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Veto! - Das Politikblog von MDR SACHSEN-ANHALT

Hier bloggen die Politik-Redakteure von MDR SACHSEN-ANHALT. Meinungsstark, witzig, hintergründig - immer als persönliche Stellungnahme - so soll dieses Blog sein. Wir wollen hier spannende Geschichten erzählen und dabei einen Blick hinter die Kulissen der Politik in Sachsen-Anhalt werfen.

  • Magdeburg am 17.01.2015 - Aufstand der Anständigen dringend erwünscht

    Von Jana Merkel | 11. Januar 2015

    Der 16. Januar hat sich in Magdeburgs Geschichte eingebrannt. Der Tag der Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg. Ein Tag, der Opfer zu gedenken, die der Krieg und der Nationalsozialismus gefordert haben. Aber alljährlich auch ein Tag, den Rechtsextreme missbrauchen, um durch die Landeshauptstadt zu ziehen. Es ist eine traurige Tradition, dass am Wochenende vor oder nach dem 16.01. alljährlich Neonazis anreisen und einen so genannten Trauermarsch veranstalten. Und es ist gut, dass Magdeburgerinnen und Magdeburger dagegen aufbegehren und zeigen: Für Nazis ist hier kein Platz. Im vergangenen Jahr kamen rund 10.000 Menschen zur Meile der Demokratie, um ein Zeichen für ein friedliches Miteinander zu setzen.

    Meile der Demokratie 2014 

    Nun steht der 16. Januar wieder kurz bevor. Doch etwas ist anders als in den vergangenen Jahren: Es gibt noch keine Anmeldung für eine Demonstration oder Kundgebung aus der rechtsextremen Szene. Warum das so ist, darüber kann ich nur spekulieren. Vielleicht hat der Anmelder der letzten Jahre, Andy Knape, gerade anderes zu tun. Seinen Job in der NPD-Fraktion im sächsischen Landtag hat er ja verloren. Weil die Sachsen die NPD abgewählt haben. Raus aus dem Landtag.

    Allerdings können noch bis 48 Stunden vorher Demos angemeldet werden. Es ist also offen, ob der Nazi-Aufmarsch stattfindet. Unabhängig davon wird es die Meile der Demokratie am Samstag, dem 17.01.2015, trotzdem geben. Ein buntes Fest der Toleranz und Mitmenschlichkeit. Und egal, ob die Nazis durch Magdeburg marschieren oder nicht, ein solches Fest wird dringend gebraucht.

    Die "Pegida" in Dresden mobilisierte letzte Woche rund 18.000 Menschen. Sie wollen das Abendland retten, schimpfen auf die „Lügenpresse“ und halten die Asylpolitik Deutschlands für verfehlt. 18.000 Rentner, Arbeiter, Arbeitslose, Familienväter, Mütter, Neonazis, AfD-Wähler, Enttäuschte, Gefrustete, Schwarzmaler, Hetzer, Mitläufer, Verschwörungstheoretiker – eine bunte Mischung. Obwohl… Bunt? Nein, bunt ist das nicht, was "Pegida" da tut. Es ist Schwarz-Weiß-Malerei. Und hier und da ist ein ziemlich dicker brauner Klecks dabei. Nicht jeder "Pegida"-Demonstrant ist ein Nazi. Das ist zu einfach und undifferenziert. Viele sind Durchschnittsbürger. Aber sie marschieren Seite an Seite mit Nazis und skandieren mit ihnen gemeinsam „Wir sind das Volk“. Das macht mir Gänsehaut. Und ich wünsche mir, dass die Magdeburger es besser machen und beweisen: "Pegida" ist nur ein Teil des Volkes, eine Randgruppe. Nicht die Mehrheit. Ich wünsche mir, dass meine Heimatstadt am 17.01.2015 zur Meile der Demokratie aufsteht und zeigt: „Wir sind offen, tolerant, menschlich.

    Ich bin sehr gespannt, wie viele Menschen sich in diesem Jahr zur Meile der Demokratie in Magdeburg aufmachen werden. Im letzten Jahr kamen 10.000 – vielleicht werden es in diesem Jahr ja doppelt so viele? Das wäre ein schönes Gegengewicht zu "Pegida". Bei MDR Sachsen-Anhalt werden wir umfangreich von der Meile berichten, in Hörfunk und Fernsehen, Online und in sozialen Netzwerken. Ich werde dabei sein und freue mich auf diesen Ausflug in meine Heimatstadt.

    Auch und gerade nach dem grausamen Anschlag auf Journalisten in Paris braucht es ein Zeichen der Menschlichkeit und des friedlichen Zusammenlebens, von jedem einzelnen. Die Meile der Demokratie ist der ideale Anlass, dieses Zeichen zu setzen.

    Also dann Magdeburg. Zeig, wie bunt du bist!
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