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Guerilla-Marketing: Sachsen-Anhalt bewirbt sich bei Fressnapf und Co Live

Von Stephan Schulz | 7. November 2014

Es ist schwer zu sagen, ob Mandy Bunge (31) und Luisa Kittner (35) bereits von Lebensläufen, Zeugnissen und Briefmarken träumen. Fakt ist, dass sie seit drei Tagen damit beschäftigt sind, Bewerbungsmappen einzutüten und zur Post zu bringen. Die beiden Frauen arbeiten für die Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt. Die Bewerbungsmappen, die sie verschicken, gehen an die 500 umsatzstärksten Familienunternehmen in Deutschland, an Ravensburger, Oetker, Faber-Castell, Fressnapf und Co. Persönlich motiviert ist das Durchhaltevermögen von Mandy Bunge und Luisa Kittner beim Verpacken nicht. Sie suchen keine neue berufliche Herausforderung in einem anderen Bundesland, sie suchen im Auftrag des Wirtschaftsministeriums finanzstarke Investoren für Sachsen-Anhalt.

Luisa Kittner und Mandy Bunge verpacken 500 schrille Bewerbungsmappen. Sie werden an die umsatzstärksten Familienunternehmen in Deutschland verschickt.
von Stephan Schulz

Die Idee, es mit schrillen Bewerbungsmappen zu versuchen, hatte eine ihrer Ex-Kolleginnen. Sie schwört auf Guerilla-Marketing. So bezeichnen Werbestrategen ungewöhnliche Vermarktungsaktionen, die Aufsehen erregen. Die neon-orangen Bewerbungsmappen, die in Teamarbeit entstanden sind, enthalten eine von Wirtschaftsminister Hartmut Möllring unterschriebene Bewerbung, einen Lebenslauf, ein Zeugnis und Empfehlungsschreiben von fünf Unternehmen, die in Sachsen-Anhalt investiert haben und sich hier pudelwohl fühlen. Im Anschreiben heißt es: "Mein Name ist Sachsen-Anhalt. Ich bin erst Mitte 20 - habe aber jahrhundertelange Erfahrungen. Ich bin klein - leiste aber Großes." Die Empfänger, sprich die 500 umsatzstärksten Familienunternehmen in Deutschland, erfahren, dass im vergangenen Jahr 30 ausländische Investoren Sachsen-Anhalt so interessant fanden, dass sie direkt investierten, und sich 78 weitere Unternehmen allein in der ersten Jahreshälfte 2014 entschieden haben, nach Sachsen-Anhalt zu kommen oder weiter zu wachsen. Im Lebenslauf erfährt man dann, dass sich das Land von Luther, Händel und Weill zu einem "Autoland mit rund 270 Automobilzulieferern" entwickelt hat, dass die Chemieindustrie, der Maschinenbau und die Nahrungsmittelindustrie boomen, dass hier viele motivierte und kluge Köpfe arbeiten und das Sachsen-Anhalt bundesweiter Spitzenreiter bei der Stromgewinnung aus erneuerbaren Energien ist. Auch Hobbys, wie die Pflege von Kulturschätzen, werden erwähnt. Unter "Historisches" finden sich die Einträge: "Vakuumerprobt: Otto von Guericke erfand 1650 in Magdeburg die Luftpumpe", "Konfession: Martin Luther hat 1517 in Wittenberg seine 95 Thesen angeschlagen."

Musterschüler: Mit diesem Zeugnis bewirbt sich die Landesregierung bei Investoren.
von Stephan Schulz
Sachsen-Anhalt bewirbt sich als 1-A-Standort für Unternehmensansiedlungen.
von Stephan Schulz
 
 

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Das Filetstück der Bewerbungsmappe ist jedoch das Zeugnis. Demnach ist Sachsen-Anhalt ein Musterschüler, der in allen Fächern mit Einsen und Zweien glänzt. Siebzehnmal hat sich die Landesregierung die Note 1 gegeben, unter anderem für sehr gute Leistungen in den Fächern "24-Stunden-Service für Investoren", "Förderberatung" und "Umsetzungsgeschwindigkeit". Die Note 2 steht nur fünfmal auf dem Zeugnis. Eine Gradwanderung, denn mit Bewerbungen ist es wie mit Medikamenten: Die Dosis macht das Gift. Wer es mit seinen Kompetenzen übertreibt, muss mit Stirnrunzeln beim Personaler rechnen.

Vor sieben Jahren hatten es die Mitarbeiter der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt schon einmal mit Guerilla-Marketing versucht. Damals verschickten sie 45 mal 45 Zentimeter große Rasenstücke an 300 Unternehmen der Logistikbranche, quasi als Startkapital für eine spätere Investition im Land der Frühaufsteher. Nun sollen die 500 Bewerbungsmappen dabei helfen, dass zahlungskräftige Familienunternehmer neue Arbeitsplätze in Sachsen-Anhalt schaffen.

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