politiker anbietet. Kubitschek gilt als einflussreichster Ideengeber der Neuen Rechten in Deutschland. Manche bezeichnen ihn sogar als Salonfaschisten. Kubitschek selbst bestreitet, ideologisch den Nationalsozialisten nahe zu stehen.


Gestern Abend bot er sich der AfD vor laufender MDR-Fernsehkamera als Berater an: "Wenn jemand von der AfD eine Expertise braucht, einen Vorschlag, weiß er, dass er sich an uns wenden kann." Einer, der sich schon oft an Götz Kubitschek gewandt hat, ist der Islamwissenschaftler Hans-Thomas Tillschneider (37), der durch raspelkurze Haare und eine markante  Brille auffällt. Tillschneider gehört zu den AfD-Politikern, die im künftigen Landtag von Sachsen-Anhalt vertreten sein werden. Der Rumäniendeutsche, der extra von Sachsen nach Sachsen-Anhalt umgezogen ist, gehört der Patriotischen Plattform an, die Kontakte zwischen AfD-Mitgliedern, Neuer Rechte und Pegida-Fürsprechern knüpft und pflegt.


Hans-Thomas Tillschneider und Götz Kubitschek auf der Wahlparty der AfD in Magdeburg 
von Stephan Schulz


Während sich Hans-Thomas Tillschneider selbst als neurechter Intellektueller sieht, verkauft sich André Poggenburg eher als fleißiger Mittelständler. Beide eint die Freundschaft zu Björn Höcke, der in Thüringen die Landtagsfraktion der AfD anführt. Das Dreierteam will die AfD zu einer "Widerstandsbewegung" machen. Nachzulesen in der "Erfurter Resolution", die Poggenburg und Höcke im Frühjahr 2015 initiierten. Tillschneider war damals auch mit dabei. Er gehörte zu den Erstunterzeichnern der "Erfurter Resolution", die sich gegen "die weitere Aushöhlung der Souveränität Deutschlands" richtet.


Poggenburg, Höcke und Tillschneider wird immer wieder nachgesagt, die AfD noch stärker nach rechts ausrichten zu wollen. Geschickt würden sie auch immer wieder am Stuhl der Bundesvorsitzenden Frauke Petry sägen. Nach dem Wahlerfolg der AfD gestern Abend in Sachsen-Anhalt sagte André Poggenburg : "Frauke Petry hat uns im Wahlkampf geholfen. Ich würde mich freuen, wenn wir jetzt mehr zusammenwachsen."


Zunächst muss die AfD aber erst ihre Fraktion aufbauen. Wann sich die 24 Abgeordneten das erste Mal treffen werden, steht nach Angaben der Partei noch nicht fest. Aber die AfD sucht bereits auf ihrer Internetseite nach Verstärkung für ihre Parlamentsarbeit. Gesucht wird beispielsweise ein Manager mit jahrelanger Berufserfahrung, abgeschlossenem Hochschulstudium und Führungsqualitäten für die Stelle des Fraktionsgeschäftsführers. Die AfD braucht auch Pressereferenten, IT-Techniker, Büroassistenten, einen Buchhalter und persönliche Referenten für die Abgeordneten, von denen der AfD-Landesvorsitzende André Poggenburg selbst sagt, es seien vor allem politische Neulinge, Quereinsteiger.


Götz Kubitschek will in diese Lücke springen und als Berater für die AfD in Sachsen-Anhalt tätig werden: "Wir sind die rechtsintellektuellen Vordenker, die der AfD die richtigen Impulse geben können.“

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