Liveblog Sachsen-Anhalt

Eine Welt voller Verwechslungsgefahren Live

Von Stephan Schulz | 18. November 2014

Seit es Navigationsgeräte gibt, ist die Welt voller Verwechslungsgefahren. Im Sommer las ich von einer Autofahrerin, die von Puttgarden aus mit der Fähre nach Dänemark übersetzen wollte. Sie hatte jedoch versehentlich Putgarten eingegeben und landete auf der Insel Rügen, rund 350 Kilomter von Puttgarden auf der Insel Fehmarn entfernt.

Noch größer ist die Verwechslungsgefahr, wenn Ortschaften gleichlautende Namen haben. Autofahrer, die beispielsweise die Saalestadt Halle besuchen wollen, sollten ihr Navi hochkonzentriert programmieren. Halle hat nämlich Doppelgänger. Ein falscher Klick genügt und man fährt nicht nach Sachsen-Anhalt, sondern nach Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen.

In Niedersachsen, im Landkreis Holzminden, gibt es das Dorf Halle.
Die 1600 Menschen, die dort wohnen, würden sich in diesen Tagen über jeden Autofahrer freuen, der von seinem Navigationsgerät in die Irre geleitet wurde, denn irregeleitete Autofahrer verursachen keine Kosten. Dummerweise gibt es aber auch Finanzämter, die ihre Steuerbescheide mittels Technik navigieren. Michael Helmig, der Kämmerer der Samtgemeinde Bodenwerder-Polle, zu der das Dorf Halle gehört, hat so jahrelang hohe Gewerbesteuereinnamen erhalten. Nun hat sich aber herausgestellt, dass es sich um eine Navigationspanne handelt.

Das Geld, insgesamt 70.000 Euro, hätte nicht nach Niedersachsen fließen dürfen. Rechtmäßig gehört es nämlich der Saalestadt Halle in Sachsen-Anhalt. Über die Ursache der Verwechslung ist offiziell bisher nur wenig bekannt. Es deutet aber vieles darauf hin, dass Finanzbeamte am Hauptsitz einer großes Handelskette das Dorf Halle mit der Großstadt Halle verwechselten. Michael Helmig sagt in der Deister-Weserzeitung, dass das Geld, nachdem der Irrtum nun aufgedeckt ist, (leider) zurückgezahlt werden muss. Die Saalestadt Halle wird also unverhofft Weihnachtsgeld erhalten.

Verwechslungsgeschichten, die gibt es in vielen namensgleichen oder ähnlich klingenden Städten und Dörfern. Vor mehr als einem Jahrzehnt wurde beispielsweise einem Abrissunternehmer aus Sachsen-Anhalt eine Vorsilbe zum Verhängnis. Er hatte den Auftrag erhalten, eine DDR-Kaufhalle in Klein Mühlingen abzureißen. Er fuhr los, trug das asbestverseuchte Dach ab, rammte die Wände nieder und schob alles zu einem großen Haufen Schutt zusammen. Am Tag, als der letzte Stein fiel, stellte er seinen Irrtum fest. Er hatte versehentlich die Kaufhalle in Groß Mühlingen abgerissen, obwohl in den Auftragspapieren Klein Mühlingen stand.

Eine andere Verwechslungsgeschichte kann Klaus Bogoslaw, Ortsbürgermeister von Hessen, erzählen. Darin kommt wieder ein Navigationsgerät vor. Zur WM 2006 tauchten in dem verschlafenden Dorf an der ehemaligen innerdeutschen Grenze Fußballfans aus Portugal auf. Sie hatten Karten für das Spiel Portugal - Iran in Frankfurt am Main. "Die Jungs hatten aber Hessen ins Navi eingegeben und landeten deshalb bei uns auf dem Sportplatz", sagt Klaus Borgoslaw. "Wir haben uns das Spiel dann zusammen auf der Leinwand angeschaut und eine schöne Party gefeiert."

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