Liveblog Sachsen-Anhalt

Liebe(s) Grüße aus Moskau

Seit Kurzem lebt unsere Kollegin Kerstin Palzer in der Moskauer Innenstadt. Hier schildert sie ihre Erlebnisse in der russischen Hauptstadt. Nicht die große Politik, eher die ganz persönlichen Erfahrungen. Alltag eben.

Russland-Reise

Seit Kurzem lebt unsere Kollegin Kerstin Palzer in der Moskauer Innenstadt. Hier schildert sie ihre Erlebnisse in der russischen Hauptstadt. Nicht die große Politik, eher die ganz persönlichen Erfahrungen. Alltag eben.

  • Liebe(s) Grüße aus Moskau

    27. Januar 2015

    Januar 2015 in Moskau. Es geht den Menschen um den fallenden Rubel und dass dadurch alles teurer wird für sie. In dieser Stadt bekommt man alles, teilweise jedoch für horrendes Geld. Ein Schälchen Erdbeeren im Supermarkt nebenan für umgerechnet mehr als 20 Euro. Aber jetzt sprechen die Moskauer noch viel erregter über die Ausladung, oder besser: die Nicht-Einladung.

    Putin fehlt bei Gedenkfeier

    Darum geht es: In Polen wird der 70.
    Jahrestag der Befreieung des KZ Auschwitz begangen und der russische Präsident ist nicht dabei. Zweitrangig vertreten wird Putin durch den Chef der Kreml-Präsidialverwaltung, Sergei Iwanow.
    Ich habe in der Schule gelernt, dass das KZ Auschwitz von der sowjetischen Armee befreit wurde. Dass Soldaten der Roten Armee die wenigen Menschen aufgefunden hatten, die der Vernichtung durch dieses Lagers irgendwie entkommen waren. Jetzt höre ich, dass der polnische Außenminister Grzegorz Schetyna gesagt habe, dass das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 von Ukrainern befreit worden sei. 

    Tatsachen der Geschichte

    Hat sich plötzlich an der Geschichte etwas geändert? Nein, natürlich nicht! Hintergrund dieser "irreführenden Interpretation" des polnischen Politikers, ist folgendes: Die Soldaten, die damals das Lagertor des KZ öffneten, gehörten der 59. und 60. sowjetischen Armee an. Gemeinsam und unter dem Namen, 1. Ukrainische Front rückten sie im Januar vor 70 Jahren auf das Gelände von Auschwitz vor. Der Name entstand daher, weil die Ukrainische Front ihr ursprüngliches Einsatzgebiet in der der Ukraine hatte. Die Soldaten waren nicht nur Ukrainer, auch, aber nicht nur. In dieser Armee waren nach Aussage von Russlands UN-Botschafter Witali Tschurkin mehr als 100 ethnische Gruppen der Sowjetunion vertreten. Menschen aus Georgien und Kasachstan, aus Weißrussland, aus Russland und aus der Ukraine haben Auschwitz befreit.

    Wenn man zur Zeit mit Russen über dieses Thema spricht, bleiben wenige gelassen. Das regt die Menschen auf, das bewegt sie. Und das ist für die Menschen, mit denen ich hier spreche, mehr als ein politischen Ränkespiel. Die Russen schütteln den Kopf, verständnislos und auch wütend. Dass am 27. Januar 1945 Soldaten der sowjetischen Armee das Lagertor von Auschwitz öffneten, das ist ihnen wichtig. Und jetzt haben sie den Eindruck, Polen oder sogar der Westen, will heute Russland sogar die Befreiung des Vernichtungslagers von Auschwitz aberkennen.

    Viele Russen verstehen Putin

    Dass Wladimir Putin sich auch einfach souverän über diese historischen Verdrehungen hätte hinwegsetzen können und trotzdem nach Auschwitz fahren können, sehen hier nur wenige so.
    Es entsteht ein seltsames Gefühl von Trotz bei den Menschen in Moskau. Putin hat heute von einer unmoralischen Geschichts-Klitterung gesprochen. Damit spricht der russische Präsident - mal wieder - den allermeisten Russen aus dem Herzen.

    Den Dialog zwischen den Menschen hier und uns, den Menschen aus "dem Westen", macht sowas ganz bestimmt nicht einfacher. Und so wirkt 1945 auf meinen Alltag hier in Moskau im Januar 2015.
    Kerstin Palzer, 2/3/2015 7:41:42 AM Uhr
    Kommentar schreiben ()
  • Rote Beete als Lippenstift

    4. Februar 2015

    Einkaufen in Moskau ist schwieriger geworden.
    Und die Moskauer freuen sich darüber natürlich nicht. Einige geben es sogar zu, wenn ich, die Frau aus Deutschland, sie danach frage.

    Teure Lebensmittel


    Tanja arbeitet als Köchin. "Noch vor Weihnachten gab es richtigen Käse, und jetzt nur noch das da!", schimpft sie und fordert mich auf, das russische Produkt zu probieren.

    Richtig aufregen kann sie sich darüber, dass auf der Verpackung ein Kuhkopf abgebildet ist, denn nach ihrer Einschätzung ist da gar keine Kuhmilch mehr drin. "Dieser Käse schmeckt nicht und schimmelt nach drei Tagen", regt sich Tanja auf.

    Etwa 15 Prozent teurer sind die Lebensmittel seit Anfang des Jahres in Moskau geworden. In anderen Regionen Russlands soll es noch deutlich schlimmer sein.

    Köchin Tanja ist unzufrieden mit der schlechten Lebensmittelqualität.
    von Kerstin Palzer

    Viele Moskauer können sich nur noch russische Lebensmittel leisten, Ware aus dem Westen ist durch den schwachen Rubel zu teuer geworden.

    Weil aber westliche Waren für die Menschen in Russland attraktiv zu sein scheinen, tun etliche Produkte so, als kämen sie zum Beispiel aus Deutschland oder Holland. Dann steht da in lateinischer Schrift "GOUDA" auf einer bunten Packung. Wer genau hinguckt, entdeckt den winzigen Schriftzug, dass der Käse ein Produkt der Russischen Föderation ist.

    Weniger essen, weniger Strom verbrauchen


    "Die Kartoffeln sind in Ordnung, aber Fleisch oder die Butter ist von mieser Qualität", ärgert sich Tanja. Und sie vermisst auch die polnischen Äpfel. "Die waren gut und günstig und mussten nicht vom anderen Ende der Welt hier her gebracht werden", sagt sie. Jetzt, Anfang Februar 2015 kaufe ich in den Moskauer Supermärkten Äpfel aus Venezuela und Marokko. Und die können sich etliche Menschen nicht mehr leisten.

    Unbeliebter Käse
    von Kerstin Palzer

    Mittlerweile gibt auch die Politik ihren Rat zur schwieriger werdenden Versorgung in Russland. "Wir müssen weniger essen und weniger Strom verbrauchen", meint zum Beispiel Vize-Ministerpräsident Igor Schuwalow.

    Baumwollschlüpfer für alle

    Und besonders "kreativ" finde ich folgenden Vorschlag des Abgeordneten Igor Tschernischijew: Er findet, die russischen Frauen sollten doch einfach Rote Beete als Lippenstift verwenden. "Das ist natürlich und es dringen keine chemischen Stoffe in den Körper ein", meinte der Herr und hat noch weitere tolle Tipps: "Unsere Frauen sind in Unterwäsche, die in Moskau produziert wurde, hübscher als in der aus Frankreich", findet der Politiker.

    Tatsächlich erzählt mir eine Moskauerin unter Kichern, dass die russische Politik sie quasi zwingen wolle, Baumwollschlüpfer zu tragen - importierte Unterhosen aus Synthetik-Spitze wurden bereits gesetzlich verboten, offiziell aus Hygienegründen.

    Ich hatte nicht das Gefühl, dass sich die attraktive und ausgesprochen schick gekleidete Dame davon beeindrucken ließe... ;-)

    Brot und Wodka!


    Tanja macht das Beste aus der Situation und kocht jetzt öfter ohne Fleisch. Ihr Borschtsch ist auch so eine Delikatesse! Aber immer öfter bekommt sie beim Einkaufen schlechte Laune. Vielleicht ist Tanja nicht repräsentativ für die Mehrheit der Russen. Die scheinen nämlich ganz geduldig hinzunehmen, dass der Gang zum Supermarkt von Woche zu Woche teurer wird. "Solange zwei Dinge erschwinglich sind", sagt mir ein russischer Journalist, "bleiben die Russen gelassen: Brot und Wodka!"

    Seit dem 1. Februar 2015 darf ein halber Liter Wodka nicht mehr als 185 Rubel (etwa 2,60 Euro) kosten, ordneten die Behörden in Moskau an. Bis vor kurzem waren es noch 220 Rubel.

    Na dann, за здоровье!

     Kochen ohne Fleisch
    von Kerstin Palzer
    Kerstin Palzer, 2/4/2015 2:28:15 PM Uhr
    Kommentar schreiben ()
  • Erste Lektion in russischen Umgangsformen

    11. Februar 2015 

    Folgende Situation spielte sich letztens hier bei uns in Moskau ab: Ein russischer Kollege meines Mannes wurde uns vorgestellt.
    Der junge Mann kam freundlich lächelnd zu uns, ging dann allerdings an mir vorbei und auf meinen Mann zu, dem er die Hand gab. "Uups", dachte ich, eine ungewöhnliche "Begrüßungsreihenfolge". Danach begrüßte der russische Mann meinen Sohn, ebenfalls mit Handschlag, und ich tröstete mich mit typisch russischem, kinderfreundlichem Verhalten. Aber dann ging der Russe weg. Ich stand da, unbegrüßt. Und irritiert.

    Hilfe von meiner Russisch-Lehrererin

    Bin ich es nicht wert, dass man(n) mir die Hand gibt? Ich frage Swetlana, meine Russisch-Lehrerin. Die fängt herzlich an zu lachen. "Oh nein, das würde sich ja auch nicht gehören, dass ein Mann dir die Hand gibt! Das wäre für uns Russen nicht sehr gut erzogen!" Ich verstehe gar nichts mehr.

    Gebildet, selbstbewusst und emanzipiert: Meine Russisch-Lehrerin Swetlana.

    Swetlana erklärt: "Bei uns hier in Russland ist die Frau etwas Besonderes. Frauen sind besonders schön und müssen besonders geachtet werden. Einem so wunderbaren Wesen wie einer Frau schüttelt man doch nicht grob die Hand! Was ist denn das für eine Geste!" sagt sie und ist geradezu empört. "Hier bei uns würde ein Mann niemals vor einer Frau durch eine Tür gehen, ein Mann trägt einer Frau die Taschen und schenkt ihr Konfekt und Blumen. "Früher", kommt Swetlana ins Schwärmen, "da haben die Männer uns Frauen sogar die Hand geküsst. Das ist eine edle Geste, so sollte ein Mann eine Frau begrüßen! Aber das ist durch die Sowjet-Zeit in Vergessenheit geraten. Leider!" seufzt sie.

    Überall Blumenläden in Moskau

    Eine russische Bekannte erklärt mir, dass sie als Russin mindestens zehnmal so oft Blumen bekommt, wie ich, die benachteiligte Westeuropäerin. Blumenläden gibt es in Moskau an fast jeder Ecke, sehr oft auch in den Tunneln zur METRO. Blumen sind teurer als bei uns in Deutschland und bei der Kälte jetzt im russischen Winter nur schwer schadlos nach Hause zu bekommen, aber das scheint die russischen Männer nicht abzuhalten.

    "Wir Frauen dürfen viel und laut reden und wir dürfen auch eine Szene machen... wenn es passt... und es passt uns ziemlich oft!" lacht meine großartige Russisch-Lehrerin, eine gebildete, selbstbewusste und auf mich durchaus emanzipiert wirkende Moskauerin Ende 40.


    "Das sollte ein Mann niemals tun. Männer müssen viel disziplinierter sein. Schon die kleinen Jungs im Kindergarten oder in der Schule werden strenger erzogen als die Mädchen. Mädchen sind wie kleine Prinzessinen, weißt du? Und wir Frauen, wir sind ein wenig wie eine Königin, der würdest du doch auch nicht die Hand s-c-h-ü-t-t-e-l-n!" sagt Swetlana und spricht dieses Wort jetzt wirklich mit Schaudern aus.

    "Ähm", wage ich einzuwenden, "ich habe durchaus schon russische Männer erlebt, die ziemlich unbeteiligt neben ihren schwer bepackten Frauen gingen, in der Metro habe ich schon so manche Tür fast vor den Kopf geknallt bekommen, obwohl vor mir ein russischer Mann ging und immerhin hat mir auch schon bei einem Termin ein Russe - ohne mit der Wimper zu zucken! - die Hand gegeben."

    "Nun", antwortet Swetlana, "wenn du im Business bist, dann kann es anders sein. Zumindest in internationalen Firmen. Und", ergänzt sie grinsend, "bei der Arbeit bist du ja nicht wirklich eine Frau, dann bist du Kollegin und damit quasi Neutrum. Dann können sich Männer und Frauen die Hand geben. Aber privat, nein, auf keinen Fall! Nur wenn ihr Ausländer uns dazu zwingt!" Und dabei lacht sie mich sehr herzlich an (...oder aus?).

    Männer stehen in der Metro

    "Aber was das sonstige Verhalten der Männer angeht", erklärt mir Swetlana sorgenvoll, "das ist der Verfall der Sitten hier bei uns. Gelernt haben unsere Männer es anders!" Und tatsächlich fällt mir auf, dass man in der Moskauer U-Bahn selten einen Mann sitzen sieht, zumindest nicht, wenn alle Plätze besetzt sind und Frauen stehen müssen. Und wirklich habe ich es gestern erlebt, dass ein Mann Mitte 30 zu Beginn einer der riesigen METRO-Rolltreppen einer Frau vor ihm nahezu wortlos eine offensichtlich schwere Einkaufstasche abgenommen hat, die dann den ganzen Weg bis oben getragen hat und sie ihr dann wieder gegeben hat. So eine Szene wäre in Deutschland wohl eher ein Grund für einen akuten Diebstahlsverdacht als für ein besonders ritterliches männliches Verhalten!  :-)


    Auch deutsche Männer machen Fehler

    Ich spreche mit einem deutschen Geschäftsmann hier in Moskau über die unterschiedlichen Sitten und Gebräuche in Deutschland und in Russland und erzähle auch von meiner Verblüffung, als ich - aus meiner Sicht - von dem russischen Mann nicht begrüßt wurde. "Das gibt es auch andersrum", erwidert er. "Als ich meine russischen Kollegen und Kolleginnen kennenlernte, bin ich natürlich zu jedem und auch zu jeder und habe sie ordentlich deutsch - also mit Handschlag - begrüßt. So habe ich es auch bei unseren Nachbarn gemacht. Später, als wir uns besser kannten, hat mir dann ein Kollege erzählt, dass das die Russinen ziemlich unerzogen fanden. Kommt so ein Deutscher daher und fasst ihre Hand so grob an... naja, ich hatte Glück, sie nahmen's mir nicht wirklich übel, weil ich ja Ausländer bin."

    Russische Frauen sind hervorragend ausgebildet und arbeiten hart. Aber sie haben sich deutlich weniger an die "Männer-Welt" angepasst. Sie kleiden sich betont weiblich und schlüpfen nicht in die androgynen Hosenanzüge deutscher Karrierefrauen. Sie erwarten, dass man(n) ihnen die Tür aufhält, oder in den Mantel hilft. Russische Männer dagegen machen Komplimente wie nichts Gutes. Und: sie zahlen im Restaurant. Immer. Alles andere ist undenkbar.

    Lerne:

    1. Händeschütteln ist in Russland reine Männersache.
    2. Frauen arbeiten, führen den Haushalt und dürfen ansonsten Prinzessin sein.

    Also nach Job, Einkaufen, Metrogedränge, Schneematsch-Überwinden, Kochen und Putzen, Krone zurechtrücken und genießen! :-)
    Kerstin Palzer, 2/11/2015 8:08:48 AM Uhr
    Kommentar schreiben ()
  • Banja... schwitzen wie in der Sauna. Nur krasser!

    24. Februar 2015

    Vor ein paar Tagen war ich in einer echten russsichen Sauna, also in einer Banja.
    Wer glaubt, er sei ein erprobter Sauna-Gänger, den nichts mehr an Hitze erschüttern könne, sollte unbedingt eine Banja ausprobieren. Deutlich über 100 Grad Celsius... das ist schon ein Erlebnis! Die Russen lächeln milde über die Finnen mit ihren "warmen Hütten".

    In einer Banja hüllt man sich am besten in ein großes Baumwoll-Tuch und setzt einen Banja-Hut auf. Der ist aus Filz, sieht einigermaßen lächerlich aus, nutzt aber viel, denn er schützt den Kopf vor der großen Hitze. Die Banja, die ich besucht habe, liegt in der Moskauer City, in Kreml-Nähe. Angeblich wird hier nicht nur geschwitzt, sondern hier werden auch Politik und Geschäfte gemacht.

    Banja macht gute Laune!



    Das Interieur ist gediegen, der eigentliche Schwitzort ist zweistöckig und wenn der traditionelle Holzofen im unteren Teil so richtig angeheizt wird, sollte  man sich im oberen Bereich flach auf den Boden legen, eingehüllt in das Laken, damit die Hitze nicht direkt auf die Haut kommt. Ich habe noch nie eine solche Hitze erlebt und habe mir ernsthaft Sorgen gemacht, was die Eiweißverbindungen in meinem Körper zu diesen Temperaturen sagen.

    Nach 10 Minuten raus

    Nach etwa zehn Minuten war ich die vorletzte, die die Banja verließ, allerdings eher kriechend, denn wer aufsteht, den erschlägt die Hitze noch mal mehr. (Physik lässt grüßen! :-))

    Danach muss man sich auf eine Liege in einem Vorraum der Banja legen und wird abwechselnd mit lauwarmem und eiskaltem Wasser aus großen Holzkübeln übergossen.
    Das machen Swetlana - auf dem Foto links - und ihre Kollegin. Von ihnen sollte man sich etwas später auch noch mit Birken- oder Eichenzweigen "abklopfen" lassen. Das Schlagen mit den jetzt im Winter getrockneten Zweigen hat Swetlana soll "die Durchblutung" anregen. Die Prozedur ist allerdings kein weichgespülter europäischer Wellness-Muschebubu, sondern da wird schon ordentlich zugelangt!

    Banja ist wirklich wichtig!

    Ein Banja-Besuch ist etwas sehr Wichtiges in der russischen Gesellschaft. In der Banja trifft man sich, hier verbringt man etliche Stunden. Es wird Tee serviert und in vielen Banjas ist gleich nebenan auch ein Restaurant. Dort sitzt man dann zwischen den Sauna-Aufgüssen - die durch lautstarkes und energisches Rufen angekündigt werden - und isst und trinkt. Übrigens meistens traditionell russische Speisen, wie Blinis (Eierpfannkuchen) mit Kaviar oder Borschtsch (Rote Beete-Eintopf).

    Übrigens gibt es in der Banja eine Männer und eine Frauen-Welt. Undenkbar, dass Männer und Frauen gemeinsam in die Banja gehen! Geschäftsleute treffen sich hier und besprechen die nächsten Deals. Im Banja-Restaurants laufen die Nachrichten-Kanäle des russischen Fernsehens und da sitzt man dann also im Bademantel, mit nassen Haaren und geröteter Haut und diskutiert über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens, von der Krim, über die EU-Sanktionen bis zu den Fortschritten der Kinder in der Schule. Das ganz normale Leben.

    Nackheit schafft Nähe, das gemeinsame Schwitzen verbindet Menschen und das wird seit jeher in Russland kultiviert. Angeblich wird in der Banja auch Wodka getrunken. Das habe ich nicht erlebt. Vielleicht machen das nur die Männer... Ich jedenfalls kann mir absolut nicht vorstellen, wie Menschen bei dieser marzialischen Hitze noch Alkohol trinken können!

    Am Ende, nach gut vier oder fünf Stunden in der Banja, wird man verabschiedet "С лёгким паром!“ (Herzlichen Glückwunsch zur Banja! Wobei „S ljogkim parom!“ genau genommen „Mit leichtem Dampf!“ bedeutet). Diese für uns sehr ungewöhnliche Gratulationsformel nach der Sauna kennt jeder Russe. Es bedeutet auch, dass man nach der Banja irgendwie beschwingt ist, dass das Leben danach besser und befreiter weitergeht.

    Das können viele Menschen in Russland gut gebrauchen.


    Kerstin Palzer, 2/24/2015 12:22:46 PM Uhr
    Kommentar schreiben ()
Gesponsert von ScribbleLive Content Marketing Software Platform

MDR SACHSEN-ANHALT bei Twitter