Liveblog Sachsen-Anhalt

Bereit für den Shitstorm Live

Von Stephan Schulz | 17. Dezember 2013

 

Ich glaube, mich wird ein Shitstorm treffen. Ich kann nämlich nichts Verwerfliches an der Karikatur finden, die sich hinter dem 15. Adventstürchen der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ versteckte. Am Sonntag, als das Türchen geöffnet wurde, kam eine Fotomontage zum Vorschein, die Ursula von der Leyen als heißen, schießeisenbewaffneten Lara-Croft-Feger zeigt. Falls es jemand nicht weiß: Ursula von der Leyen befehligt ab sofort als Verteidigungsministerin die Bundeswehr, Lara Croft ist eine vollbusige Actionheldin aus einem Computerspiel, die dafür bekannt ist, alles abzuknallen, was sich ihr in den Weg stellt.


Bereits im April 2013 hatten öffentlich-rechtliche Grafiker den Kopf der CDU-Politikerin Ursula von der Leyen auf den athletischen Körper von Lara Croft gepflanzt. Damals war an Ursula von der Leyen als Verteidigungsministerin noch nicht zu denken. Stattdessen hatte sie sich den Unmut von nicht wenigen Politikern aus ihrer eigenen Partei zugezogen, weil sie sich für einen festen Frauenanteil in Aufsichtsräten einsetzte. Mit der „Ursula-macht-auf-Lara-Croft-Fotomontage“ wollte das Erste Deutsche Fernsehen zeigen, dass sich Ursula von der Leyen durchsetzen kann. So jedenfalls verstehe ich die Karikatur. Sie war schon aus dem kollektiven Gedächtnis der TV-Zuschauer gelöscht, da tauchte sie am Sonntag beim Kurznachrichtendienst Twitter wieder auf. Seither ist im Internet die Hölle los. Es gibt Nutzer, die feixen über Ursula von der Leyen im knappen Tank Top von Lara Croft, andere finden die etwas freizügig geratene Fotomontage geschmacklos. Jeder hat eben seine Meinung und das ist auch gut so.


Wenn jetzt aber einige Online-Journalistinnen anfangen, den Grafikern der ARD Sexismus zu unterstellen, dann frage ich mich, ob sie noch „Frauen“ ihrer Sinne sind. Jeder erkennt doch auf den ersten Blick, dass es sich bei der Fotomontage um eine Karikatur handelt. Und eine Karikatur ist bildliche Satire. Satire muss man nicht mögen, aber man sollte sie tolerieren. Denn die Freiheit der Satire ist ein hohes Gut, das jeder Journalist, egal ob männlich oder weiblich, schützen sollte. Wer das nicht macht, hat sich in meinen Augen disqualifiziert. Richtig bitter finde ich die Tweets über die Ursula-von-der-Leyen-Lara-Croft-Karikatur, die mit dem Hashtag #Aufschrei gekennzeichnet sind. Dieser Hashtag sollte Frauen vorbehalten bleiben, die über wirkliche sexuelle Übergriffe berichten können, denn dafür war dieser Hashtag einst gedacht. Auslöser dafür war zu Jahresbeginn ein Artikel im „stern“. Darin berichtet die Journalistin Laura Himmelreich über ihre Begegnung mit Reiner Brüderle. Sie wirft dem FDP-Politiker anstößiges Verhalten vor. Die Sexismus-Debatte, die mit dem Artikel ihren Anfang nahm, war, ist und bleibt wichtig, daran ist nicht zu rütteln. Ich finde aber eben auch, dass sich die Karikatur, die Ursula von der Leyen als leicht bekleidete Lara Croft zeigt, nicht für einen #Aufschrei der Empörung eignet. Es sei denn, man will schreien, nur um zu schreien…


Ich bin jetzt bereit für den Shitstorm.

 

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