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Haseloff in Südkorea - welches Korn geht auf? Live

Von Stephan Schulz | 27. September 2014

Ministerpräsident Reiner Haseloff fliegt gerade an der Chinesischen Mauer entlang. Er kann sie aber nicht sehen. Nur die Passagiere, die auf der linken Seite des Flugzeugs am Fenster sitzen, können einen Blick auf das berühmte Bauwerk werfen. Reiner Haseloff sitzt rechts. Er verpasst die Chinesische Mauer. Aber vielleicht möchte er sie auch gar nicht sehen, denn er kann sich von dem Buch, das er seit dem Start in Seoul liest, kaum lösen. Nur ab und an schaut er auf, um sich in 10.792 Metern Höhe einen Schluck Bier aus dem Plastikbecher zu gönnen.

Der Ministerpräsident sucht zum Abschluss seiner Asienreise offenbar ein wenig Entspannung über den Wolken. Sechs Tage verbrachte er in Südkorea, dem Land der Morgenstille. In der Nähe des CDU-Politikers war es jedoch nur selten still. Ständig gab es irgendwelche Geschäftstreffen. Er saß mit den Topmanagern so großer Konzerne wie SK Innovation und Hanwha zusammen. Er besuchte Tempel, betete in einer Kirche und besichtigte die Grenze zu Nordkorea. Auf einer Internationalen Konferenz im Millennium Hilton Hotel in Seoul hielt er einen Vortrag mit dem Titel: „25 Jahre friedliche Revolution in Deutschland - Lehren für Südkorea“, und er führte ein längeres Gespräch mit Chung Hong_won , dem südkoreanischen Premierminister, der nach dem Untergang der Fähre Sewol erst seinen Rücktritt angeboten hatte, dann aber doch im Amt blieb. Bei dem Unglück waren 300 Menschen, vor allem Kinder, ums Leben gekommen.

Ministerpräsident Reiner Haseloff und Südkoreas Premierminister Chung Hong_won sprachen in Seoul über gemeinsame Wirtschaftsprojekte.
von Stephan Schulz

Haseloff mit Reise zufrieden

„Wir haben viele Projekte angestoßen und müssen diesen Schwung jetzt mit nach Deutschland nehmen, sagt Reiner Haseloff. Bereits am Dienstag hatte er sich in Seoul in einer Limousine ins mächtige Energieministerium fahren lassen, wo ihn Vizeminister Lee erwartete. Beide Politiker unterzeichneten einen Forschungsvertrag über 5 Millionen Euro. Das Geld soll für die Entwicklung von besonders wetterbeständigen Solarzellen verwendet werden. An dem Forschungsprojekt sind unter anderem das Fraunhoferinstitut für Photovoltaik in Halle und das koreanische Unternehmen Hanwha beteiligt. Hanwha verkauft in Südkorea Sprengstoffe und Lebensversicherungen. Zum Konzern gehört auch der Solarzellenentwickler Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen. Deutsche und koreanische Wissenschaftler wollen nun gemeinsam Solarzellen entwickeln, denen selbst Wüstenstürme nichts anhaben können.

Schokolade aus Halle in Fernost

Ein weiterer Gewinner der Südkoreareise ist Klaus Lellé, einer der wenigen Unternehmer, die zur Delegation des Ministerpräsidenten gehörten. Der drahtige Mann isst jeden Tag mindestens eine Tafel Schokolade. „Das bringt mein Beruf so mit sich“, sagt er. Klaus Lellé ist der Vorstandsvorsitzende der Halloren-Schokoladenfabrik, die allein am Standort Halle 280 Mitarbeiter beschäftigt. Ein Unternehmen auf Wachstumskurs. „Wir wollen unseren Umsatz von derzeit 120 Millionen Euro auf 300 Millionen Euro steigern.“ Klaus Lellé sucht deshalb auch in Asien nach neuen Absatzmärkten. Sachsen-Anhalts Investitions- und Marketinggesellschaft und die AHK, die deutsche Außenhandelskammer, haben ihm gleich eine ganze Reihe von Geschäftspartnern in Seoul vermittelt. Im Januar sollen die ersten zwei Schiffscontainer mit Pfefferminz-Täfelchen nach Südkorea gehen. Die klassischen Hallorenkugeln konnte Klaus Lellé in Seoul noch nicht verkaufen. Aber die Delegationsreise des Ministerpräsidenten hat sich für ihn trotzdem gelohnt: "Ich würde sowas jederzeit wieder machen."

Klaus Lellé auf dem Weg zu einem Geschäftskunden: Der Unternehmer will in Südkorea Pfefferminzschokolade und Hallorenkugeln verkaufen. 
von Stephan Schulz

Zwanzig Termine arbeitete Reiner Haseloff in Südkorea ab. Was die Bevölkerung in Sachsen-Anhalt davon haben wird, ist schwer zu sagen. Eine koreanische Großinvestition hat der Ministerpräsident jedenfalls nicht an Land gezogen. Aber vielleicht ist das ja auch nicht der Sinn einer solchen Reise. Vielleicht zählt nicht der kurzfristige, sondern der langfristige Erfolg. Mir fällt dazu ein sprachliches Bild ein, das ich gestern an einer Raststätte nahe der Grenze zu Nordkorea gehört habe. Es stammt von Stephan Dorgerloh, dem Kultusminister. Auf meine Frage, wie sich Erfolg oder Misserfolg der Reise messen lassen, antwortete er: „Das ist wie beim Säen. Man wirft Körner auf die Erde und sieht erst viel später, welches Korn aufgeht und reiche Ernte verspricht."

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