Liveblog Sachsen-Anhalt

Hallo Luther! – Das Luther-Reise-Blog von MDR SACHSEN-ANHALT

Sachsen-Anhalt ist reich! Reich an tollen Menschen, aber auch an schönen Städten und Dörfern. In etlichen hat Martin Luther, unser Reformator, irgendwann mal irgendwelche Spuren hinterlassen. An die heften wir uns in diesem Sommer. Mit dem Ü-Wagen fahren wir zu den Luther-Orten. MDR-Sachsen-Anhalt-Reporter Susanne Reh und Stephan Weidling machen dort den ultimativen Luthertest für die ganze Familie und berichten davon hier in diesem Reisetagebuch.

Sachsen-Anhalt ist reich! Reich an tollen Menschen, aber auch an schönen Städten und Dörfern. In etlichen hat Martin Luther, unser Reformator, irgendwann mal irgendwelche Spuren hinterlassen. An die heften wir uns in diesem Sommer. Mit dem Ü-Wagen fahren wir zu den Luther-Orten. MDR-Sachsen-Anhalt-Reporter Susanne Reh und Stephan Weidling machen dort den ultimativen Luthertest für die ganze Familie und berichten davon hier in diesem Reisetagebuch.

  • Luther lädt ein...

    mit dem Hörmobil auf Luthers Spuren

    Wittenberg, Wittenberg, Wittenberg. Wann immer wir von Luther sprechen, ist im selben Atemzug auch von Wittenberg die Rede. In der kleinen Stadt an der Elbe hat der berühmte Reformator gelehrt und gepredigt, seine 95 Thesen verteilt und verteidigt, geheiratet, Kinder bekommen und sicher auch einen Apfelbaum gepflanzt.

    Gewiefte Statistiker und Kenner der Geschichte könnten aber zu dem Schluss kommen, dass Luther mehr Zeit woanders verbracht hat als in Wittenberg. Denn der Mann war scheinbar rastlos. Ständig unterwegs. Mitunter sogar mehrere Monate – zum Beispiel nicht ganz freiwillig auf der Wartburg in Eisenach oder als Pilger zu Fuß nach Rom oder Worms.

    Bei Wind und Wetter, im Sommer wie im Winter. Mal zu Freunden nach Nürnberg, ein anderes Mal zu den Grafen von Mansfeld, um einen Streit zu schlichten oder zur Priesterweihe in den Dom zu Merseburg. Kein Wunder, dass wir in ganz Deutschland so genannte Lutherorte finden. Also Orte, wo der Luther mal gesprochen, gegessen oder übernachtet hat.

    Susanne Reh und Stephan Weidling schauen sich dort um, wo Martin Luther schon mal war.

    MDR SACHSEN-ANHALT macht sich in diesem Sommer auf, um genau diese Lutherorte zu entdecken. Mit dem Hörmobil, unserem kleinen rollenden Übertragungswagen, gehen Susanne Reh und Stephan Weidling auf eine akustische Entdeckungsreise durch unser Bundesland. Immer dienstags besuchen sie einen der Lutherorte im Land, begeben sich dabei auf die Spuren des Reformators, geben Tipps und Informationen, was man unbedingt gesehen haben muss und auf keinen Fall verpassen darf. Ein Luther-Urlaubs-Check so zusagen. Live im Radio bei MDR Sachsen-Anhalt, als Reiseblog im Internet mit mit fotografischen Eindrücken.

    Mit dem Hörmobil auf den Spuren Luthers

    Folgen Sie unseren beiden Reportern nach Halle, Naumburg, Mansfeld, Kemberg, Wittenberg, Eisleben, Magdeburg, Allstedt und Merseburg. Los gehts am 28. Juni in Seeburg.
    MDR SACHSEN-ANHALT, 6/27/2016 12:16:55 PM Uhr
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  • Nasser Start

    Erste Station: Seeburg am Süßen See | 28. Juni 2016
     

    Mit einem Tretboot über den Süßen See schippern, sich treiben lassen, die Sonne genießen und sich von der lieblichen Mansfelder Landschaft verzaubern lassen, so sollte mein Tag in Seeburg beginnen. Und so begann er auch, allerdings hatte ich dabei nasse Füße und einen feuchten Po.
     
    Eigentlich war ich an den „Seeterasssen“ mit einem Bootsverleiher verabredet, doch der hatte verschlafen. Sein Chef gab mir darauf hin die Erlaubnis, über den Zaun zu klettern und mir selbst ein Boot zu holen. Das Problem: Eine kurze Wegstrecke durchs Wasser war unumgänglich, also Hosen hoch krempeln und los.

    Eine Seefahrt die ist lustig, eine Seefahrt die ist schön... – wenn man trocken bleibt.
     

    Die Fahrt mit dem Tretboot, dessen nassen Sitz ich leider zu spät bemerkte, war einfach traumhaft. Nicht umsonst sprechen die Einheimischen von ihrer Mansfelder Toskana.
     
    Mittagessen – wer die Wahl hat, hat die Qual
     
    Ein Tag in Seeburg, das wurde mit schnell klar, ist ein Tag in der Natur. Im Prinzip gehen hier nur drei Dinge: Irgendetwas am oder im Wasser, Wandern oder Essen. Denn gleich sechs Restaurants buhlen um die Gunst der Kunden. Mich hat es in den idyllischen Schlosshof verschlagen. Dort betreibt Rainer Strohm das Weingut Schloss Seeburg.

     
     

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    Und siehe da, hier stoße ich auch zum ersten Mal auf Martin Luther.
    Lebensgroß klebt er als Papierfigur am Schlosstor. Am 4. Mai 1525 soll er auf Schloss Seeburg einen Schmähbrief gegen den Bauernaufstand verfasst haben. Das Schloss dürfte damals in einem besseren Zustand als heute gewesen sein. Es ächzt unter seinem Alter. Die Fassade bröckelt, die Fenster sind zerstört und das Dach hat seine besten Tage schon lange hinter sich.
     
    Der Schlosshof selbst verzückt mit charmanter Wildnis. Allerdings darf man nur auf den Schlosshof, wenn man eine der drei schnuckligen Ferienwohnungen bucht. Mein absoluter Tipp. Abgeschieden oberhalb von Seeburg hat man hier einen fantastischen Blick auf den Süßen See und die liebliche Umgebung.
     
    Wandern? - wir nehmen lieber den Schlüter
     
    Das Rösetal, oder wie der Mansfelder sagt Reeeeeese-Dal, ist für Wanderfreunde ein Muss. Wer zu faul ist – wie ich – gönnt sich eine Kremserfahrt bei Tobias Mayer. Ist es nicht zu heiß, spannt Mayer zwei Pferde vorn dran und man reist wie damals Luther. Wir tuckerten mit einem Traktor (Schlüter, Baujahr 1954) durch das von Weinbergen und Feldern gesäumte Tal. Unterwegs locken einige Straußwirtschaften, die meisten werden von Hobbywinzern geführt. Eine Anmeldung zur Weinverkostung ist daher zu empfehlen, sonst steht man – wie ich – vor verschlossener Tür.

     
     

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    Insgesamt lohnt sich Seeburg für einen Tagesausflug allemal. Wer einfach nur in schöner Natur relaxen und entspannen möchte, ist hier genau richtig.

    Hier noch ein paar mehr Eindrücke:

    Küchenchef
    Alexander Mönch serviert heute frischen Tintenfisch in der Orangerie.
    Mit dem Hörmobil sind wir Reporter an den Lutherorten zu Gast.
    Der Beweis: Luther war hier.
     
     

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    Stephan Weidling, 6/28/2016 2:46:00 PM Uhr
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  • Luther und lecker

    Naumburg | 5. Juli 2016

    Zitrone, Himbeere, Mango – Luther würde Augen machen! In dem Haus, wo er vor 495 Jahren übernachtet hat, verkaufen heute nette Italiener Eis. Zum Schlecken und nicht für den Keller, um die Vorräte kühl zu halten wie zu Luthers Zeiten.


    Das Eis am Naumburger Markt 3 ist das leckerste Eis in der ganzen Stadt – behaupten die Naumburger. Auf jeden Fall ist die Auswahl hier riesig. In der Auslage warten 23 Sorten, täglich frisch aus 64 verschiedenen Rezepturen mit Liebe zubereitet, verspricht der Mann hinter der Theke. Das Schlemmerparadies öffnet bereits morgens 9 Uhr. Eis zum Frühstück? Warum eigentlich nicht? In Naumburg auf jeden Fall.


    Logisch, dass die Kalorien wieder runter müssen. Da passt es, dass Stadtrundfahrten im quietschbunten Reisebus wie in Paris oder London in Naumburg Fehlanzeige sind. Naumburg will zu Fuß erkundet werden. Alles ist schnell, gut und einfach zu finden. In jeder Gaststätte und in jedem Hotel liegen außerdem Stadtpläne zum Mitnehmen aus.


    Die Altstadt ist zum Niederknien schön. Wer hier neu ist und 5 Euro dabei hat, bekommt von den netten Damen aus der Tourist-Information einen Audio Guide in die Hand gedrückt. Ein persönlicher, flexibler Stadtführer, der seine Leihgebühr allemal wert ist. Per Knopfdruck das Wichtigste über Naumburg, seine Geschichte und seine Sehenswürdigkeiten. Sehr praktisch und gut.

    Wer partout nicht laufen will, wartet auf die "wilde Zicke". Die historische Straßenbahn fährt alle 30 Minuten vom Hauptbahnhof Richtung Innenstadt. Mein Tipp nicht nur für Straßenbahnnostalgiker.

    Den schönsten Blick auf Naumburg hat die Wenzelskirche am Markt zu bieten. 10 Uhr öffnet der Kirchturm sein Törchen. 53 Meter darüber befindet sich die Aussichtsplattform.  Vor den grandiosen Ausblick haben die Kirchenbauer allerdings 243 Stufen gesetzt. Die zu nehmen lohnt in jedem Falle. Ob Luther auch hier oben war? Kann sein, kann nicht sein. Wenn nicht, hat er was verpasst. Aber dass er in der Wenzelskirche gepredigt hat, ist verbrieft. Und im Naumburger Dom. (Finde die kleine Figur im Dom, die daran erinnert! Ich habe sie entdeckt.) Hach, wie das hier alles Geschichte atmet!

     
     

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    Und die Landschaft erst! Nach Innenstadt mit Markt, Rathaus, Dom und Wenzelskirche bin ich zum Blütengrund aufgebrochen. Was für ein schöner, idyllischer Flecken Natur – vielleicht die romantischste Ecke Naumburgs. Hier fließen Saale und Unstrut zusammen. Hier zwitschern Vögel, zirpen Grillen, plätschern die beiden Flüsse gemächlich dahin und bieten die perfekte Kulisse für den Campingplatz im Blütengrund. Zelte, Kanus oder Räder stehen zu erschwinglichen Preisen zur Ausleihe bereit, der Blick auf die Naumburger Weinberge verführt zum Schwärmen. Traumhaft schön. Wieso war ich noch nie hier?

    Mit Kreide beschrieben lädt ein kleines Schild am Blütengrund zur Einkehr ein: "Wein schafft Freu(n)de". Wie wahr! Luther wird’s gewusst haben. Und ich weiß es seit heute auch. Die Wein-, Dom- und Saalestadt Naumburg ist eine Perle und jeden Ausflug wert. Und ich komme wieder. Gern und auf jeden Fall.


    Hier noch ein paar Eindrücke aus Naumburg:


     
     

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    Susanne Reh, 7/5/2016 11:54:56 AM Uhr
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  • Luthers Murmeln sind nicht da

    Mansfeld | 12. Juli 2016

    In Mansfeld ist mir Luther irgendwie besonders nah. Keine Ahnung, woher dieses Gefühl kommt. Aber hier stolpert man regelrecht im Minutentakt über seine Spuren. Die kleine Stadt Mansfeld bewahrt den großen Reformator, der ja hier noch ganz klein war, im Herzen. Sogar etwas Straßenpflaster aus der Zeit des jungen Luther haben die Stadtväter ins Heute hinübergerettet. Nix für High Heels, aber gut für das Gefühl, auf Zeitreise zu sein. Ich frage mich tatsächlich: Hat er hier vielleicht auch gestanden, der kleine Martin, auf diesem Pflaster? Vielleicht mit aufgeschürften Knien?
     

    13 Jahre hat er in Mansfeld gelebt. Länger an einem Ort war er später nur in Wittenberg. Hier in dieser kleinen Stadt Mansfeld hat er also Rechnen, Lesen und Schreiben gelernt, das Ave Maria und die zehn Gebote. Ob er ein guter oder schlechter Schüler war? Man weiß es nicht genau. Aber seine Schule, die gibt es tatsächlich noch. Direkt neben der Georgskirche steht das kleine Gebäude, in dem Luther die Schulbank gedrückt hat und heute die Tourist-Information untergebracht ist. Die öffnet sogar schon morgens 9 Uhr – da gibt es jede Menge Broschüren zum Mitnehmen und so manches kuriose Luthersouvenir zu kaufen. Vom Quizspiel bis zum Ausmalheft.
     
    Keine 200 Meter die Straße runter steht Luthers Elternhaus. Inzwischen nach allen Regeln des Denkmalschutzes saniert, hat es die Jahrhunderte überdauert. Drinnen beschleicht mich wieder dieses Gefühl, dem kleinen Martin Luther und seiner Zeit ganz nahe zu sein. Was Archäologen später –  also Anfang des neuen Jahrtausends – fanden, als sie Mansfelds Stadtkern quasi umgruben, zeigt nebenan ein moderner Museumsbau. Hammer!


    Links Luthers Elternhaus, rechts der Museums-Neubau
     
     

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    Sogar Luthers Abfallgrube haben sie gefunden und kleine Fischschuppen rausgefischt.
    Zu sehen in eben diesem Museum. Dazu gibt es Schmuck, Geschirr, bunte Fensterscheiben, Knochenreste - alles Beweise dafür, dass die Luthers in einigem Wohlstand gelebt haben. Leider sind Martins Murmeln, also die, mit denen er gespielt haben könnte, gerade an die Amerikaner ausgeliehen, weil die eine Ausstellung über unseren Mansfelder Jungen zeigen. Die Mansfelder Ausstellung jedenfalls ist modern gemacht und überhaupt nicht verstaubt.


    Was muss man noch gesehen haben? Den Lutherbrunnen, das Mansfelder Rathaus, die Kirche. Alles ist schnell zu erreichen. Parkplätze im Zentrum – welch ein Luxus. Platz gibt es genug. Viele Touristen sind nicht unterwegs, als ich auf Luthertour bin.

    Lutherbrunnen
    Das Mansfelder Rathaus
     
     

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    Für die gute Draufsicht auf den herrlichen und besonderen Flecken Erde bietet sich das Schloss an. Bereits am Eingang begrüßt mich Gemecker. Ziegen leben hier auf der Burgmauer. Schön getrennt nach Geschlechtern, links und rechts. Links die Männer-WG, rechts die Damen. Allerdings kein Streichelzoo. Im Innenhof des Schlosses Kinderlachen. Kinder und Jugendliche verbringen hier Ferien und Freizeiten. Hier sitzen sie dann am prasselnden Kaminfeuer oder am Lagerfeuer zwischen Ruinen und Efeu – wildromantische Ausflüge, auch Familienfeiern auf Schloss Mansfeld, die allerdings vorheriger Buchung bedürfen. Also nichts für mich als Spontantourist.

     
     

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    Mein Fazit: Wer auf Zeitreise gehen will, wird in Mansfeld auf Schritt und Tritt fündig. Ich empfehle jedoch mehr als einen Tag für einen Abstecher dorthin. Die herrliche Umgebung von Mansfeld will nämlich auch erkundet werden. Nur einen Steinwurf entfernt: Vatterode. Am Vatteröder Teich steht ein Feriendorf mit hübschen Häuschen zu fairen Preisen. Aber vorher buchen! Auch Wippra - nur 18 km entfernt - ist einen Abstecher wert. Oder Sangerhausen mit seinem Europarosarium - 25 km von Mansfeld entfernt. Der Südharz ist sehr, sehr schön. Für eingefleischte Lutherfans wie für Naturliebhaber.

    Susanne Reh, 7/12/2016 1:19:59 PM Uhr
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  • Luther kennt keine Ruhe

    Kemberg | 19. Juli 2016

    von Stephan Weidling


    Wie verschafft man sich am besten einen Überblick? Klar, von oben und deshalb führte mich mein erster Gang in Kemberg gut 200 Stufen den Stadtturm hinauf: Wendeltreppe knarzende Holzstufen, ein ziemlich niedriges Geländer, aber der Frühsport lohnt sich. Von der kleinen 4-Raum-Türmerwohnung hat man einen Super-Blick über Kemberg. Zwei Restaurants und eine Eisdiele habe ich sofort entdeckt; kulinarisch braucht sich das liebevoll sanierte Luther-Städtchen also nicht zu verstecken.


     Stadtturm und Marienkirche
    Super-Blick über Kemberg
     
     

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    Und Luther? Der war vor rund 500 Jahren auch ganz in der Nähe, denn gleich neben dem Stadtturm schließt sich die Marienkirche an. Hier hat der große Reformator nachweislich elf Mal gepredigt. Damit ist Kemberg, hinter Torgau, der Ort außerhalb von Wittenberg, den Luther am häufigsten für seine Predigten aufsuchte.


    Nur die Anfahrt von Wittenberg nach Kemberg soll Luther immer ziemlich genervt haben. Naja, „hölzerner Steinweg“ klingt ja auch nicht gerade bandscheibenfreundlich.


    Handwerk und Tradition


    Zwei Kilometer entfernt von Kemberg kuschelt sich das kleine Dörfchen Lubast in die Dübener Heide. Luther ist hier wohl ziemlich oft vorbei. Heute kann man auf seinen Spuren dem Lutherweg folgen, der einen bis nach Halle führt.


    Lutherweg durch Lubast 


    Versteckt in Lubast betreibt Töpfermeister Jürgen Schonfeld eine kleine Töpferwerkstatt. Und der Mann kennt wohl – wie Luther – keine Ruhe. Täglich hat sein „lebendiges Museum“ für Besucher geöffnet, die auch mal selbst am Töpferrad Hand anlegen können. Sonst gibt’s rustikales Bauerngeschirr und natürlich auch einen zünftigen Becher aus dem sicher auch Luther der Wein geschmeckt hätte.


    Töpferwerkstatt von Jürgen Schonfeld 
     
     

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    Übrigens direkt vor der Töpferei liegen drei gewaltige Gehwegplatten, über die Luther vor rund 500 Jahren gelaufen sein muss! Denn sie stammen vom Platz vor der Wittenberger Schlosskirche.


    Auf dem Rücken der Pferde liegt das …


    … na sie wissen schon. Was gibt es auch schöneres als den Naturpark Dübener Heide vom Pferderücken aus zu entdecken? Pferdewirt Torsten Kattner aus Rotta (Ortsteil von Kemberg) züchtet, pflegt, reitet und liebt Pferde seit fast 20 Jahren. Bei ihm kann man eine Pferdewanderung buchen. Absolut lohnenswert! Selbst Einsteiger dürfen sich trauen. Mit ihnen übt Kattner erstmal auf der Koppel, bevor es auf sandigen Wegen durch die Dübener Heide geht.


    Torsten Kattner (r.) und Pferd 
     
     

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    Wer mutig ist, darf sich mit Wallach Speedy auch in den Königssee trauen - zum gemeinsamen Baden. Was auch ohne Pferd prima klappt, bietet doch die Kemberger Umgebung mit dem Bergwitz-, Königs- und Friedrichssee herrlichen Badespaß.
    MDR SACHSEN-ANHALT, 7/19/2016 3:05:09 PM Uhr
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  • Wittenbergs berühmteste Toilette

    Wittenberg | 26. Juli 2016

    Der Startpunkt meiner Entdeckungs-Tour durch Wittenberg klingt nicht gerade einladend: die öffentliche Toilette direkt am Fuße der Schlosskirche. Doch sie ist in mehrerer Hinsicht einen Abstecher wert. Zunächst einmal ist sie die einzige betreute Toilette in Wittenberg weit und breit. Wer Sehenswürdigkeiten wie Schlosskirche, Stadtkirche, Schlossplatz oder Cranach-Höfe erkunden will, braucht Zeit und demzufolge eine leere Blase, sonst wird der Städtetrip zur Hetzpartie.


    Die Toilette der Schlosskirche 
     
     

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    Zum anderen liegen hier mehrere Gästebücher aus, deren Inhalt wohl jeden zum Schmunzeln bringen dürfte. „Auch Luther hätte es genossen!“, schreibt zum Beispiel Peter Ken aus dem englischen Worchester. Und Ernst von Bismarck lässt sich mit „Ein wunderbarer Ort der Ruhe.“ zitieren. 
     


    Aus insgesamt 69 Ländern kommen mittlerweile Gäste in die Lutherstadt Wittenberg, selbst aus Papua-Neuguinea waren vor zwei Wochen Touristen angereist. Und sie alle kommen vor allem wegen des großen Reformators: Martin Luther.


    Ein Treffen mit Martin Luther


    Ich treffe Martin Luther, der im wahren Leben Bernhard Naumann heißt, im strömenden Regen auf dem Marktplatz. Naumann ist Kirchmeister der Stadtkirche Wittenberg. Hier hat Luther um die 2000 Mal gepredigt, hier wurden auch seine Kinder getauft. Die Kirche selbst ist vor allem von innen ein echter Hingucker. Am Altarbild von Lucas Cranach verweilen manche Gäste eine gefühlte Ewigkeit.

     

    Marktplatz von Wittenberg 
    Bernhard Naumann, Kirchmeister der Stadtkirche Wittenberg
     
     

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    Bernhard Naumann kann mit Witz und Charme den Luther imitieren. Er selbst führt täglich durch die Stadtkirche. Ein Rundgang mit ihm, dürfe für viele Touristen einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Genau wie eine Führung durchs Lutherhaus, in dem übrigens die Kanzel zu sehen ist, von der aus Luther in der Stadtkirche predigte. Bei Luthers überlieferter Leibesfülle kann man sich kaum vorstellen, wie er da hinein gepasst haben soll.


    Stadtkirche Wittenberg 
    Kanzel, von der aus Luther in der Stadtkirche predigte 
     
     

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    Alles rund ums Drucken


    Ein weiterer Höhepunkt auf meiner Stadt-Tour liegt unweit des Marktplatzes. Hinter einem Gewölbeeingang eröffnet sich der Cranach-Hof. Wirtschaft, Malschule und historische Druckstube sind hier zu besichtigen. Besonders Letztere ist einen Abstecher wert. Vor knapp 500 Jahren portraitierte Lucas Cranach der Ältere in diesem Raum sehr oft Martin Luther. Heute kann man dank Andreas Metschke viel Wissenswertes über die Geschichte des Drucks erfahren und auch selbst mal Hand anlegen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem selbst gedruckten Mini-Gemälde von Katharna von Bora? Oder der Lutherrose? Andreas Metschke hat sich mit Leib und Seele dem Drucken verschrieben. Eine halbe Stunde mit der Druckerwerkstatt mit ihm – und man fühlt sich wie in einer anderen Zeit.

    Historische Druckstube auf dem Cranach-Hof  
    Andreas Metschke hat sich mit Leib und Seele dem Drucken verschrieben
     
     

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    Stephan Weidling, 7/26/2016 5:13:55 PM Uhr
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  • Schnuckeliges Kleinod zwischen großem Welterbe

    Eisleben | 2. August 2016

    Schön ist es hier und Luther würde seine Geburtsstadt heute wohl kaum wieder erkennen. Die Bürgerhäuser am Markt strahlen in hellen Farben. Alles ist irgendwie schmuck. Und gemütlich ist auch der Korbstuhl, in den ich mich gleich am Vormittag habe fallen lassen, um einen Kaffee zu schlürfen mit Blick auf das schöne alte Eisleber Rathaus. Ein Wohlfühlstädtchen ist dieses Eisleben. Ich fühle mich willkommen. Und das nicht nur, weil das in etlichen Sprachen an einer Mauer in der Innenstadt steht.


    Gut: der Martin ist also weg. Weg vom Sockel. Das ist erstmal nicht schön. „Verschleppt“ in eine Werkstatt. Einmal Ganzkörperlifting fürs Lutherjubiläum 2017. Die Restauratoren haben übernommen. Damit aber der Eisleber Markt nicht ganz lutherfrei sein muss, haben pfiffige Leute Ersatz auf den Sockel gehieft. Zwar platt wie eine Flunder, aber wetterfest: Ein denkmalgroßes Bild vom Denkmal des Reformators.


    Jetzt aber weiter. „Luther-Trip“ nennen die Eisleber den Pfad, der die Sehenswürdigkeiten der Stadt miteinander verbindet. Geburts- und Sterbehaus, die Kirchen, lauschige Plätze zum Verweilen. Überall trifft Geschichte auf Modernes. Die Museen laden ein, sich Zeit zu nehmen für die pralle Luther-Geschichte. Je nachdem wie groß die Dosis sein soll, findet hier jeder etwas für seinen Geschmack.
     
     
     

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    Wer Luther nicht nur für Herz und Hirn, sondern auch für das leibliche Wohlbefinden will, voilà! In der Lutherschenke in der – richtig: Lutherstraße! - gibt es Luthers Lieblingsspeisen. À la carte und zu vernünftigen Preisen. "Ich fresse wie ein Böhme und saufe wie ein Deutscher. Dafür sei Gott gedankt." Das soll der Martin Luther mal gesagt haben. Und so steht es auch in der hübschen Speisekarte, deren Einband aus echtem Holz ist. Darin zu finden vor allem böhmische Küche - ganz wie der Reformator sie gemocht hat. Und sitzen lässt sich’s hier prima: der Biergarten ist – schnuckelig. Und idyllisch. Direkt neben Martins Geburtshaus und mit Blick auf Luthers Taufkirche. Da wird mir ganz historisch beim Böhmischen Knödel. Dafür sei Gott gedankt. (Um den Reformator zu zitieren)

     
     

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    Mein Fazit: Es gibt wirklich viele schöne Plätze in der Lutherstadt Eisleben. Ob am Theater, am Markt oder im Schwimmbad. Aber der schönste und gleichzeitig stillste Flecken in Eisleben ist wohl das Kloster Helfta am Stadtrand.

    Ein Ort der Einkehr und Entspannung ist das und malerisch anzusehen. Kloster Helfta ist ein Zisterzienserinnenkloster. Als St. Marien im 13. Jahrhundert gebaut und heute ein Bildungsszentrum mit Gästehaus, Klosterladen und Klosterkirche. Machen Sie einen Spaziergang durch den Klosterpark, finden Sie sich durch das lebendige Labyrinth! (Schafft jeder!) Hier summen mir Bienen um die Ohren, flattern Schmetterlinge um die Nase. Lavendel, Rosen und Kräuterbüsche aller Art duften verführerisch. Ein schöner, ein sinnlicher Abschluss eines schönen Tages in der Lutherstadt Eisleben.
    Susanne Reh, 8/2/2016 1:43:34 PM Uhr
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  • Halle – Keimzelle der Reformation

    Halle | 9. August 2016
     
    Halle und Händel diese Beziehung kennt jeder. Aber Halle und Luther – da musste auch ich erst mal passen. Okay, Luthers Totenmaske liegt als Original in der Marktkirche, auch hat er dort dreimal gepredigt. Aber sonst? Wieviel Luther steckt nun in Halle?
     
    Eine Antwort auf diese Fragen bekommt man am besten auf einer kleinen Luther-Tour durch Halle. Als Ausgangspunkt bietet sich das Marktschlösschen an. Ein schmuckes, repräsentatives Bürgerhaus mitten am Marktplatz. Hier gibt’s nicht nur ein schnuckeliges Café und eine öffentliche Toilette (sehr wichtig), sondern hier versteckt sich auch die Tourist-Information der Stadt.
     
    Wer sich hinein begibt, kann nicht nur das eine oder andere Souvenir erwerben, sondern auch Luther entdecken. Die Stadt Halle hat sich nämlich etwas einfallen lassen: Ablassbriefe. Die gibt es hier zum Schnäppchenpreis von 1,95 Euro (viele Sünden werden einem da sicherlich nicht erlassen ;-)).


    Und mit diesen Ablassbriefen schließt sich auch der Kreis zu Halle.
    Hier residierte zu Luthers Zeiten Kardinal Albrecht, der Gegenspieler des großen Reformators. Albrechts florierender Ablasshandel stieß Luther zusehends sauer auf und war letztendlich ein Hauptauslöser seiner berühmten 95 Thesen. Kurz gesagt: Halle kann daher als Keimzelle der Reformation begriffen werden, denn ohne Ablass, keine Thesen und ohne Thesen wohl keine Reformation.
     
    Was hat Halle sonst noch zu bieten? Klar, jeder kennt die Hauptattraktionen: Moritzburg, Dom oder Franckesche Stiftungen. Doch es gibt auch noch ein Kleinod, was durchaus einen Besuch wert ist: der Stadtgottesacker. Ein Friedhof nach italienischem Vorbild mitten in der Stadt, der bedeutendste Renaissance-Friedhof nördlich der Alpen. Ein nachdenklicher, verwunschener Ort an dem beispielsweise Händels Eltern begraben liegen und dazu noch viele weitere „Halle-Promis“.

    Der Stadtgottesacker

    Ebenfalls einen Abstecher wert, ist die Marienbibliothek.
    Unweit der Marktkirche im Hinterhof des Pfarramtes kann man hier in die Weltgeschichte eintauchen. 36.000 Werke, die meisten noch gut erhalten, gibt es hier zu bestaunen. Anke Fiebiger, die Leiterin, führt gern durch das Magazin. Und sie hat zu fast jedem Werk eine Geschichte auf Lager. So gibt es neben 300 Jahre alten Kräuterbüchern und Gesangsheften auch die Lutherbibel zu sehen.

    Ein zwölf Zentimeter dicker Wälzer, fast ein halbes Jahrtausend alt und dann noch mit einer Widmung des Reformators höchstpersönlich.
    Spannender und eindrucksvoller kann Geschichte kaum sein.

    Stephan Weidling, 8/9/2016 2:17:13 PM Uhr
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  • Technik und Trinken in Magdeburg

    Magdeburg | 16. August 2016
     
    Wer sich auf Luthers Spuren in Magdeburg begibt, der sollte erst einmal hoch hinaus. Die Johanniskirche ist dafür einfach perfekt. Für gerade mal zwei Euro darf man rund 280 Stufen emporsteigen (Vorsicht: Es sind hornalte, buckelige Steinstufen). Oben angekommen, lohnt es sich, in aller Ruhe den Blick schweifen zu lassen. Dom, Wallonerkirche, Kloster, Alter Markt – alles liegt einem zu Füßen und all diese Gebäude hat auch schon Martin Luther zu Lebzeiten gesehen, die Johanniskirche inklusive. (Das entweihte Gotteshaus ist heute übrigens ein gut gebuchter Veranstaltungsort.)

    Blick von der Johanniskirche
     
     

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    Besonders markant sticht natürlich der Dom hervor. Hier hat Luther sicherlich dem einen oder anderen Gottesdienst gelauscht und hier steht auch noch völlig unscheinbar ein Zeitzeuge der Reformation: ein Original Tetzelkasten. Auch heute darf gerne noch die eine Münze hineingeworfen werden, das Geld kommt allerdings – im Vergleich zu Luthers Zeiten – dem Erhalt des Doms zu Gute. Der Papst sieht davon keinen Cent.

    Eintauchen in die Zeit Luthers


    Das 16. Jahrhundert gilt als Beginn der Frühen Neuzeit. Luthers Wirken passt da genau hinein, denn in dieser Zeit trat das Streben nach Wissen und Entwicklung wieder stark in den Vordergrund. Bei meinem Besuch im Magdeburger Jahrtausendturm (mitten im Elbauenpark) wird einem das sehr anschaulich näher gebracht. Die dritte der insgesamt sechs Ebenen befasst sich ausschließlich mit der Renaissance. Hier ist Luther in prominenter Gesellschaft. Kopernikus und da Vinci prägten diesen Zeit genau wie Luther.


    Der Jahrtausdenturm im Elbauenpark
     
     

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    Der Jahrtausendturm, das merke ich schnell, ist ein Museum zum Anfassen. Die Vorstufe des heutigen mechanischen Uhrwerks ist hier nicht nur zu bestaunen, sondern man kann selbst auch Hand anlegen und die Technik ausprobieren. Wer nach einer halben Stunde genug von Luther und Co. hat, der spaziert einfach eine Etage hoch oder runter, denn auch hier gibt es viele Exponate aus anderen Jahrhunderten zum Ausprobieren.


    Der Lutherschnaps


    Dass der große Reformator ein Freund des Genusses war, ist hinlänglich bekannt. Vor allem guter Wein soll es Luther angetan haben. Wer auf noch mehr Hochprozentiges steht, sollte mal einen Abstecher nach Magdeburg-Buckau machen. Hier im Abtshof darf jeder – nach vorheriger Anmeldung – den Spirituosen-Herstellern bei einem Werksrundgang über die Schulter schauen. Und natürlich auch selbst mal probieren, besser wäre aber nippen. Im neon-grün beleuchteten Absinth-Keller wird der Schnaps allerdings nicht einfach so getrunken. Nein, es wird ein regelrechtes Absinth-Ritual zelebriert.


    Abfüllstation im Magdeburger Abtshof
     
     

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    Auch wenn der Absinth erst in den 1920er Jahren erfunden wurde (Achtung: die Schweizer waren es! Wieder einmal!), so stand doch auch bereits zu Luthers Zeiten oft Hochprozentiges auf dem Tisch. Einen feinen Kräuter-Schnaps haben sie im 16. Jahrhundert auch schon hinbekommen. Und Abtshof wird 2017 auch noch einen Lutherschnapps auf den Markt bringen.

    Stephan Weidling, 8/16/2016 2:40:02 PM Uhr
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  • Liebe war das nicht

    Allstedt | 23. August 2016

    Allstedt empfängt mich mit Urlaubswetter: Strahlender Sonnenschein, Schönwetterwölkchen und Barfußtemperaturen. Dazu eine Stadt voller Postkartenmotive: das Rathaus mit dem Giebel, der wie eine Treppe aufsteigt, die Stadtmühle mit historischem Wasserrad, die St. Johanneskirche, versteckt
    zwischen hohen Bäumen, mittendrin ein Stadtsee mit Blick auf die Burg.
    Schön ist es in Allstedt.

    Luther und das Ei
     
     

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    Nach Luther muss ich nicht lange suchen. Er lächelt mich von einer Hauswand an. Mit einem Ei in der Hand. Warum – kann mir keiner erklären. Es ist die Fassade der Allstedter Stadtbrauerei. Dort hat ein Kunstmaler die Hauswand mit Bildern und deftigen Sprüchen bepinselt. Und irgendwie werde ich den Eindruck nicht los: Luther, der Theologe Müntzer und Allstedt, das war nicht so die ganz große Liebe. Denn da steht: "Martin Luther ist das geistlos sanftlebende Fleisch zu Wittenberg", soll Müntzer so gesagt haben. Und Luther hat entgegnet: "Thomas Müntzer ist der Satan von Allstedt". Also, Respekt klingt irgendwie anders. Aber die beiden großen der Geschichte sollen sich im wahren Leben ja ohnehin nie begegnet sein.



    Burg Allstedt
     
     

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    Dafür war ein anderer Luther in Allstedt. Ein Filmluther. Devid Striesow und Karoline Schuch spielen die Hauptrollen in dem Film "Katharina Luther", der vor wenigen Wochen auf der Burg in Allstedt gedreht wurde und der beim Filmmittwoch im Ersten im Lutherjahr 2017 gezeigt werden soll. Die Burganlage eignet sich bestens als Filmkulisse. Mit Vorburg, Kernburg, Innenhof und der alten Burgküche. In der befindet sich der größte mittelalterliche Kaminschlot Europas. Ganze 19 Meter hoch. Da muss ich den Kopf schon ziemlich in den Nacken legen. In der Schlosskapelle hat Müntzer übrigens seine berühmte Predigt an die Fürsten gehalten. Ein bedeutender Moment in der Reformationsgeschichte – hier in Allstedt passiert.

    Die Wigpertikirche als verwunschener "Allstedter Dom"

    Wer will, kann den ganzen Tag auf Burg Allstedt verbringen. Ausstellungen gibt es über Müntzer, Goethe und die Baugeschichte. Kinder können in Kostüme schlüpfen und Märchenprojekte erleben oder einfach Kindergeburtstag feiern. Nicht zu vergessen, die Berliner Ritter, die die Vorburg bevölkern und manchmal im Kräutergarten Unkraut zupfen. Nur leider heute nicht.


    Die Wigpertikirche

    Egal, gibt ja noch mehr zu sehen in Allstedt. Die Wigpertikirche, oder wie die Einheimischen die Ruine nennen "Allstedter Dom". Ein bisschen verwunschen und verlassen sieht der Ort ja schon aus. Nur ein kleines Huhn aus Ton grüßt aus einem der Fenster.

    Wer pralles Leben sucht, der ist im Allstedter Ortsteil Othal richtig. Hier gibt es den Jugend- und Schulbauernhof. Bis zu 50 Kinder können hier Ferien, Klassenfahrten oder einen bunten Tag verbringen. Es gibt Schweine, Ziegen, Enten, Pferde. Einen Park mit Spielplatz, Teich und Spielscheune.

    Jugendbauernhof Othal
     
     

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    Allstedt hat also etwas für jeden Geschmack und jedes Alter zu bieten. Nur mobil muss man sein. Einen Bahnhof gibt es in Allstedt nicht und der öffentliche Busverkehr spielt sich auch nur bis zum frühen Nachmittag ab – in Form von Rufbussen. Also bequeme Wanderschuhe oder das Rad mitbringen.

    Susanne Reh, 8/23/2016 12:49:36 PM Uhr
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  • Markttag mit Luther

    Merseburg | 30. August 2016

    Merseburg empfängt mich mit strahlendem Sonnenschein und vielen Einbahnstraßen. Zu viele für meinen Geschmack, zumindest wenn man ortsfremd ist. Trotzdem finde ich schnell den Entenplan. Ein zentraler Platz mit schönem Brunnen im Zentrum der Saalestadt. Idealer Ausgangspunkt für meine letzte Luther-Entdeckungsreise.

    Es  ist ein Ort, wo sich Geschichte, Gegenwart und Kunst verbinden, wo es nette Leute gibt, viele Spatzen und Wasser, zum Abkühlen. Denn am Entenplan gibt es einen Brunnen. Der Bildhauer Bernd Göbel hat den Brunnen entworfen, der den Namen "Zwei Welten" trägt, bei den Merseburgern aber einfach Göbel-Brunnen heißt.

     
     

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    Der Brunnen besteht aus zwei Säulen, die an verschiedenen Stellen Wasser spritzen. Normalerweise. Nur nicht an Markttagen. Das ständige Plätschern sei nichts für die Blase, erklärt mir eine der Marktfrauen schmunzelnd. Trotzdem schön der Brunnen. Auch ohne Wasser. Er besteht aus zwei Säulen, die oben mit einander verbunden sind und eine Art Brücke bilden, durch die man durchlaufen kann.

    Dank einer netten Merseburgerin finde ich dort auch die erste Lutherspur. Am Göbel-Brunnen gibt es nämlich Figuren, Zeichnungen und Texte, die Merseburger Geschichte erzählen und voila: Da ist er, der Kopf vom Luther und das Datum seines Aufenthalts.

    Und der Anlass war ein sehr schöner: Im August 1545 kam er nach Merseburg, bestimmt ein schöner Sommertag, hat gewohnt im Pfarrhaus der Stadtkirche. Dann hat er im Merseburger Dom Fürst Georg von Anhalt geweiht. Einen Tag später hat er einen Theologen mit seiner Haushälterin verheiratet. Ein schönes Happy End im Dom zu Merseburg.

    Der Dom ist also die nächste Station für heute. Schon beim Einparken werde ich von zwei Damen mit Handschlag begrüßt. Die Pressesprecherin der Stadt hat Radio gehört und wollte mir nur fix einen schönen Tag wünschen. Das ist mir auch noch nicht passiert. Da fühlt man sich gleich noch mehr willkommen.

     
     

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    Der Dom raubt mir fast den Atem.
    Was für eine Kulisse. Voller Ehrfurcht stehe ich im Innenhof von Schloss und Dom und komme mir vor 1.000 Jahren Geschichte ganz klein vor. Domführerin Beate Tippelt zeigt mir stolz die Lutherkanzel. Drei Mal hat der Reformator dort gepredigt. Fotografieren darf ich die Kanzel leider nicht. Dafür gibt die Organistin ein exklusives Konzert fürs Radio. Gänsehaut pur, als die Ladegastorgel erklingt. Ich muss unbedingt zu den Orgeltagen im September wiederkommen.


    Die Kathedrale ist zu Recht das Herz und die Seele Merseburgs. Ein beeindruckendes Baudenkmal von europäischer Bedeutung. Die Domführer freuen sich auf große und kleine Besucher. Haben Spiele für Kinder vorbereitet und sogar eine akustische Führung für Kinder parat. Sogar Bilderbücher und Comics über Luther stehen im Museumsshop. Die Toilette am Dom ist immer offen und kostet keinen Cent. Ich bin erleichtert und kann noch einen Spaziergang zur Saale einschieben. Schön wohnen kann man also auch noch in Merseburg - mit Blick auf den Fluss.

    Bevor die Mittagshitze mich erschlägt, tauche ich ab. Ich habe gehört, unter der Stadt gibt es ausgedehnte Gewölbekeller - die tiefen Keller von Merseburg. Der Ursprung dieses unterirdischen Gewölbesystems geht bis in das 13. Jahrhundert zurück. Holger Leidel, der Vorsitzende des Merseburger Kunstvereins, nimmt mich die sieben Meter in den Keller mit hinab und erklärt mir, dass hier einst Bier gelagert wurde. Mehr als 500 bierbrauberechtigte Familien soll es einst in Merseburg gegeben haben, erzählt er mir. Jede hatte einen Keller. Einige sind miteinander verbunden, 300 Meter Fußweg unter der Stadt. Etwa eine Stunde dauert die Führung, vorbei an Kunstwerken, Brunnen, mit allerlei spannenden Sagen und Episoden aus der Stadtgeschichte. Eine willkommene Abwechslung bei angenehmen zehn Grad. Wie ein großer unterirdischer Kühlschrank. Regelmäßig gibt es öffentliche Führungen. Immer samstags 14.30 Uhr. Aber auch individuelle Führungen sind nach Absprache möglich. Große Besuchergruppen sollten sich anmelden. Merseburg hat also jede Menge zu bieten oberhalb und unterhalb der Erde. Alles an einem Tag zu schaffen, schwer vorstellbar.


     
     

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    Susanne Reh, 8/30/2016 1:59:38 PM Uhr
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