Liveblog Sachsen-Anhalt

Däg'lbraod - Neues aus der Altmark Live

Felix Moniac hat sich nach seinem MDR-Volontariat bewusst dafür entschieden in die Altmark zu gehen. Als Journalist und Neu-Stendaler entdeckt er Spannendes, Lustiges und Schönes zwischen Arendsee und Tangerhütte. Darüber berichtet er in diesem Blog.

Felix Moniac hat sich nach seinem MDR-Volontariat bewusst dafür entschieden in die Altmark zu gehen. Als Journalist und Neu-Stendaler entdeckt er Spannendes, Lustiges und Schönes zwischen Arendsee und Tangerhütte. Darüber berichtet er in diesem Blog.

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Klänge
  • Ein altmärkisches Dorf im Kino

    Mahlpfuhl | 25.09.2015

    Jede Woche stellen wir im Radio und im Internet ein Dorf der Altmark vor. Das liegt unter anderem daran, dass es in der Altmark über 500 Dörfer gibt - und wir es als unsere Aufgabe ansehen, der altmärkischen Vielfältigkeit gerecht zu werden und sie in den Medien abzubilden.

    Nun war ich für "mein" Dorf in dieser Woche in Mahlpfuhl unterwegs. Dort habe ich erfahren, dass Mahlpfuhl und Rundlingsdorf ist und vor allem auch: was ein Rundlingsdorf ist.

    Und ich habe erfahren, dass in Mahlpfuhl vor kurzem ein Film gedreht wurde. Mit Wotan Wilke Möhring und Francois Goeske und weiteren prominenten Schauspielern.

    Und gewissermaßen als Vorankündigung für das kommende "Wir stehen auf Dorf!" aus der Altmark, folgt ein Link zu einem Bericht über den Filmdreh in Mahlpfuhl:

    von fgsupport via YouTube
    Felix Moniac, 9/25/2015 1:47:31 PM Uhr
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  • Eine bedeutende Bühne

    Stendal | 18. September 2015

    Das Theater der Altmark, das TdA, feiert sein 20-jähriges Jubiläum. Das heißt: eigentlich gibt es das Theater schon viiiel länger, aber: vor 20 Jahren wurde der letzte Umbau, die letzte Runderneuerung abgeschlossen.

    Und die Stendaler Theatermacher feiern das mit einem Film. Ein Film, den sie selbst Collage nennen. Ein Film, der die Geschichte des Theaters nacherzählt. Auf absolut witzige Weise, die die 25 Minuten Dauer zu einem heiteren Vergnügen werden lassen.

    Und alle Menschen, die zu dem Theater etwas zu sagen haben und im Theater kurzzeitig oder dauerhaft ihre Heimat und ihre Familie gefunden haben, kommen zu Wort.

    Intendanten, ehemalige Intendanten, Schauspielerinnen und Schauspieler, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Bereiche.

    Ein Film, der Freude macht und ganz schön stolz auf eine Region, in der ganz viele engagierte Menschen leben und ihre Heimat und ihr Theater lieben.

    Und hier ist er:

    TdA – Eine Collage
    via YouTube

    Was das Theater der Altmark, sein Ensemble, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten, trotz Sparzwang, trotz teilweise geringer Besucherzahlen, trotz vieler weiterer Einschränkungen, mit denen die Kulturlandschaft der Altmark umgehen muss, haben meine Kolleginnen von MDR Info zusammengetragen.

    In einem sehr informativen Artikel über die Theater des Landes und vor allem das Theater der Altmark. Wussten Sie, dass das TdA auch zu Ihnen kommt? Im Bus. On Tour!


    Und morgen, am 19. September 2015, gibt es das nächste Stück. Uralt einerseits - hochaktuell andererseits: Nathan der Weise. Um 19:30h. Im Theater der Altmark.


    Felix Moniac, 9/18/2015 8:33:16 AM Uhr
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  • Tages(p)reise

    Havelberg | 24. August 2015

    Die Bundesgartenschau ist zweifelsohne DAS Großereignis der Havelregion 2015.

    Fünf Standorte entlang der Havel – Havelberg, Amt Rhinow/Stölln, Rathenow, Premnitz
    und Brandenburg an der Havel - locken mit unzähligen Veranstaltungen rund um die Blume, Erwachsene und Kinder zu begeistern.

    Vergangenes Wochenende war nicht nur das Wetter für einen Besuch der BUGA wie geschaffen, auch waren meine Eltern zu Gast. So stand schnell der Plan, samt Partnerin zu viert nach Havelberg aufzubrechen.

    In Havelberg steuerten wir gezielt die Kirche Sankt Laurentius an, denn man weiß: hier gibt es ganz Besonderes zu bewundern. Eine Kirche, die als Ausstellungsort für Blumen dient. Im Vorfeld hatte das für Diskussionen und Kritik gesorgt, die ich persönlich nicht teile. - So der Glaube an Gott gegeben ist, ist es meines Erachtens umso schöner, den floralen Teil der Schöpfung üppig auch an heiligem Orte zu bewundern.

    Doch die Freude über das wunderbare Wetter und die wirklich vorzüglich herausgeputzte Stadt Havelberg wurde bald getrübt. Beim Kauf der Eintrittskarten nämlich.

    Zum Stückpreis von zwölf Euro werden diese angeboten, will man lediglich Havelberg bewundern. Alle fünf Standorte schlagen mit zwanzig Euro zu buche. Gerade einmal vier Euro pro Ort. Das ist fair und absolut in Ordnung.

    Diese zwölf Euro indes, zwölf Euro, die sich für uns vier zu einem satten Fünfziger addierten, waren – um es galant zu formulieren – happig.


    Und für diesen happigen Preis erwarteten wir dann auch ein besonderes Programm. Doch leider wurden wir enttäuscht. Im Innern der Kirche Sankt Laurentius hatte nämlich gerade die Landesmeisterschaft der Floristen stattgefunden.

    Zu sehen waren deswegen riesige Gestecke und Kränze, die den expliziten Liebhaber floraler Gestaltungskunst zwar möglicherweise in höhere Sphären heben mögen – uns indes kalt ließ.


    Verärgert waren wir darüber, zumal wir erst danach bemerkten, dass das Haus der Flüsse, ein weiteres Havelberger Highlight, kostenlos zu besuchen ist.

    Noch unglücklicher waren wir als wir den Dombezirk betraten und von Whirlpool- und Spezialheckenscherenverkaufsständen begrüßt wurden…


    Es wäre ungerecht, den Havelberger BUGA-Standort nur schlecht zu machen, denn: allein die Stadt am Fluss ist einen Besuch wert – BUGA hin oder her. Solch‘ wunderbare Gässchen und Häusschen gibt es dort zu sehen, die Kirche Sankt Laurentius als Kirche, der Dom auf dem Domberg, der Blick auf die Stadt vom Domberg; Havelberg ist wahrlich eine echte Perle, die vor allem in den Sommermonaten häufiger besucht werden sollte - zum Beispiel von gestressten Berlinern, die hier wirklich gut ausspannen können.

    Und die BUGA-Organisatoren haben auch viel richtig gemacht. Großartig gelungen ist zum Beispiel die eigens für die Gartenschau angelegte Aussichtsplattform am Dom, um nur ein Beispiel zu nennen. Und es gibt auch ein umfassendes Rahmenprogramm, dass den Besuchern viel Unterhaltung bietet und keine Langeweile aufkommen lässt.

    Nach der bereits aufgekommenen Kritik zur Preisgestaltung der BUGA-Tickets und den bisher hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Besucherzahlen, hätte ich mir allerdings eine größere Staffelung der Eintrittspreise gewünscht.
    Felix Moniac, 8/24/2015 2:16:08 PM Uhr
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  • Black Mesa

    Tangerhütte | 7. August 2015

    Die 90er Jahre waren für viele Jugendliche insbesondere von einem Spiel geprägt. Half Life.

    Das erste ernstzunehmende Spiel, das eine Geschichte erzählte und einen Plot entwickelte, wie ihn der Konsument bis dahin nur von Kinofilmen kannte.


    Als Spieler schlüpfte man in die Rolle von Gordon Freeman – einem brillanten Quantenphysiker – der, gutaussehend, sportlich und super intelligent all das verkörperte, was man vorher nur von Schauspielern wie Tom Cruise in Mission Impossible oder Bruce Willis in Die Hard kannte.


    Mit dem Unterschied: es war Gordon Freeman.

    Und nicht Tom Cruise, ein auf Sofas tanzender Scientologe.

    Und nicht Bruce Willis, ein Hollywood-Macho, der immer nur so lustig war, wie die Drehbuchautoren hinter seiner Rolle.

    Härter als Bruce Willis in "Die Hard" 
    von Felix Moniac
    Gordon Freeman war virtuell. Und perfekt. Auf ihn ließ sich mehr projizieren als auf jeden Schauspieler aus Fleisch und Blut, er war – neben Lara Croft - die Galeonsfigur des neuen Zeitalters, in dem sich die Computer und ihre Spiele anschickten, unsere Kultur grundlegend zu verändern. 

    Gordon Freeman war aber nicht nur super intelligent und mega sportlich, er war auch einer, der anpacken konnte. In Half Life riss man als Gordon Freeman Öltonnen hoch in die Luft, zerschmetterte Holzkisten mit Brecheisen, sprang meterweit über Schluchten und krabbelte durch dreckige Belüftungsschächte. Man tauchte durch verborgene Abwasserröhren und kämpfte gegen Alien aus einer anderen Zwischendimension.

    Gordon Freeman trug einen speziellen Anzug, der ihm zusätzliche Turbokräfte verlieh. 
    von Felix Moniac

    Alles nur, um einen Ausweg zu finden. Einen Ausweg aus dem Black Mesa-Komplex, dem Ort absoluter Verdammnis. - Wenn man möchte, klingt hier Dürrenmatts „Die Physiker“ an: Die Frage, was Wissenschaft darf, wurde in Half Life mit der Ethik eines absolut korrupten Turbo-Kapitalismus beantwortet: Man darf alles. Wenn es nur Geld bringt. Nur Gordon Freeman widersetzte sich dem.


    Als Half Life-Spieler war man ein „Early-Nerd“. Ende der 90er war es noch uncool, immer nur am PC zu sitzen oder zu wissen, was die Abkürzungen VGA oder RAM bedeuten.


    Vielen war das egal. Computer zu spielen und auf LAN-Partys über die neueste Radeon-Graphikkarte zu diskutieren, hat einfach Spaß gemacht. Und Spaß ist doch ziemlich oft ein guter Grund, etwas zu tun.

    Kisten aus Holz wurden bei Half Life einfach zertrümmert. Solche aus Stahl konnten mit einer Antigravitationswaffe einfach weggehoben werden. 
    von Felix Moniac
    Und diese Erinnerung, dieser Flashback über Gordon Freeman und Half Life und den erfundenen Black Mesa-Komplex. All das kam in mir hoch, weil ich das Eisenwerk Tangerhütte besucht habe.

    Und dort laufen ein paar Arbeiter rum, die einfach dermaßen nach Half Life und Gordon Freeman riechen, dass ich mehrmals um die Ecken gucken musste, ob nicht irgendwo Laserwaffen herumliegen.


    Lagen natürlich nicht. - Aber die Leute da - und das war mindestens genauso beeindruckend - die arbeiten WIRKLICH hart. Sauhart.


    Wenn die Haut nach heißem Eisen riecht und Koksreste unter den Fingernägeln für immer festgebrannt bleiben. Wenn flüssiges Eisen britzelnd und bratzelnd ausgegossen wird und man eine Sonnenbrille tragen muss, um nicht zu erblinden. Wenn die Arbeit darin besteht, den ganzen Tag eine Flex zu halten. Und mit dieser Flex Metallstücke wegzuschleifen.


    Dann ist das Arbeit. Und ich habe einen Ultramegakrassenüberrespekt vor diesen Männern, die jeden Tag auf ihre Hütte gehen und ihre Arbeit verrichten.


    Das Eisenwerk Tangerhütte. Härter als jedes Computerspiel.

    Half Life 1 sah 1998 übrigens so aus, wie in folgendem Let's Play:

    Auf dem Startbildschirm: Gordon Freeman in seinem Wunderanzug.
    von MrPactain via YouTube


    Felix Moniac, 8/7/2015 3:48:27 PM Uhr
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  • The Kids Are Alright

    Stendal | 25. Juni 2015

    Der öffentlich-rechtliche Rundfunk lebt von regionalen Themen. Regionale Berichterstattung ist das wichtigste Geschäft für NDR, HR, BR, SWR etc. und eben uns, den MDR.

    Damit wir regional Bericht erstatten können, benötigen wir aber Menschen, die ihre Regionen kennen und nicht nur wissen, wo die Themen lauern, sondern vor allem, welche Themen auf Hörerin und Hörer und Fernsehguckerin und Fernsehgucker warten.

    Deswegen beschreiten wir beim MDR in Stendal unausgetretene Pfade: Ich war heute zum ersten Mal bei einem Berufsinformationstag für Schülerinnen und Schüler. Stattgefunden hat er am Rudolf-Hildebrand Gymnasium.


    Direktorin Dr. Anne-Dore Meißner über den ersten Berufsinformationstag 
    von Felix Moniac


    Und es war eine tolle Erfahrung. In verschiedener Hinsicht. Nicht nur waren viele Schülerinnen und Schüler interessiert an dem, was MDR Sachsen-Anhalt zu bieten hat. 

    Im Gespräch mit Arne Herzog, Schüler des Rudolf-Hildebrand Gymnasiums 
    von Felix Moniac

    Eine tolle Erfahrung war es auch, weil ich (man) ja normalerweise nicht so mit noch so jungen Menschen zu tun hat. Und ich war super erfreut zu erleben, dass die Jugendlichen heute genauso sind, wie wir damals: gut erzogen, interessiert, hyper freundlich und zuvorkommend.

    Also so gar nicht das Klischee vom uninteressierten Jugendlichen. Gegenteil, Alter!

    Da ist es dann auch nicht verwunderlich, dass viele Jugendliche längst einigermaßen eine Vorstellung davon haben, was sie machen wollen.


    Zukunftswünsche und -perspektiven 
    von Felix Moniac

    Ein reiner Zufall, dass ich in dieser Umfrage nur Mädchen habe. Ich habe mit vielen männlichen Jugendlichen gesprochen und tatsächlich hatten genau so viele auch schon ein, zwei oder drei Ideen von ihrer Zukunft.

    Beeindruckend, wenn ich bedenke, wie unklar mir meine Zukunft schien als ich sechzehn war...
    Felix Moniac, 6/25/2015 2:06:02 PM Uhr
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  • Katzenjammer

    Stendal | 23. Juni 2015

    Der Moment rückt näher: kommenden Freitag werde ich meine neuen Familienmitglieder abholen.
    Zwei Katzen, die fortan ihre Leben mit meiner Freundin und mir teilen werden.

    Zuhause ist bereits alles eingerichet. Ein riesiger Katzenkratzbaum hindert am Betreten des Flures, im Bad stehen Katzenklo und Freß- wie Trinknäpfe bereit, der Balkon wird noch vor Freitag „vernetzt“.


    Um auch wirklich alles richtig zu machen – schließlich übernehmen wir die Verantwortung für zwei Lebewesen und nicht zwei Stück Holz – war ich im Tierheim Stendal-Borstel. Dort habe ich mich mit der Leiterin des Tierheims, Antonia Freist, unterhalten.


    Sie hat mir nicht nur wertvolle Tipps für das Verhalten gegenüber meinen neuen Haustieren gegeben, ich habe sie auch zu Hunden befragt. Und was sie mir erzählt hat, möchte ich niemandem vorenthalten:


    Zu Besuch im Tierheim Stendal 
    von Felix Moniac

    Es ist übrigens gar kein Problem, Katzen in der Wohnung zu halten. Wichtig ist, dass sie genügend Abwechslung haben – Spielmöglichkeiten, unterschiedliche Räume und natürlich sollte die Wohnung eine gewisse Größe haben. Wenigstens 60 m² bei zwei Katzen.


    Zwei Katzen gemeinsam in der Wohnung zu halten, ist übrigens nicht grausam und furchtbar, sondern besser als eine alleine. Das hat mir Antonia Freist bestätigt und – Doppelcheckjournalist, juchee – eine weitere Tierheimangestellte in einer anderen Stadt.


    Warum aber heißt dieser Eintrag „Katzenjammer“? - Nun, die Saison der kleinen Katzenbabies hat begonnen. Das Tierheim Stendal-Borstel macht sich bereit, um Dutzende kleine Katzen aufzunehmen. Dabei wäre das nicht nötig, wenn verantwortungsbewusste Katzenhalter und Katzenhalterinnen ihre Stubentiger kastrieren und sterilisieren ließen.

    Und mal ehrlich: wem solch' eine Operation zu teuer ist, der oder die sollte auch keine Katze halten.


    Ich kaufe mir ja auch kein Auto ohne Geld für den Sprit zu haben.

    Felix Moniac, 6/23/2015 9:20:14 AM Uhr
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  • Kuhl Cats

    Kuhlhausen | 18. Mai 2015

    Am 6. Mai hat sie stattgefunden, die Landpartie in Kuhlhausen. Ein Tag voller Erwartungen, die allesamt erfüllt wurden.

    Wir hatten nicht nur gutes Wetter, sondern auch viele Gäste mit guter Laune, ein tolles Programm und viele lustige Momente.

    Unvergessen bleiben wird unter anderem das Bootsrennen auf dem Karpfenteich: Ein siegreiches Team MDR gegen das im wahrsten Sinne des Wortes badengegangene Team Kuhlhausen.

    SO sehe ich übrigens aus, wenn ich den Sieg in die Welt hinausbrülle.

    Und unvergessen bleiben wird Kuhlhausen für mich sowieso, denn zwei zukünftige Familienmitglieder warten dort auf ihre Abholung...

    Auseinanderzuhalten sind sie noch nicht, aber hier sind sie. Noch keine Woche alt und schon im Fern… äh… Internet:


    Kätzchen in Kuhlhausen
    via YouTube

    Felix Moniac, 5/18/2015 2:21:02 PM Uhr
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  • Spargelspinne

    Cobbel | 24. April 2015

    Spargel ist eine Diva.
    Sie schmeckt nur dann gut, wenn sie nicht holzig ist und zudem gut geschält.
    Das Schälen indes bereitet keine Freude. Gar keine. Als Spargelnichtbescheidwisser weiß man schon nicht, wo man anfangen soll, ob oben oder unten.
    Oben beginnend, fuddelt man stets unterhalb des Spargelkopfes herum, um die kleinen Spargelschuppen zu entfernen. Pro Stange dauert das etwa drei Stunden.

    Beginnt man unten, erwischt man zwar stets die volle Ladung Schuppen, schubbert aber gleichwohl das Köpfchen ab. Und ganz besonders beim Spargel gilt natürlich: Bloß nicht den Kopf verlieren!

    Die im Internet kursierenden Tipps sind die übliche Lügenpresse und frustrieren, statt zu helfen.
    Da steht dann ein Profikoch und schält fünfzehn Kilogramm Spargel in dreißig Sekunden. Kann nicht stimmen. Es gibt gar keine Köche.

    Aber auch, wenn das entschuppte Kraut dann irgendwann verzehrbereit auf dem Teller liegt – wir wissen ja praktisch überhaupt nichts über die Herkunft und Heimat und Vorgeschichte des Spargels.

    Bis jetzt!

    Unterwegs bei Cobbel in der Altmark nämlich, einem Spargelparadies erster Güte, sah ich links und rechts von der Straße Spargelfelder vorbeifliegen. Und auf diesen Spargelfeldern standen merkwürdige Maschinen:

    Spargelspinne in Cobbel
    via YouTube

    Hab‘ ich angehalten und zufällig auch noch Spargelbauer Ruhnke getroffen, der mir die Maschinen erklärt hat:

    1. Die Spargelspinne fährt gewissermaßen wie eine Magnetschwebebahn über den Spargeldamm. Der Spargeldamm ist der längliche Erdhaufen, in dem der Spargel wächst.

    2. Während die Spargelspinne über den Spargeldamm fährt, hebt sie auf der einen Seite die Folien an, die den Spargeldamm bedecken.

    3. In der Mitte kann der Spargelstecher kontinuierlich ernten.


    4. Auf der anderen Seite senkt die Spargelspinne die Folie wieder ab, ordentlich auf den Spargeldamm.


    Warum liegen die Folien auf dem Spargel? Weil es der Spargel warm haben will. Kleine Frostbeule.
    Und das neue Modell der Spargelspinne, die Spargelbauer Ruhnke auf seinem Felde hat, ist fortschrittlich.


    Auf dem Spargeldamm liegen nämlich nicht nur eine, sondern zwei Folien.
    Eine weiße, direkt auf dem Damm. Und eine durchsichtige, hochgehalten von Metallstreben. Dadurch hat es der Spargel noch wärmer, weil sich zwischen den beiden Folien tagsüber ein warmes Luftpolster bildet.

    Und die Spargelspinne kann beide Folien gemeinsam lupfen und wieder absenken. Mit den älteren Modellen ging das nicht. Das ist nun ein großer Erntevorteil, der die mühselige Spargelstecherei nicht mehr ganz so mühselig macht.

    Aber immer noch mühselig genug.
    So, wie das Schälen.

    Felix Moniac, 4/24/2015 10:57:41 AM Uhr
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  • Volos stehen auf Dorf

    Schinne | 16. April 2015

    Mein Volo-Kollege Richard Schreiber und ich hatten die Ehre, einen Tag lang durch den kleinen Ort Schinne zu streifen. Für die Serie „Wir stehen auf Dorf“ haben wir Tiere gestreichelt, den Dorfladen besucht und einfach bei Anwohnern geklingelt. Und wir wurden fündig!

    Volos stehen auf Dorf!
    von Marie-Sophie Rudolph

    Schinne ist ein Sackdorf. Also quasi ein Dorf als Sackgasse. Die Hauptstraße führt hinein – und dann ins Nichts. Zumindest führt sie nur auf Wald- und Wiesenwege, mitten auf die Felder. Und davon gibt es einige rund um Schinne, denn es ist ein traditionelles Landwirtschafts-Dorf.

    Und wie es sich so gehört, haben wir auch Vieh-Höfe besucht und Bekanntschaft mit neugierigen Milchkühen gemacht. Freundliche Pferde waren auch an uns interessiert; Hund und Katze wichen mir gar nicht mehr von der Seite. Es gibt Schlimmeres! ;-)

    von Marie-Sophie Rudolph
    von Marie-Sophie Rudolph
    von Marie-Sophie Rudolph
     
     

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    Im Garten der Familie Köhn gibt es auch Tiere – unter anderem diesen Kakadu namens Theo. Er mag keine fremden Menschen auf „seinem“ Grundstück, schmust gerne mit seinem „Frauchen“ und spricht viel. Vornehmlich die Worte: „Oh Gott, oh Gott“.

    von Marie-Sophie Rudolph

    Und dann ist da noch dieser Dorfladen in Schinne. Er widerspricht allem, was man von Dörfern und demografischem Wandel so hört. Seine Besitzerin, Manuela Schell, hat ihn vor fünf Jahren eröffnet und das Risiko der Selbstständigkeit gewagt. Obwohl es in Schinne nur 400 Einwohner gibt. Die danken es ihr allerdings sehr und finden: Der Dorfladen ist zum neuen Mittelpunkt von Schinne geworden.

    Anne-Marie²-Sophie, 4/17/2015 8:19:42 AM Uhr
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  • Anne-Marie²-Sophie, 4/17/2015 8:18:53 AM Uhr
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  • Die Altmark – heute auch mal im Sonnenschein

    Auf den Straßen der Altmark | 10. April 2015

    Die Sonne zeigt sich auch hier, das Thermometer klettert nach oben. Das ist auch gut so. Denn wenn man in der Altmark arbeitet, verbringt man einen nicht unwesentlichen Teil auf der Landstraße. Mit etwas Glück, ist die Sicht auch befreit von großen LKWs. Und dann zeigen sich die schönen Seiten der Gegend. Vor allem, wenn man sonst Stadt, Ampeln und Häuserreihen gewohnt ist.

    Hier eine kleine Bilderreihe, die zeigt: Die Altmark hat mehr Gesichter als man so denkt. Kleine, aber idyllische Dörfer, weite Wiesen, Birkenwälder oder Kuhweiden – in der Altmark ist alles dabei.

    von Marie-Sophie Rudolph
    von Marie-Sophie Rudolph
    von Marie-Sophie Rudolph
    Die Altmark hat viele Gesicht - besonders schön natürlich bei Sonnenschein.
    von Marie-Sophie Rudolph
    von Marie-Sophie Rudolph
     
     

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    Und wo die Straßen so hinführen? Zum Beispiel nach Uetz. Das kleine Dorf hat nur 170 Einwohner. Und kommt das MDR-Auto ins Dorf, stehen die Bewohner schon mit der Kaffee-Tasse neben einem.

    In Uetz findet bald die Landpartie statt.
    von Marie-Sophie Rudolph
    von Marie-Sophie Rudolph
     
     

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    Uetz hat sich für die Landpartie am 27. Mai beworben – und gewonnen. Die Vorfreude auf die große Feier im Ort ist wirklich überwältigend.

    von Marie-Sophie Rudolph

    Und auf dem Rückweg offenbart sich gleich ein weiterer Schatz der Altmark. Noch nicht ganz massentauglich, aber bald zahlt sich die Mühe dieser Bauern aus – dann fängt die Spargelzeit an. Denn die Pflanzen unter der schwarzen Folie freuen sich auch über die warmen Tage.

    von Marie-Sophie Rudolph


    Anne-Marie²-Sophie, 4/10/2015 12:53:01 PM Uhr
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  • Nie zu alt. Für nichts.

    Gardelegen | 30. März 2015

    Vergangene Woche besuchte ich im Gardelegener Jugendclub eine Bandprobe.
    Dort traf ich eine noch ganz „junge“ Band, erst bei ihrer zweiten Probe. Ich fand eine Gruppe, noch namenlos, von etwa 20 Menschen, die meisten von ihnen Senioren. Viele können weder professionell singen, noch ein Instrument spielen. Aber: sie wollen es lernen. Unbedingt. Auch im Alter von 74 Jahren noch, wie mir Ernst Nahr, einer der Sänger, erzählt.

    Senioren tasten sich im Jugendclub an das Bandprojekt heran.
    von Marie-Sophie Rudolph

    Wie es dazu kam?

    Bei einem Ausflug mit der Volkssolidarität besuchten sie den Kinofilm „Live is Life - Die Spätzünder“. Darin geht es auch um Senioren, die ihren späten Wunsch nach Lampenfieber und Bühnenshow entdecken. Im Bus zurück wollten sie auch ein bisschen singen. Das klappte nicht so richtig. Die Lust aber, die ist immer noch da. Also suchten sie sich Raum, Mentor und Helfer.

    Live is Life - Die Spätzünder - Trailer
    von UniversumFilmVOD via YouTube

    Ausgeteilt wird der Text von Keimzeits „Kling Klang“. Vorsichtig singen sie die ersten Töne. Behutsam. Zeile für Zeile. Nach einer Weile dann immer lauter und mutiger.
    Aber so richtig werden sie nicht warm mit dem Lied. „Zuckersüßer Mund…das passt irgendwie nicht zu uns“, raunt jemand. Eine Diskussion bricht los.

    Dann ein neuer Vorschlag: „Alt wie ein Baum.
    Das passt und wir kennen den Text.

    Und was die Gardelegener hier beweisen: Für manche Träume ist man eben nie zu alt!

    Und so klingen die Gardelegener.
    von Marie-Sophie Rudolph
    Anne-Marie²-Sophie, 3/30/2015 2:21:06 PM Uhr
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  • Landluft und Blumenduft

    Busch l 20. März 2015

    Ja, man merkt es deutlich, wenn die Autofahrt einen quer ins Land führt: Die Altmark ist ein dünn besiedeltes Gebiet in Deutschland. Das ist aber nicht immer schlimm. Im Gegenteil.

    Heidi, das Harzer Rind in der Altmark
    von Marie-Sophie Rudolph

    Am Dienstag führte mich meine Reise in den Busch. Besser gesagt: In das kleine, 80-Einwohner-große Örtchen namens Busch. Dort fuhr ich auf den Biolandhof der Familie Dihlmann. Trotz aller Fremdenfeindlichkeit, die momentan an vielen Orten laut wird: Die Dihlmanns möchten gern Flüchtlingsfamilien aufnehmen. Ihre Idee: Familien, die auch vorher schon auf dem Land wohnten, sollen das auch hier leben können, mit einem eigenen Garten und vielleicht einem Schaf oder ein paar Hühnern.


    Auf meinem Weg nach Busch hatte ich die Landstraße quasi für mich allein. Sonne, weite Felder, etliche Kraniche, Storche oder wuschelige Kühe. Wie eine Fahrt durch den Tierpark.

    Und es kam noch besser. Nach dem Interview bekam ich eine kleine Privatführung über den Hof der Dihlmanns. Begleitet vom lustig hüpfenden Hund, der mir bis zur Brust ging. Dann durfte ich das Harzer Rind Heidi kennenlernen und sogar ein nur zwei Tage altes Ferkel streicheln.

    Beim Bio-Hof in Busch...
    von Marie-Sophie Rudolph
    ...gibt es Ferkelchen...rie
    von Marie-Sophie Rudolph
    von Marie-Sophie Rudolph
    und auch nicht alle Besucher sind gern gesehen Gäste.
    von Marie-Sophie Rudolph
     
     

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    BUGA-Countdown in Havelberg

    31 Tage vor dem Start der BUGA war ich bei der letzten großen Pressekonferenz in Havelberg. Auch für mich eine gute Vorbereitung auf die nächsten Wochen. Denn ab 20. April begleite ich Reporter Andreas Müller bei der Hausboot-Tour entlang der Havel.

    Kreuz und quer durchs Land bereisen wir nicht nur alle BUGA-Standorte, sondern auch umliegende Dörfer.

    Blumen gab es in Havelberg noch nicht sehr viele. Einige brauchen die 31 Tage wohl noch bis zum Aufblühen. Aber Sonne und Havel bilden schon jetzt ein perfektes Team.

    Diese Blumen warten wohl noch bis zur BUGA
    von Marie-Sophie Rudolph
    von Marie-Sophie Rudolph
     
     

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    Und in der alten Stadtkirche wird gerade noch kräftig gebaut.
    Ab 18. April werden hier keine Gottesdienste abgehalten, sondern Besucher können die Kirche als Blumenhalle erleben.

    von Marie-Sophie Rudolph
    Anne-Marie²-Sophie, 3/20/2015 3:41:33 PM Uhr
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  • Hallo Stendal!

    Stendal | 13. März 2015

    Seit Februar darf ich mich Volontärin des Mitteldeutschen Rundfunks nennen. Nach einer Seminarphase bin ich nun in der ersten Praxisstation angekommen. In Stendal.

    Bis Ende April werde ich durch die Altmark und den Elb-Havel-Winkel ziehen. Was meine offenen Augen und Ohren so alles finden, zeige ich auch hier.

    Meine erste Woche war wirklich eine Premiere – in Stendal und auch in den allermeisten anderen Altmark-Orten war ich noch nie zuvor. Hauptaufgabe wird also sein: Die Region kennenlernen. Dafür habe ich noch sechs Wochen Zeit. Hilfe habe ich mir dafür von den Stendalern selbst gesucht – die müssen es ja wissen!

    Was kann ich in der Altmark tun? 
    von Marie-Sophie.Rudolph

    Gut. In Tangermünde war ich bereits am Montag. Ein Sonnenspanziergang an dem Punkt, an dem sich Tanger und Elbe treffen. Wirklich empfehlenswert!

    Tangermünde bei Sonnenschein 
    von Marie-Sophie.Rudolph

    Was mir zwar niemand empfohlen hat, aber dennoch einen Ausflug wert war: Das 1000-Einwohner-Dorf Jävenitz, zwischen Stendal und Gardelegen.

    Hier habe ich eine kleine Bäckerei besucht, die es seit 125 Jahren gibt. Ein Familienunternehmen, das es gar nicht so einfach hat, sich gegen große Bäckereiketten durchzusetzen.

    von Marie-Sophie.Rudolph
    von Marie-Sophie.Rudolph
    von Marie-Sophie.Rudolph
     
     

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    Und weil ich die Altmark ja kennenlernen will, bin ich gleich noch ein bisschen durch das Dorf spaziert. Ich fand Bushaltestellenphilosophie und Anregungen für meine Freizeit.


    von Marie-Sophie.Rudolph
    von Marie-Sophie Rudolph
     
     

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    Und was mir sonst in der ersten Woche noch aufgefallen ist? Die Menschen hier sprechen fast so rau wie in meinem ehemaligen Wohnort, in Berlin. Fährt man mit dem Auto hier die Landstraßen entlang, fühlt man sich permanent wie bei einer schlechten Verfolgungsjagd. Die Altmärker haben es mit Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht so, mit Überholmanövern dafür umso mehr!

    Und mein Arbeitsweg, die kleine Einkaufsstraße in der Stendaler Innenstadt, erinnert mich sogar an meine Heimat Wernigerode.

    Und morgens um halb acht hat man sie sogar für sich allein.

    Die Stendaler Breite Straße am Morgen  
    von Marie-Sophie.Rudolph
    Anne-Marie²-Sophie, 3/13/2015 1:56:05 PM Uhr
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  • Freundliche Übernahme

    Stendal | 13. März 2015

    In den kommenden Wochen ist Volontärin Marie-Sophie Rudolph Mitarbeiterin im Studio Stendal des MDR Sachsen-Anhalt. Darüber freuen wir uns alle sehr und ganz besonders ich, denn - wie passend - ich fahre in den Urlaub und übergebe deswegen gerne das Zepter. Temporär natürlich.

    Und wie sieht das Zepter aus? Irgendwie ein bisschen wie eine Tastatur...

    von Felix Moniac

    Viel Spaß, Marie!

    Und auf Wiedersehen, Stendalerinnen und Stendaler.

    Felix Moniac, 3/13/2015 1:12:05 PM Uhr
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  • Tröglitz in der Altmark

    Überall | 12. März 2015


    by Felix Moniac

    Seit einigen Tagen sitzen wir wieder einmal erschrocken vor unseren gängigen Leben und rufen: “Geht das denn schon wieder los?” - Die Mutigen unter uns, sie trauen sich gar, einmal laut am Küchentisch oder unter der Dusche die Frage als Imperativ zu formulieren: “Das darf nicht schon wieder losgehen!”.


    “Das” ist: Fremdenfeindlichkeit und Hass. Thema zurzeit besonders, klar, wegen: Tröglitz.


    Ein Dorf, weit weg von Stendal und der Altmark, mitten im Herzen Ostdeutschlands. Dort, wo es außer den eingewanderten und beliebten Wölfen (so schön nordisch) natürlich nix gibt außer Nazis. Der übliche Osten eben.

    Der rote Pfeil in der Mitte zeigt auf Tröglitz 
    by Felix Moniac

    Stendal und die Altmark, sie sind indes selbst weit weg. Weit weg von Lampedusa und Syrien und dem Kriegsalltag, den Millionen von Menschen jeden Tag erleben.

    Seit “Pegida”, die kurzzeitig das größte kostenlose Freiluftkabarett der Welt veranstaltet haben, wissen wir, dass Mensch jenes am stärksten fürchtet, das er nicht kennt.
    Also dachte ich: hier in Stendal, da kennt doch niemand Asylbewerber.

    Die haben bestimmt alle Angst.
    Dachte ich.

    by Felix Moniac

    Habe ich falsch gedacht. Und fühle mich gerade gleich wieder etwas versöhnt.

    Versöhnt, weil ich mit meinem Mikro eben nicht genau auf die Leute zugegangen bin, von denen ich dachte, dass sie bestimmt genau das sagen werden, was so ein Journalist des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in seine Heile-Welt-Umfrage packen will - Lügenpresse und so - sondern versöhnt, weil ich einfach rumgestapft bin und irgendwelche Leute angequatscht habe.
    Und die haben dann trotzdem keinen Mist erzählt, sondern Dinge gesagt, die ich sofort unterschreiben konnte.


    Ja, gut, es waren gerade keine Thor Steinar-Typen auf der Straße unterwegs, aber um die ging es mir auch nicht.


    Der "einfache Mensch" von der Straße ist offensichtlich gar nicht so "dagegen", wie zumindest ich das so von ihm angenommen hatte. Cool!

    Dennoch: die Rechtsradikalen und menschenverachtenden Spinner sind auch da.
    Und deswegen reicht es nicht, dass wir im Kreise unserer Freunde und Familie sagen, dass wir Asylbewerber und Fremde willkommen heißen. Markus Nierth ist zurückgetreten, weil er sich alleingelassen gefühlt hat. Er hat sich alleingelassen gefühlt, obwohl viele Menschen hinter ihm stehen und seine Sicht der Dinge teilen.

    Aber sie haben seine Sicht nur leise geteilt.
    Und jetzt ist es zu spät.

    Felix Moniac, 3/12/2015 4:52:02 PM Uhr
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  • Ehemaliger Militärflugplatz Mahlwinkel

    52.370675, 11.814930 | 11. Februar 2015

    Nichts los, aber davon ganz viel: mitten im Wald zwischen Mahlwinkel und Bertingen gibt es eine Straße, die so gerade, wie holprig ist. Für Autofahrer eine potentiell tödliche Mischung.
    von Felix Moniac

    Mahlwinkel, etwa 600 Mannen stark, ein Dörfchen bei Tangerhütte im Landkreis Börde.

    Hier sagen sich nicht nur Fuchs und Hase gute Nacht, auch Wildschwein und Reh feiern wohl regelmäßig gemeinschaftliche Pyjama-Partys.


    Das war allerdings nicht immer so. Einst trieb hier der hundsgemeine Russe sein Unwesen, um genau zu sein: die Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland, kurz GSSD.

    Begonnen hatte der Spuk im Jahre des Herrn 1952. Es war das Startschussjahr für den Bau des russischen Militärflugplatzes Mahlwinkel, Codename “Tschkalow”.

    Als Standort war der Wald zwischen Mahlwinkel UND Cobbel UND Bertingen UND Uetz gewählt worden.

    Hier darf heute niemand mehr rein. Schon gar nicht vom MDR!
    von Felix Moniac

    Warum der Flugplatz dann ausgerechnet (ausgerechnet!!!) Mahlwinkel heißen musste und nicht wenigstens glamourös Bertingen, simpel-schön Cobbel oder - um maximal Druckerschwärze sparen zu können (‘s gab ja nüscht, damals…) - funktional und bündig Uetz?


    - Die Antwort, liebe Genossen, weiß der Zar und der Zar ist tot (lang lebe, äh, Pu.
    ..?! - Neeeeeee.)

    Jedenfalls… Der Wald wurde auf der Fläche des Flughafens plattgemacht. Und - wie es der Zufall so will - passte da dann perfekt der Flugplatz rein. Riesenglück.

    Ab 1957 bis einige Jahre nach der Wende, 1994, um genau zu sein, konnte die GSSD hier fortan nach Herzenslust und Laune Flugzeuge abheben und landen lassen. Abheben und landen. Abheben und landen (‘s gab ja sonst nüscht, damals… ).

    Kleines retrospektivisches Amüsemang: Als Baumaterial für die Landebahn diente zunächst die Hochofenschlacke des nahegelegenen Eisenwerk Tangerhütte.
    Während eines Manövers überquerten und zerstörten Panzer diese Landebahn. Eine landewillige MIG baute in der Folge einen Crash. Daraufhin wurde die Landebahn betoniert. Aber erst dann. Da lacht der Schelm im Schreiber.

    Quod erat demonstrandum
    von Felix Moniac

    Nachdem der Flugplatz dann nach ‘94 zunächst keine Funktion mehr innehatte, war er bis heute u.
    A. zwischenzeitlich Schafweidewiese und Europas [sic] größtes pseudo-militärisches Paintball-Gelände (bis die Behörden feststellten, dass das wie alles, was Spaß macht, mal wieder verboten werden müsse, weil - naja, wegen Einsturzgefahr und so…).

    Außerdem - wie einfallslos - sollte auf dem Gelände Europas größte (schon wieder) Schweinezuchtanlage gebaut werden.
    Eine Bürgerinitiative war erfolgreich, auch diese Pläne sind vom Tisch.


    Heute gibt es auf der Landebahn eine riesige Solarzellenanlage, die die Suchmaschine mit Doppel-O auf ihren Satellitenkarten noch nicht kennt, das Computerobst mit Doppel-P indes schon.


    Und wer das ganz besondere Erleben liebt, ein Erleben, das sich in diesem Fall in Lärm, Abgas und Ungemütlichkeit zeitigt, der (oder die, wobei, hähähä, doch KEIN MÄDCHEN nicht…) kann als geneigter Militarist auf dem Flugplatzgelände Panzer fahren. Russischer Bauart, natürlich.

    Wenn das nicht mal nach Abo schreit.



    von Felix Moniac

    DIS(S)CLAIMER: Macht zwar keinen Spaß, aber: meine Güte, wer den Text falsch verstehen WILL... It's irony, stupid. Ich liebe die Russen, die Altmark, Mahlwinkel und ganz besonders lange, gerade Straßen.

    Felix Moniac, 2/11/2015 3:45:01 PM Uhr
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  • Winterlandschaft


    B188 | 21. Januar 2015


    Winterlandschaft am Rande der B188
    von Felix Moniac

    Der Winter ist endlich da.
    Während die Menschen in den Städten und Großstädten allerdings vor allem genervt sind, weil die öffentlichen Nahverkehrsmittel nicht richtig funktionieren und jeder Gang vor die Tür nach Winterjacke, Mütze, Schal und Handschuhen schreit, hat es dann doch auch wiederum seine Vorteile, in der Natur zu leben.

    Zum Beispiel als ich letzten Montagmorgen von Berlin nach Stendal gefahren bin.
    Da blickte ich aus meiner auf vierzig Grad geheizten Fahrerkabine auf eine ganz herrliche Winterlandschaft und dachte, verflixt, da muss ich doch mal anhalten.

    Und das Anhalten hat sich gelohnt, denn ich wurde mit einer Natur belohnt, die viele Menschen verzweifelt auf Postkarten suchen.

    Hier jetzt bitte auf den "Play"-Button klicken und dann weiterlesen:

    In der Stadt ein plumpes Tapptapp auf hartem Asphalt, ist auf der Winterwiese dies: an Halmen niedergeschlagene sprichwörtliche klirrende Kälte.
    von Felix Moniac


    Ein eingefrorener Zweig vor einem eingefrorenen See. Pathetik pur! So ist das eben, wenn Bilder von Emotionen gemacht werden.
    von Felix Moniac

    Diesig und eiskalt im Gegenlicht: abseits der Straße, am Rande des Waldes, wird frühes Aufstehen mit Eindrücken belohnt, die unvergesslicher sind als so manch' wohlproduzierter Fernsehfilm.
    von Felix Moniac

    Abgesehen von Bildern von Wald, Wiese und See, bescherte mir mein Abstecher noch ein ganz besonders schönes Erlebnis.

    Denn nicht nur spechteten zwei Spechte um die Wette (für das Mikro leider zu leise)
    , einen der beiden Waldkobolde konnte ich im Baum sogar sehen. Mein visueller First Contact mit einem Genossen aus der Familie der Picidae
    .

    Und obwohl ich mit Ornithologie nüscht am Hut habe
    , bin ich dann schon ziemlich happy darüber gewesen. Mein Handy hält von der hackenden Art übrigens pixelmäßig nicht ganz so viel, aber beweistechnisch muss das reichen:

    Schlicht necht, Sperr Hecht!
    von Felix Moniac

    Und was ist die Moral von diesem  kleinen deutschen Wintermärchen? Ich sage es einfach mal mit den Worten Peter Lustigs:

    von Felix Moniac

    Nun ja. Im Internet kommt natürlich immer was. Peter Lustigs Ansporn, hinauszugehen und die Welt zu erkunden, sollte heute genau andersherum verstanden werden. Es gibt nichts mehr, was wir im Fernsehen oder Internet nicht verpassen könnten.

    Aber der Winter, der ist bald wieder weg. Und statt zu jammern, wie furchtbar kalt es draußen ist oder sich auf idiotischen Demonstrationen herumzutreiben, könnte man ja auch einfach mal wieder einen schönen Wald- und Wiesenspaziergang einlegen.


    Die Altmark ist dafür goldrichtig.







    Felix Moniac, 1/21/2015 12:41:44 PM Uhr
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  • "Schlitzung"

    Wulkau | 01. Dezember 2014

    Hinter dem Nebel lag 2013 die aufgerissene Landstraße 18. Nebulös war damals auch meine Zukunft.
    von Felix Moniac

    Meine journalistische Feuertaufe fand am 13. Juni 2013 statt. An diesem Tag, auf einem Feldweg am Rande der L18 zwischen Kamern und Wulkau, habe ich das erste Mal live mit dem Übertragungswagen vom Ort des Geschehens berichtet.

    Ein Feldweg am Rand der L18 zwischen Wulkau und Kamern: Genau hier fand meine erste Live-Schalte statt - dort, wo jetzt der MDR-Dienstwagen steht, stand der Übertragungswagen. Die Straße war voll mit Sandsäcken und LKW des THW
    von Felix Moniac
    Der Ort des Geschehens, das war an diesem Tag jene kleine Landstraße im Elb-Havel-Winkel, die aufgrund des Hochwassers von Soldaten der Bundeswehr durchbrochen wurde, um dem Wasser die Möglichkeit zu geben, abzufließen.


    Das Durchbrechen der Straße wurde damals – und würde wahrscheinlich wieder – als „Schlitzen“ bezeichnet. Und während die Menschen im Elb-Havel-Winkel und überall dort, wo in diesen Tagen das Hochwasser Hab und Gut bedrohte, kilometerlange Sandsackwälle aufschichteten, schlitzte die Bundeswehr gefühlt jede Straße nördlich von Fischbeck.

    Ebenjene Landstraße 18, die Verbindung zwischen Wulkau und Kamern, war auch der Ort von dem aus Alexander Greiner live für MDR Sachsen-Anhalt Heute berichtete. Während ich allerdings auf der Wulkauer Seite stand, stand Alexander Greiner auf der Kamener. Den Sendungsausschnitt gibt es dankenswerterweise bei Youtube. Ab Sekunde 30 ist die Straße zu erkennen, die damals keine mehr war.

    Youtube-Direkt-Schlitzung:

    Elbe-Hochwasser 2013 - Straßendurchbruch bei Kamern - 13.06.13 (MDR)
    von ElbeVideoR.M. via YouTube

    Dem Wasser sollte mit dem Schlitzen die Möglichkeit gegeben werden, in die vorhandenen Polder abzufließen. Die Polder, das waren – und sind noch heute – große, eingedeichte Flächen, in die bei Bedarf, sprich: bei Hochwassergefahr, das überschüssige Wasser abfließen kann.

    Im Falle der Flut von 2013 wurde das Wasser allerdings aus der falschen Richtung, nämlich von Süden kommend, nach oben in Richtung Norden gedrückt. Die Polder hatten deshalb an den entscheidenden Stellen keine Eingänge. – Deshalb mussten die Straßen geschlitzt werden.

    Heute, im Fast-Winter 2014, war ich wieder dort. Und natürlich wusste ich bereits, dass man dort längst wieder alles in Ordnung gebracht hat. Dennoch: das Gefühl, an genau jener Stelle zu stehen, an der vor etwas mehr als einem Jahr noch das Hochwasser regierte; an jener Stelle an der damals Bundeswehr und Feuerwehr und Bürgerinnen und Bürger und wir vom MDR hin- und herwuselten – angespannt wegen des Wassers – ist irre.

    Und ebenso irre ist es, dass heute, eine so kurze Zeit später, einfach nichts mehr an das Hochwasser von 2013 erinnert. Alles aufgeräumt. Als wäre nie etwas gewesen.

    Der die L18 kreuzende Trübengraben. Heute Modell für ein idyllisches Landschaftsportrait; 2013 ein die Straße überflutendes Gewässer
    von Felix Moniac

    Dort, wo einst Dutzende Helfer des Technischen Hilfswerks und Soldaten über Stunden und Stunden eine geschäftige Hektik an den Tag legten, herrscht nun absolute Ruhe.

    Sanfte Nebelschwaden hüllen das Land in ein zartes Schweigen. Gespiegelte Bäume im Wasser lassen eher an ein
    sagenhaftes Märchen denn an "die Flut" denken
    . Der im folgenden Video vor sich hin plätschernde Trübengraben, der jetzt vielleicht dreißig Zentimeter tief ist, drückte 2013 von unten gegen die Straßen- und Fußgängerbrücke:

    Heute ein stinklangweiliges Video von einem Bachlauf. Vor gut einem Jahr stand das Wasser bis hoch zur Brücke und darüber.
    von Felix Moniac

    Was bleibt, ist die Erinnerung an diese Stelle: die L18 zwischen Wulkau und Kamern. Die Erinnerung an einen Feldweg zwischen zwei Dörfern, der für mich immer ganz besonders bleiben wird.

    Was bleibt, ist dieses komische, nicht näher zu beschreibende Gefühl, dass gänzlich unspektakuläre Orte eine Geschichte haben können, die für manche Menschen so greifbar ist als würde die Vergangenheit noch halb sichtbar über dem aktuellen Geschehen schweben.

    Das ist merkwürdig.

    Und
    irgendwie auch witzig.



    Felix Moniac, 12/1/2014 1:12:26 PM Uhr
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  • Kernkraft

    Stendal | 20. November 2014

    Wenn über die Altmark gesprochen wird, dann heißt es meist: Feld, Wald und Wiesen. Die Altmark ist ein stark ländlich geprägter Raum. Das stimmt. Aber es hätte auch ganz anders kommen können, zumindest für einen Teil.

    Ich bin auf dem Gelände des KKW Stendal gewesen. – "Hä? KK Was?" – Das ist es, was ich dachte als ich zum ersten Mal davon hörte. Die Geschichte ist, um es geradeweg zu sagen, einfach super krass! (Nebenbei: den Unterschied zwischen KKW und AKW gibt’s weiter unten.)

    Der Bau des Kernkraftwerks Stendal wurde zu Beginn der 1970er Jahre von der DDR-Führung beschlossen und sollte nach ihrem Wunsch 1980 abgeschlossen sein. Es sollte das größte Kraftwerk der DDR werden. 4000 Megawatt Leistung, um den „Energiehunger der wachsenden DDR-Wirtschaft zu stillen“ (Energiehunger, was für ein dämlicher Ausdruck). Damit wäre es sogar gesamtdeutsch betrachtet ein ganz schöner Brummer gewesen.

    Über den Abriss des Kernkraftwerks Stendal
    von Felix Moniac

    Für den Bau wurden sämtliche Register gezogen. Stendal erhielt mit „Stadtsee“ nicht nur eine ganz eigene neue Siedlung, die Wohnraum für mehrere Tausend Arbeiter bot, es wurde auch eigens eine Bahnstrecke von Stendal nach Arneburg gebaut, um die Arbeiterinnen und Arbeiter jeden Tag schnell und komfortabel transportieren zu können.

    Am künftigen Standort des Kernkraftwerks wurde ein ganzes Dorf - Niedergörne - ausradiert und dessen Bewohner in Plattenbauten vertrieben. Denn das Dorf stand genau an der Stelle, an der der beste Zugang zum Wasser der Elbe gegeben war. (Wenn sich manche fragen, warum in China immer alles so schnell geht...)

    Doch gerade weil es auf der Baustelle des KKW alles gab, was das ostdeutsche Häuslebauerherz höher schlagen ließ, wurde – gelinde gesagt – stiebitzt. Und zwar alles, was zum Bauen am Hause zuhause benötigt wurde.

    Das verzögerte den Bau enorm. Als dann 1986 Tschernobyl hochging, wuchs auch der Widerstand vieler DDR-Bürger gegen die Atomkraft.

    Alsbald kam dann die Wende und mit ihr das endgültige Aus des Baus. Heute wird nur noch abgerissen - und auch das ist bald vorbei.

    Im besten EuroNews-Sinne: "No comment"
    von Felix Moniac

    Was bleibt, ist der Unterschied zwischen den Worten „Kernkraftwerk“ und „Atomkraftwerk“: Von „Kernkraft“ sprechen die Befürworter der Energie aus der Spaltung von Atomen, „Atomkraft“ sagen ihre Gegner. - Und wer sich jetzt denkt, dass ich daher ein Befürworter sein müsse, der liegt falsch. „Kernkraftwerk Stendal“ liefert bei Google einfach mehr Ergebnisse... .

    Wer jetzt Blut geleckt hat und das Thema genauso spannend findet, wie ich, der findet auf Youtube noch eine ganz wunderbare Doku vom - ha, genau! - MDR über den Werdegang des Kernkraftwerks Stendal.

    Direkt-Koloss:

    Der Koloss von Stendal - die teuerste Baustelle der DDR [DOKU] (mdr 2o13)
    von In der Altmark zu Hause via YouTube

    Und für alle, die einfach gerne fantastisch gute Musik hören wollen und jetzt das einzige Lied hören müssen, das es in diesem Moment zu hören geben kann... hier ist es:

    Direkt-Radioaktvität:

    kraftwerk - radioaktivität
    von NobodyL0vesMe via YouTube

    Felix Moniac, 11/20/2014 7:10:48 PM Uhr
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  • Däg'lbraod

    Diesdorf | 04. November 2014

    Seit einigen Wochen gibt es nun dieses Blog.
    Heute erkläre ich seinen Namen. Um das richtig zu machen, habe ich eine kleine Reise angetreten - nach Diesdorf bei Salzwedel.

    Meine kleine Reise ist auch eine Reise zu einem kulinarischen und kulturellen Gut der Altmark.

    In Diesdorf habe ich eine ganz besondere Person getroffen, die mich im Interview über Däg’lbraod aufklärt:

    von Felix Moniac

    Und wer Däg’lbraod selbst kochen möchte, hier noch einmal das Rezept:


    von Felix Moniac

    Übrigens, wer den Däg’lbraod genießen will, der denke auch an das Wesentliche zum Schluss: Einen ordentlichen Klaren braucht’s laut Bärbel Mußmann natürlich auch, um den Altmärker Tiegelbraten zu genießen.

    Guten Appetit!
    Felix Moniac, 11/4/2014 12:46:34 PM Uhr
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  • Spott frei

    Stendal | 15. Oktober 2014

    Seit einem guten Monat bin ich nun in der Altmark, in und um Stendal, zwischen Hamburg und Berlin, am äußersten Zipfel der Zivilisation - dem Nordkap Sachsen-Anhalts, sozusagen.


    Und es stimmt: Hier gibt es nichts! Erst heute morgen, als ich träge von der alltäglichen Alltäglichkeit meines neuen “Lebens” ins Studio waberte, dachte ich, dass es wohl in jedem durch Ebola bald entvölkerten afrikanischen Staat mehr zu berichten gibt als in der Nicht-Region Altmark.

    So langweilig, dass sogar Hund und Katz' friedlich koexistieren

    Dabei hätte ich kurz nach meinem Aufbruch in die nordische Prärie bereits durch einen Tweet gewarnt sein können, ja, müssen! - Ein Tweet dessen blanker Hohn in einer scheinbar naiv gestellten Frage aufblitzte, wie der krumme Goldzahn eines der letzten altmärkischen Bewohner beim Schlabbern seiner alltäglichen Blutsuppe:


    So ist es.
    Tote Hose. In der Altmark und ihren Städten herrschen nicht Verbrechen und Unzucht, hier gibt es keine marodierenden Jugendbanden, die Beethoven hörend Obdachlose totschlagen.

    Hier gibt es maximal einen Sparkassenskandal in Millionenhöhe, dessen wahre Auswüchse noch lange nicht bekannt sind.

    Hier gibt es nur gelegentliche und kleine Wahlbetrügereien. Deswegen muss die Stadtratswahl im November auch nur einmal wiederholt werden. Alles (bl)öder Zufall.

    Hier gibt es lediglich Dinge, die für den Rest der Welt zu absurd sind. Beispiel “Schnöggersburg”:

    Komischer Name für eine komische (aber natürlich langweilige) Idee: In der Colbitz-Letzlinger Heide baut die Bundeswehr eine Stadt. So richtig mit eigenen Straßen und Kanalisation und Industriegebiet und U-Bahn-Tunnel und Hunderten Gebäuden. Kosten (angeblich): läppische 100 Millionen Euro. 100 Millionen Euro, um das gegenseitige Totschießen zu üben. Boooring!

    Es folgen: die kostenlosen Ironie-Klammern. Bitte auschneiden und nach eigenem Ermessen weiter oben einfügen: “” ; “”.

    Gemütlichkeit und Kreativität am Rande der B189 - Rüdiger Steier aus Lüderitz stapelt hier Steine nach asiatischem Vorbild

    Es gibt so viele Dinge, die erzählt werden können und müssen.
    Sicherlich, es wird neben den oben genannten Skandalen oder Ereignissen recht schwierig, mit der Nachrichtenlage in Magdeburg und Dessau mitzuhalten.

    Ein Beispiel gelungener Inklusion: Stefan Henning arbeitete jahrelang in der Lebenshilfe in Tangerhütte. Nun hat er eine Festanstellung auf dem Hof der Klug GbR in Volgfelde bekommen - auf dem ersten Arbeitsmarkt.

    Aber Magdeburg und Dessau messen sich wiederum mit Halle, Leipzig und Dresden.
    Diese mit Frankfurt, Hamburg, Berlin. Mit Madrid, London, New York und aktuell der Region Guéckédou (und ihren Folgen).

    Eine wiederentdeckte Birne, eine gelungene Inklusionsleistung, eine nicht geschlossene Schule, verrostete Kriegsmunition: ja, das wiederum sind ruhige Nachrichten. Aber glücklicherweise besteht unsere Welt nicht nur aus Mord und Totschlag.

    Und ganz nebenbei: es macht auch Spaß, von schönen Dingen zu berichten.
    Felix Moniac, 10/15/2014 11:36:36 AM Uhr
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  • Klimark

    Salzwedel | 23. September 2014

    Heute beginnt der Weltklimagipfel.
    120 Staats- und Regierungschefs haben sich in New York versammelt, um über die Zukunft unseres Planeten zu debattieren. Es ist der größte Gipfel seit 2009 in Kopenhagen. Damals hatten Umweltschützer weltweit allergrößte Hoffnungen… und wurden in jeder Hinsicht enttäuscht. Alles deutet darauf hin, dass auch 2014 keine großen Beschlüsse zu erwarten sind. Angela Merkels Abwesenheit ist dafür nur ein Indiz.

    Der großen Bühne zum Trotz, gibt es mittlerweile viele Unternehmen, die ihr Geld mit Produkten verdienen, die dabei helfen, die Umwelt zu schützen.
    Mit Umweltschutz und Nachhaltigkeit lässt sich längst viel Geld verdienen. Ein Beispiel für ein solches Unternehmen ist die scm solar GmbH und die scm energie GmbH im altmärkischen Salzwedel. Auf dem Gelände der Firma steht zum Beispiel eine Stromzapfsäule. Stefan Korneck von scm erklärt, dass sie jeder Nutzer kostenlos zum Aufladen des eigenen Stromers gebrauchen darf. Manche Forscher sind überzeugt, dass die Elektromobilität ein Schritt hin zu einer CO-freien Welt ist. Andere wiederum sagen, dass sich unser Denken über Fortbewegung ganz grundlegend verändern muss - und nicht jeder ein eigenes Auto benötigt.
     

    Wird die Nummer über der jeweiligen Steckdose per Telefon durchgegeben,
    entsperrt sich die Abdeckung und das Tanken kann beginnen.

    von Felix Moniac

    Stefan Korneck ist selbst leidenschaftlicher Elektroauto-Fahrer. Wobei der etwas behäbig klingende Ausdruck „Elektroauto“ für ein Tesla „Model S“ eigentlich nicht passt. Die Limousine ist die erste komplette Eigenentwicklung des US-amerikanischen Unternehmens Tesla Motors und entspricht in etwa einem Porsche 911. In Strom. Das gute Stück hat umgerechnet 421 PS und beschleunigt in 4,4 Sekunden von Null auf Hundert. Und ich bin ihn Probe gefahren:

    Eine ganz neue Erfahrung: über 400 Pferdestärken machen den Tesla S zu einem Motorrad mit vier Rädern. Irre (geil)!
    von Felix Moniac

    Felix Moniac, 9/23/2014 7:38:30 AM Uhr
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  • Aus Altmark neu

    Stendal | 19. September 2014

    Ich habe in Berlin gelebt, in Hamburg und Paris und bis vor kurzem war Leipzig mein Zuhause.
    Nun aber hat das Land gerufen. Und ich habe hingehört.

    Jetzt lebe ich in der Altmark, um genau zu sein: in der Hansestadt Stendal.
    Während meines Volontariats beim MDR habe ich bereits mit vielen Menschen im Norden Sachsen-Anhalts Kontakt knüpfen können. Das Hochwasser führte mich im Sommer 2013 in den Elb-Havel-Winkel. Das ist zwar nicht direkt die Altmark, zumindest aber ihr Nachbar und ebenfalls Einzugsgebiet des Regionalstudios Stendal des MDR.

    Im Schnellgang durch die Breite Straße
    von Felix Moniac


    Und dennoch: Stendal ist neu für mich.
    Was ich im Internet herausfinden kann, ist einerseits sehr interessant. Geschichtliches zum Beispiel: Während des Zweiten Weltkrieges war Stendal ein häufiges Ziel alliierter Bombenangriffe, denn Stendal lag direkt in der Einflugschneise jener Bomber, die Berlin als eigentliches Ziel hatten. Über Stendal fanden viele Luftkämpfe statt.

    Andererseits sind das aber rein historische Fakten.
    Sie sagen mir nicht, was die Menschen heute, in ihrem Alltag, bewegt. Deswegen will ich raus, in die Straßen der Städte und auf die Dörfer der Altmark, um zu verstehen, was das Leben hier ausmacht.

    Ein erster Spaziergang hat mir bereits einige schöne Eindrücke vermittelt: Die von Bomben gefrästen Lücken, sie bieten heute Raum für verwinkelte Balkone und gemütlich durcheinanderstehende Anbauten an bestehende Gründerzeithäuser.
    Hier hat sich jemand einen wunderbaren innerstädtischen Garten angelegt, dort stehen große Reihen noch größerer Sonnenblumen, die den Betrachter anzulächeln scheinen.

     In der Stendaler Innenstadt: Sonnenblumen und gemütliche Balkone

    Es ist versöhnlich, dass die Narben der Vergangenheit stets kleiner werden und irgendwann gänzlich verschwunden sein werden.

    Versöhnlich sind auch die vielen ganz kleinen schönen Momente: Die Kassiererin im Supermarkt, die über einen albernen Witz von mir lacht und mir das Gefühl gibt, hier willkommen zu sein.
    Der Blick in den Hinterhof auf ein dort eingerichtetes asiatisches Restaurant. Für einen kurzen Moment wie in Asien. Und die grundlegende Freundlichkeit der Menschen, die mir bei allen Fragen jederzeit helfen.

    Allmählich wandert der Herbst auch in die Altmark. Die ersten Kürbisse werden angeboten.


    In den kommenden Monaten werde ich über das Leben in der Altmark berichten und versuchen, auch diese kleinen, ganz wunderbaren Details des hiesigen Lebens zu erkennen und zu beschreiben.
    Im Radio, im Fernsehen und hier in diesem Blog.

    Vielleicht hat die Eine oder der Andere sogar ein Thema, das unbedingt ins Fernsehen oder ins Radio muss? Ich freue mich über viele Leserinnen und Leser, über Rückmeldung, Anregung und Kritik.

    Felix Moniac, 9/19/2014 12:43:20 PM Uhr
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