Liveblog Sachsen-Anhalt

Mit einem Bein in Nordkorea Live

Von Stephan Schulz | 26. September 2014

Am Donnerstagmorgen gegen 10.00 Uhr stand ich mit einem Bein in Nordkorea.
Es kommt mir surreal vor – wie so Vieles, was ich in der Demilitarisierten Zone zwischen Süd- und Nordkorea erlebt habe.

 Panmunjeom

Alles begann mit einer einstündigen Busfahrt. Sie führte an Stacheldrahtzäunen, Wachtürmen und Panzersperren vorbei. Ich reiste mit Ministerpräsident Reiner Haseloff und seiner Delegation an die am schärfsten bewachte Grenze der Welt. Ich war ein Journalist unter Diplomaten.

Ein Schwede an der Grenze

Am Checkpoint zur Demilitarisierten Zone stieg Peter Forsberg zu uns in den Bus.
Er ist Major des schwedischen Heeres und begleitete uns zur koreanischen Waffenstillstandslinie. Am Berg Dora, einem Aussichtspunkt am 38. Breitengrad, schaute ich dann in das Reich von Kim Jong Un, der wie sein Vater gern Strohhüte trägt, unliebsame Familienmitglieder an Hunde verfüttert und der Welt mit der Atombombe droht.

Grenzgebiet zwischen Nord- und Südkorea

Ich konnte einige Dörfer und eine Bergkette sehen, auf der so gut wie nichts mehr wächst. Jeder Baum und jeder Strauch schien abgeholzt zu sein. Ich fragte Major Peter Forsberg, wo all das Grün hin sei. „Die Nordkoreaner brauchen Feuerholz“, sagte er. Außerdem würden sie Hunger leiden. „Wir nehmen an, dass sie selbst Baumrinde essen.

Haseloff blickt nach Südkorea

Während ich mich mit dem schwedischen Major unterhielt, schaute Sachsen-Anhalts Ministerpräsident durch ein Fernrohr nach Nordkorea.
„Wir hatten riesiges Glück, dass bei uns vor 25 Jahren die Mauer gefallen ist“, sagte er. „Millionen Menschen in Nordkorea hungern. Das ist tiefbedrückend.

Kurze Zeit später steht die Delegation aus Sachsen-Anhalt in Panmunjeom, jenem Ort, an dem 1953 das Waffenstillstandsabkommen zwischen Nord- und Südkorea geschlossen wurde. Es gibt drei blaue Baracken mit je einer Tür auf nordkoreanischer und südkoreanischer Seite. Major Peter Forsberg führte seine Gäste in eine dieser Baracken. Ich fand mich plötzlich in einem Raum wieder, in dessen Mitte die Demarkationslinie verläuft, de facto die Grenze zu Nordkorea. Ich machte einen Schritt nach vorn. Das war der Moment, als ich mit einem Bein in Nordkorea stand.

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