Liveblog Sachsen-Anhalt

Im Osten geht die Sonne auf! Live

Von Stephan Schulz | 21. September 2014

Reiner Haseloff wird Koreaner.
Noch sitzt er im Flugzeug und studiert Reiseunterlagen. Ihm dürften dabei Namen wie Cho Tae-yul, Lee Kwan-sup und Jeong Ji-won durch den Kopf schwirren, Namen von südkoreanischen Politikern und Unternehmern, mit denen er in der südkoreanischen Millionenmetropole Seoul verabredet ist. Bei den Geschäftstreffen will der Ministerpräsident für Sachsen-Anhalt als attraktiven Wirtschaftsstandort werben. Er will seinen Gesprächspartnern sagen, dass es sich lohne zwischen Zeitz und Arendsee zu investieren, und er will touristische Schönheiten wie die Weltkulturerbestadt Quedlinburg, das Bauhaus in Dessau, das Wörlitzer Gartenreich und die Luthergedenkstätten anpreisen. Alles in der Hoffnung, dass Südkoreaner in naher Zukunft reichlich Geld in die Hand nehmen und in Sachsen-Anhalt investieren werden - oder als Touristen zum Reformationsjubiläum 2017 ins Land kommen.


Wie verhält man sich in Südkorea?

Weil der Ministerpräsident in Südkorea ernst genommen werden will, beginnt in wenigen Stunden seine Verwandlung. Er wird Kopf und Oberkörper leicht nach vorn beugen und seinen Gesprächspartnern in Seoul mit beiden Händen seine Visitenkarte überreichen. Dabei wird er seinem jeweiligen Gegenüber freundlich in die Augen schauen, ganz so, wie es die südkoreanische Höflichkeit verlangt. Anschließend können die Gespräche beginnen.

Damit Reiner Haseloff am Ende seiner sechstägigen Reise nicht "Aigu!" (Das war wohl nichts!) rufen muss, wird es aber darauf ankommen, dass er noch mehr Benimmregeln beherzigt. Man kann in Südkorea nämlich in viele Fettnäpfchen treten. Damit das nicht passiert, kommt an dieser Stelle Nobel Bang ins Spiel. Der 39-Jährige steht in Thalheim im südlichen Sachsen-Anhalt vor einem Fahnenmast. Auf Stoffbahnen flattern die Wörter Q-Cells und Hanwha im Wind. Q-Cells ist jener Solarzellenhersteller, der vom südkoreanischen Konzern Hanwha aus der Insolvenz heraus aufgekauft wurde - für 250 Millionen Euro. Das hat rund 800 Menschen den Arbeitsplatz gerettet.

Hanwha rettete Q-Cells

Nobel Bang arbeitet im Vertrieb von Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen. Ich habe ihn vor der Südkorea-Reise des Ministerpräsidenten besucht.
Er hat ein warmes, entspanntes Lächeln. Seine Eltern stammen aus Südkorea, er selbst wurde in Düsseldorf geboren. Der 39jährige kennt die Fettnäpfchen, in die Europäer in Südkorea treten können. Deswegen fällt es ihm auch leicht, dem Ministerpräsidenten einige Verhaltenstipps mit auf den Weg zu geben.

Kleine Fettnäpfenkunde

Fettnäpfchen 1: "Es reicht nicht aus, Visitenkarten mit einer Verbeugung entgegenzunehmen.
Und niemals sollte man sie achtlos in der Jackentasche verschwinden lassen. Für Koreaner ist es ein Ausdruck der Wertschätzung, wenn man sich einmal überreichte Visitenkarten aufmerksam anschaut und sich den Namen und die Funktion des Gegenübers einprägt."

Fettnäpfchen 2: "Wenn der Ministerpräsident bei einem Geschäftsessen mit Koreanern das Bedürfnis verspüren sollte, sich die Nase zu schnäuzen, dann niemals am Tisch, weil das seine Gesprächspartner als sehr unhöflich empfinden würden. In Korea steht man vom Tisch auf, geht auf die Toilette und putzt sich dort die Nase."

Fettnäpfchen 3: "Wir bekommen in Korea zu jedem Essen immer auch eine kleine Schüssel mit Reis. Bitte die Stäbchen immer neben der Schale ablegen. Sie dürfen niemals in den Reis gesteckt werden. Das wird in Korea nur zur Totenverehrung gemacht und gilt daher als absolute Unsitte."

Keine Angst vor dem Weg

Nobel Bang hat noch mehr Tipps parat.
Aber er will es bei den drei Beispielen belassen. "Südkoreaer sind sehr tolerant und höflich", sagt er, "der Ministerpräsident wird zurechtkommen."  Allzu große Furcht vor Fettnäpfchen sollte Reiner Haseloff  ohnehin nicht haben, das rät bereits ein altes koreanisches Sprichwort: "Wer schon Angst vor dem Weg hatte, trifft dann auch noch wirklich auf den Tiger.

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