Liveblog Sachsen-Anhalt

"Illegale Menschen" und ein Bischof Live

Von Kerstin Palzer - 4. Juli 2014

Abschiebung von Flüchtlingen ist ein Thema, das viele Emotionen weckt. Mitleid und Nächstenliebe ebenso wie Fremdenhass und Gleichgültigkeit.

Jetzt besucht der katholische Bischof Gerhard Feige die ZAST in Halberstadt.
ZAST steht für Zentrale Anlaufstelle für Asylbewerber. Hunderte Menschen leben dort in einer ehemaligen NVA-Kaserne. Und die liegt nicht wirklich in Halberstadt, sondern ganz am Rand, da wo man sonst eher nicht hinkommt.
Der Bischof will bei diesem Besuch mit Flüchtlingen ins Gespräch kommen. Nicht erst seitdem Papst Franziskus in Lampedusa war, ist Flüchtlingshilfe ein wichtiges Thema in der Katholischen Kirche.

Flüchtlinge in Halberstadt

Bei dem Termin des Bischofs in der ZAST wird es auch um Kirchenasyl gehen. Klar, dass wir den Bischof in unserem Interview darauf ansprechen, denn für viele Flüchtlinge ist das Asyl in der Kirche ihre letzte Hoffnung. Kirchenasyl? Eine rechtlich fragwürdige Geschichte, heißt es aber schon im Vorfeld des Termins aus dem Umfeld des Bischofs. Kirchenasyl gibt es in Sachsen-Anhalt gar nicht mal so selten, in etwa zehn Fällen leben zur Zeit Flüchtlinge unter dem Dach einer Kirche, evangelisch oder katholisch.

Gibt es Illegale Menschen? Nein!

Da die Menschen, die hier beschützt werden, keine Genehmigung haben, hier zu leben, weil sie „illegal“ sind (soweit man sich den Gedanken zu eigen machen will, dass Menschen überhaupt illegal oder legal sein können!), übernimmt eine Kirchengemeinde die komplette Verantwortung und Versorgung dieser Menschen, auch finanziell. Und das geht soweit, dass eben auch ärztliche Behandlungen bezahlt werden müssen. Eine Frau, die in Sachsen-Anhalt im Kirchenasyl lebt, musste letztens ins Krankenhaus, eine akute Operation drohte. Dazu kommt die große menschliche Verantwortung. Die Flüchtlinge stehen unter großem Stress, sind verängstigt und gleichzeitig haben sei keine Aufgaben hier. Psychische Betreuung ist also ebenso gefordert. Im Fall der kranken Frau, die irgendwo in Sachsen-Anhalt lebt, waren es glücklicherweise „nur“ fünf Tage in der Klinik. Das konnte die Gemeinde tragen. Solche Situationen zeigen, welche Verantwortung die kleinen und oft keineswegs wohlhabenden Kirchengemeinden übernehmen. Ganz im Verborgenen. Tue Gutes und rede eben nicht darüber.

Feige soll Einfluss auf Politik ausüben

Und jetzt kommt der Bischof. Er wird wohl sagen, dass die Lösung des Flüchtlingsproblem nur die Politik finden kann. Dass Dublin II ein Problem darstellt, dass Kirchenasyl aber nicht inflationär genutzt werden darf. Es muss also eine politische Lösung geben, sagt der Kirchenmann. In diesem Fall würde ich mich freuen, wenn Kirche ihren bestimmt gegebenen Einfluss auf die Politik gelten machen würde.




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